Warum sich manche Menschen im Alter schwerer tun als andere

Viele Wissenschaftler versuchen, den Alterungsprozess zu verlangsamen. Es gibt jedoch auch einfache Strategien, um dies zu erreichen. Erfahre heute mehr über dieses Thema.
Warum sich manche Menschen im Alter schwerer tun als andere

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 17. Juli 2022

Manche Menschen werden im Alter mürrisch, sind schlecht gelaunt und unmotiviert. Sich mit dem Lauf der Zeit abzufinden ist oft schwierig: Wenn du in den Spiegel blickst, erkennst du nicht nur Falten, sondern weißt auch, dass du den größten Teil deines Lebens schon gelebt hast.

Wir hören oft, dass sich der Charakter im Laufe des Lebens nicht verändert, sondern mit zunehmendem Alter extremer wird. Bei Menschen, die in der Jugend wortkarg, mürrisch oder feindselig sind, wären demzufolge diese Eigenschafen im Alter besonders prägnant. Was ist daran wahr? Es ist richtig, dass der Lebensabend nicht immer mit Freude und Glanz einhergeht, trotzdem machen wir uns Sorgen, wenn wir beobachten, dass manche Menschen mürrisch und verbittert sind.

Wie können wir das emotionale und geistige Wohlbefinden im Alter fördern?

Oft steckt hinter der schlechten Stimmung einer älteren Person eine psychische Störung wie eine Depression.

Tochter spricht mit Mutter, die im Alter mürrisch und schlecht gelaunt ist
Im Alter ist es besonders wichtig, sich um das emotionale Wohlbefinden zu kümmern.

Warum sich manche Menschen im Alter schwerer tun als andere

Studien über das Altern boomen, was kein Zufall ist. Untersuchungen der Duke University zeigen, dass eine der größten Herausforderungen für die Gesellschaft die fortschreitende Alterung ist. Im Jahr 2050 wird schätzungsweise jeder sechste Mensch auf der Welt älter als 65 Jahre sein.

Daher ist es eines der Ziele der Wissenschaft, das Altern zu verlangsamen, um länger produktiv zu sein. Das klingt wie Science-Fiction, ist aber eine Realität, an der schon seit Jahren gearbeitet wird. Die Medizin und sogar die Biotechnologie konzentrieren sich darauf, unsere DNA auszutricksen, um unabhängig von unserem Alter jung zu bleiben.

Dies ist ermutigend, doch in vielen Fällen vernachlässigen wir die psychische Gesundheit. Denn kaum etwas ist entscheidender, als sich in jedem Lebensabschnitt psychisch und emotional wohlzufühlen, auch wenn die Kerzen nicht mehr auf dem Geburtstagskuchen Platz haben. Wir alle streben geistige und emotionale Gesundheit im Alter an, doch nicht jeder Mensch altert auf dieselbe Weise. Warum ist das so?

Menschen verändern sich im Laufe der Jahre: Traumatische Ereignisse, schlechte Familienbeziehungen und Einsamkeit können zu einem hermetischeren und komplexeren Charakter führen.

1. Die Last der Einsamkeit

Einsamkeit ist eine Epidemie. Der Verlust des Ehepartners, das Leben in der Isolation der Gemeinschaft und immer weniger Familienbesuche haben große Auswirkungen auf ältere Personen… Ungewünscht allein zu sein macht körperlich und seelisch krank. Unter diesen Umständen verändert sich oft der Charakter: Viele Menschen werden in ihrer Einsamkeit mürrisch und verlieren jede Motivation.

2. Groll und Stolz statt Vergebung

Im Herbst des Lebens ist Vergebung wichtig. Es empfiehlt sich nicht, die letzten Lebensjahre mit Enttäuschung und Groll zu erleben oder sich selbst und anderen Vorwürfe zu machen. Wenn das Bedauern zu spät kommt, gibt es kein Zurück mehr. Viele Menschen altern schlecht, weil sie mehr Stolz als Empathie zeigen.

3. Erfahrungen, die die Persönlichkeit verändern

Wir haben anfangs erwähnt, dass sich bestimmte Charakterzüge im Alter oft intensivieren. Allerdings gibt es viele Studien die zeigen, dass die menschliche Persönlichkeit nicht so stabil ist, wie wir oft glauben. 

Es stimmt, dass sich einige Persönlichkeitsmerkmale, die sich bereits in der Kindheit entwickeln, nicht verändern. Eine Studie der Universität Edinburgh zeigt jedoch, dass sich die Persönlichkeit durch Lernprozesse und Erfahrungen verändern. Auch bestimmte traumatische oder schmerzhafte Erlebnisse können Menschen tiefgreifend beeinflussen und sie mit zunehmendem Alter misstrauisch, hoffnungslos oder mürrisch werden lassen.

4. Die psychosoziale Situation

Faktoren wie finanzielle Probleme, ein benachteiligtes Umfeld oder das Risiko der Ausgrenzung sind im Alter besonders belastend. Geld macht zwar nicht glücklich, doch es ist eine wesentliche Grundlage für einen erfüllten Lebensabend. Minderbemittelte Personen leiden häufig an chronischem Stress und tun sich im Alter besonders schwer.

Menschen freuen sich im Alter am Strand
Gute soziale Beziehungen begünstigen gesundes Altern.

5. Den Lauf der Zeit nicht akzeptieren

Mit Optimismus alt zu werden, bedeutet notwendigerweise, die Auswirkungen der Jahre auf den eigenen Körper zu akzeptieren. Das ist nicht einfach und es gibt außerdem noch immer viele Vorurteile. Manche Menschen entwickeln eine Phobie vor diesem Lebensabschnitt und führen einen verlorenen Kampf. Das Alter zu verleugnen, bringt nur Leid.

Viele Menschen altern schlecht, da sie diese Lebensphase nicht akzeptieren und unglücklich sind. Wir müssen dem Alterungsprozess mehr Aufmerksamkeit schenken, im Alter aktiv bleiben, soziale Kontakte pflegen und Ziele verfolgen. Es ist nicht nur wichtig, die körperliche und geistige Gesundheit zu pflegen, sondern auch, den Schritt der Zeit zu akzeptieren.

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