Warum enttäuschen mich die anderen immer?

Warum enttäuschen dich andere Menschen? Willst du etwas über die möglichen Gründe erfahren? Dann lies diesen interessanten Artikel!
Warum enttäuschen mich die anderen immer?
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 13. Oktober 2022

Warum enttäuschen mich die anderen immer? Wenn ich immer mein Bestes gebe, warum machen das die anderen dann nicht auch? Viele Menschen stellen sich diese Fragen, weil sie frustriert und traurig sind und nach Antworten suchen. Wenn es dir oft genauso geht, wendest du dich anderen Leuten vielleicht irgendwann nicht mehr zu. Du hast Angst davor, dass es wieder passieren könnte.

Obwohl du der Ansicht sein könntest, dass die Erinnerung an deine Enttäuschungen mit der Zeit verblassen wird, funktioniert es leider nicht wirklich so. Sie hinterlassen ihre Spuren. Manche Leute kommen mit Enttäuschungen besser zurecht als andere und kommen schnell darüber hinweg. Anderen aber machen diese Gefühle zutiefst zu schaffen und sie nagen noch jahrelang an ihnen.

Wie kommt es überhaupt zu dieser Art von Enttäuschungen? Haben menschliche Wesen generell kein Talent dazu, gute Beziehungen zu führen? Bist du zu selbstbezogen? Oder bist du zu vertrauensvoll?

Enttäuschte Frau lehnt sich an eine Fensterscheibe. Warum enttäuschen mich Menschen?

Gründe, warum dich andere immer enttäuschen

Jede Person hat ihre eigenen Werte und betrachtet die Welt, die Liebe, Respekt und Freundschaft aus einem anderen Blickwinkel. Sogar etwas so Grundlegendes und scheinbar Universelles wie der gesunde Menschenverstand scheint von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich ausgeprägt zu sein. Darum wird niemand hundertprozentig deine Standards teilen. Niemand sieht die Welt genau wie du sie siehst.

Trotzdem verlangst du Respekt. Du erwartest zumindest Vertrauen und Ehrlichkeit. Manchmal bekommst du das leider nicht. Daher hat jeder von uns schon einmal zu einem gewissen Grad Enttäuschungen erlebt. Die Welt funktioniert einfach so. Obwohl manche Menschen damit ziemlich gut zurechtkommen und es ihnen auch nicht allzu häufig passiert, steht es bei anderen regelmäßig auf der Tagesordnung.

Woran könnte das wohl liegen?

Du bist zu vertrauensvoll – “Heuchlerei ist der natürliche Zustand des menschlichen Geists”

Wenn du deine Beziehungen zu anderen Menschen ein bisschen besser steuern willst, dann versuche nicht jedem Menschen, den du triffst, blindlings zu vertrauen. Der US-amerikanische Evolutionspsychologe Robert O. Kurzban erklärt uns in seinem Buch Why Everybody (Else) is a Hypocrite: Evolution and the Modular Mind (ein deutscher Titel könnte lauten: Warum alle (anderen) Heuchler sind: Die Evolution und das modulare Denken) sehr interessante Dinge:

  • Ein Teil deiner Gedankenwelt verfügt über Werte und fixe weltanschauliche Meinungen. Allerdings ist ein anderer Teil ausschließlich auf die Verführung anderer Menschen ausgerichtet. Du möchtest, dass dich andere Leute mögen, dass du in eine Gruppe hineinpasst, dass du Freundschaften knüpfst und die Menschen eroberst, zu denen du dich hingezogen fühlst. Um das, was du willst, zu bekommen, wirst du nicht zögern, zu kleinen Notlügen zu greifen oder ein wenig zu heucheln.
  • Wenn sich eine Beziehung vertieft, zeigen sich die wahren Charaktere. Ganz plötzlich findest du vielleicht heraus, dass die Person, die du zu kennen glaubst, eigentlich keinen deiner Werte teilt.

