Warum provoziert Traurigkeit den Wunsch, sich zurückzuziehen?

Die Innenschau ist zwar wichtig, doch du solltest deine Emotionen bei Traurigkeit auch ausdrücken und mit anderen teilen, um diesen Zustand überwinden zu können. 
Warum provoziert Traurigkeit den Wunsch, sich zurückzuziehen?

Letzte Aktualisierung: 28. Dezember 2021

Der soziale Druck drängt uns in bestimmten Momenten oft Verhaltensweisen auf, auch wenn wir eigentlich anders reagieren oder fühlen wollen. Wut, Angst und Traurigkeit werden als negativ betrachtet, deshalb versuchen viele, diese Emotionen zu verdrängen und nicht zuzulassen. Sie zwingen sich zu lächeln, auszugehen und aktiv zu sein. In Wirklichkeit führt jedoch Traurigkeit zu dem Wunsch, sich zurückzuziehen und dies sollte respektiert werden.

Hast du bemerkt, dass deine körperliche und geistige Energie viel geringer war, als du das letzte Mal traurig warst? Du benötigst in diesem Zustand Ruhe und Erholung und fühlst dich vielleicht sogar schuldig, da du die von dir erwartete Produktivität nicht erreichen kannst. Du solltest auf die Signale deines Körpers hören, denn er weiß, was du in dieser Situation benötigst.

Bei Traurigkeit nimmt die körpereigene Sekretion von Serotonin und Noradrenalin, hingegen wird mehr Cortisol ausgeschüttet. Das beeinträchtigt nicht nur dein emotionales Wohlbefinden, sondern führt auch zu Apathie, Müdigkeit, verminderter körperlicher Kraft und Ausdauer sowie Muskelhypotonie.

Warum provoziert Traurigkeit den Wunsch, sich zurückzuziehen?

Die adaptive Funktion der Traurigkeit

Anstatt Emotionen in positiv und negativ zu klassifizieren, wäre es besser, von angenehm und unangenehm zu sprechen. Wir dürfen nämlich nicht vergessen, dass jede Emotion bestimmte Gründe und Funktionen erfüllt, auch wenn sie unbehaglich ist.

Traurigkeit ist die natürliche Reaktion auf Verlust, Enttäuschung oder Verzweiflung. Sie begleitet dich, wenn du unfähig bist, eine Veränderung hervorzurufen und eine Situation oder ein Ereignis akzeptieren musst. Wut mobilisiert dich zur Verteidigung, doch Traurigkeit löst den Wunsch aus, dich zurückzuziehen, um das Geschehene innerlich zu verarbeiten.

Traurigkeit löst den Wunsch aus, dich zurückzuziehen

Nach einem Verlust oder einer Enttäuschung leidest du an emotionalem Schmerz, der dich dazu bewegt, dich nach innen zu wenden und über die Situation nachzudenken. Dies benötigt Zeit, deshalb zwingt dich die Trauer dazu, deine Aktivitäten zu verlangsamen und deine Energie auf dich selbst zu konzentrieren. Es geht jetzt nicht darum, Neues zu projizieren oder zu erschaffen, sondern die unangenehmen Ereignisse zu verarbeiten.

Verstehen und Schlüsse ziehen

Traurigkeit setzt einen Reflexionsprozess in Gang, der für das persönliche Wachstum grundlegend ist. Sie ermöglicht die Innenschau, um das Geschehene zu analysieren und es zu verstehen. Du suchst Antworten auf die Frage des Warum und versuchst, die Veränderung zu akzeptieren, die Lebenslektion zu verarbeiten.

Schließlich hilft dir das, dich in die neue Realität einzufinden und sie zu akzeptieren. In manchen Fällen kannst du ähnliche Situationen in Zukunft vermeiden, in anderen ist dies nicht möglich. Du lernst auch, deine Bedürfnisse, Werte und Wünsche besser kennen und kannst dadurch Prioritäten setzen, die dir helfen werden, deinen Weg fortzusetzen.

Der Wunsch, dich zurückzuziehen, hilft dir, die Traurigkeit zu überwinden

Die Traurigkeit fördert zwar deinen Wunsch, dich zurückzuziehen, doch hilft dir gleichzeitig, deinen Schmerz zu heilen, indem du dir Ruhe gönnst und dich pflegst.

Während dieser Zeit der Isolation investierst du deine Energie in dich selbst, gewinnst Kraft zurück und integrierst das Geschehene in deine persönliche Geschichte.

Der Wunsch, dich zurückzuziehen, hilft dir, die Traurigkeit zu überwinden

Wenn der Wunsch, dich zurückzuziehen zu lange dauert

Die Isolation während der Traurigkeit erfüllt eine Funktion, wenn sie jedoch zu lange dauert oder du zu tief in diesen Gefühlszustand eintauchst, dich schuldig machst oder als Versager fühlst, musst du unbedingt etwas unternehmen, um diesem tiefen Abgrund zu entkommen.

Vielleicht hast du das Gefühl, für das Geschehene verantwortlich zu sein, einen Fehler gemacht zu haben. Du glaubst, dass deine Traurigkeit inakzeptabel ist, doch dies lässt dich nur hoffnungslos fühlen.

Denke daran, dass Traurigkeit einen sozialen Wert hat: Sie zeigt anderen, dass du Unterstützung brauchst und ermutigt sie, diese anzubieten. Wenn die Isolation zu lange dauert oder zu intensiv ist, führt das zu einer negativen Rückkopplung, durch die du soziale Verstärker verlierst.

Die Innenschau ist zwar wichtig, doch du solltest deine Emotionen auch ausdrücken und mit anderen teilen, um sie überwinden zu können. Wenn du Schwierigkeiten hast, mit Traurigkeit umzugehen, kann eine professionelle Beratung eine große Hilfe sein.

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  • Cruz Pérez, G. (2012). De la tristeza a la depresión. Revista electrónica de psicología Iztacala15(4).
  • José, P., & Alberto, J. (2015) Neurofisiología y Psicofarmacología de los Trastornos del Estado de Ánimo y su aplicabilidad en la Depresión. Paraninfo Digital: monográficos de investigación en salud. Disponible en: http://www.index-f.com/para/n22/pdf/214.pdf