Als vorbeugende Maßnahme solltest du dich besonnen verhalten. Vertraue einem Menschen nicht, bevor du ihn nicht eine Weile kennst. Beobachte aufmerksam, wie sich andere Leute verhalten, besonders bei scheinbar unbedeutenden Dingen.

Auch Freunde können enttäuschen

Du hast hohe Erwartungen, deshalb enttäuschen dich andere

Wie William Shakespeare einmal sagte: Erwartung ist die Wurzel allen Kummers”. Wenn du dich x-mal fragst, warum dich andere immer enttäuschen, solltest du dich selbst einmal genauer unter die Lupe nehmen. Welche Erwartungen stellst du an andere Leute?

Wenn du deine Erwartungen anpasst, kann das ganz deutliche positive Auswirkungen auf dein Leben haben. Wenn du damit aufhörst, von Leuten zu erwarten, wie sie sein oder was sie tun müssen, wirst du am Ende froh darüber sein.

Du hast eine Neigung zu schmerzhaften Beziehungen, die dich enttäuschen

Manche Menschen suchen unbewusst nach Liebesbeziehungen oder Freundschaften mit Menschen, die sie potenziell verletzen können. So landen Frauen und Männer mit erhöhtem Empathie-Empfinden oft in Beziehungen mit Narzissten. Das wird als klassisches Wendy-Syndrom bezeichnet. Das Wendy-Syndrom erkennt man am Bedürfnis, für andere zu sorgen und sich nützlich zu fühlen.

Das passiert dir immer wieder: Dein Persönlichkeitstyp sucht nach der Art von Person, die das Schlechteste in dir hervorbringt. Vielleicht liegt das daran, dass du ein geringes Selbstwertgefühl hast. Die andere Person gibt dir nicht das Gefühl, wahrgenommen zu werden oder dass deine Bedürfnisse erfüllt werden. Menschen in solchen Situationen bemerken oft gar nicht, was vor sich geht, bis sie sich auf einmal der Manipulation und des Betrugs bewusst werden.

Mann, der eine Enttäuschung verkraftet.

Du wirst deine “Investition” nie in gleicher Höhe zurückbekommen

Das Prinzip der Gegenseitigkeit bedeutet, dass man genau das zurückbekommt, was man selbst gibt. Wenn du diesen Satz für bare Münze nimmst, wird dir das viel Kummer einbringen. Die meisten Menschen erwarten nämlich, ihre “Investition” in gleicher Höhe zurückzuerhalten.

Allerdings sind Beziehungen keine geschäftlichen Transaktionen. Wenn du dich ständig fragst, warum dich andere enttäuschen, musst du vielleicht deine Ansicht über die Gegenseitigkeit in Beziehungen verändern.

  • Bei der Gegenseitigkeit geht es vor allem darum, das zu empfangen, was dir andere geben und es zu genießen.
  • Geben ist ein vollkommen freiwilliger Akt. Jeder Partner entscheidet, was er geben will und wie er es geben will.
  • Du hast zum Beispiel einen Freund, der auf deine Nachrichten nicht so häufig antwortet, wie du es gerne hättest. Aber genau dieser Freund steht dir in schwierigen Situationen immer bei.
  • Darum ist es wichtig, einen entspannteren Ansatz zu wählen. Du solltest nicht versuchen, was du in eine Freundschaft gesteckt hast und was du vom anderen zurückbekommst, gegeneinander aufzurechnen. Wenn du das tust, wirst du ständig enttäuscht sein.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Es ist gut zu akzeptieren, dass Enttäuschungen zum Leben dazugehören. Du könntest auch deine Erwartungen herunterschrauben und ein bisschen vorsichtiger sein mit dem Vertrauen, das du anderen Leuten entgegenbringst. Vergiss nicht, dass du dich mit der Besonnenheit immer in guter Gesellschaft befindest.


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  • .Kuzban, Robert (2010) Why Everyone (Else) Is a Hypocrite: Evolution and the Modular Mind.  Princeton University Press

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