Warum muss ich die starke Person in der Familie sein?

In jeder Familie gibt es eine Person, die am Ende die Rolle des Starken, des Zähen, des ständigen und unermüdlichen Versorgers übernimmt. Diese Rolle hat jedoch Folgen, und zwar vielleicht in einem größeren Ausmaß, als wir denken.
Warum muss ich die starke Person in der Familie sein?
Michael Schaller

Geprüft und freigegeben von Psychologe Michael Schaller.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 15. August 2022

In jeder Familie gibt es eine starke Person, doch diese Rolle ist nicht einfach und die Verdienste werden auch nicht entsprechend anerkannt. Sobald diese Rolle vergeben ist, ist es schwierig, sie wieder abzulegen oder mit anderen zu teilen. Die starke Person ist oft gut darin, Probleme zu lösen, vielleicht ist sie auch sehr solidarisch oder sie hat einfach mehr Zeit als andere Familienmitglieder. Sie trägt die Last großer Krisen und ist für komplexe Entscheidungen verantwortlich. Weißt du, wovon wir sprechen?

Es ist nicht immer einfach, die Stütze der Familie zu sein, auch wenn Fähigkeit und Bereitschaft dazu grundsätzlich vorhanden sind. Auch an Tagen oder in Situationen, in denen sich die starke Person unwohl oder demoralisiert fühlt, erwarten sich die anderen von ihr, dass sie ihre Rolle spielt und Verantwortung übernimmt.

“Wir sind nicht für das Glück anderer verantwortlich. Wir sind nicht für die Verantwortung anderer verantwortlich. Wir haben das Recht, uns schwach zu fühlen. Also atme durch und ruhe dich aus.”

Patricia Ramirez

Die starke Person in der Familie

Die meisten werden ganz unbewusst und ohne danach zu streben zur starken Person in der Familie. Sie sind bereit, problematische Situationen zu lösen und gehen mit Schwierigkeiten effektiv um. Allmählich wenden sich die anderen Familienmitglieder deshalb in Krisenzeiten oder bei Problemen immer an diese Personen.

Das ist keine schlechte Sache. Manche Menschen sehen in Schwierigkeiten Chancen und wissen, damit umzugehen. Problematisch wird es dann, wenn du jemandem diese feste Rolle zuweist und diese Person zum “Container” für große und kleine Probleme machst.

Noch komplizierter wird es, wenn die Person schließlich ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie sich in der Rolle nicht wohlfühlt. Die anderen nehmen eine schwache oder bequeme Position ein und geben sogar einen Teil ihrer Autonomie auf. Die starke Person in der Familie hat jedoch auch das Recht, schwach zu sein. 

Wenn ich mich nicht darum kümmere, tut es keiner

Die starke Person in der Familie kann auch selbst dazu beitragen, dass andere Familienmitglieder die Verantwortung an sie abgeben. Die starke Person glaubt, alles selbst tun zu müssen und ist daran gewöhnt, die Kontrolle zu übernehmen. Sie glaubt, dass sonst nichts funktioniert. Dadurch entsteht eine Dynamik, die nur schwer zu durchbrechen ist und der Person, welche die starke Rolle spielt, schadet, da sie an Überlastung und Stress leidet. Auch für die anderen Familienmitglieder ist diese Situation nicht förderlich, denn sie lernen nicht, ihre eigene Verantwortung zu tragen.

Das Schema durchbrechen

Bist du die starke Person in der Familie? Vergiss nicht, dass du dich auch um dich selbst kümmern musst und jedes Familienmitglied lernen muss, selbst Verantwortung zu übernehmen. Es ist nicht immer nötig, den anderen zu helfen, denn diese müssen lernen, bestimmte Schwierigkeiten oder Probleme selbst zu regeln. Natürlich kann Unterstützung erforderlich sein. Achte auf gesunden Ausgleich, vergiss jedoch nicht, an andere zu delegieren, wenn das möglich und nötig ist. 

Versuche deinen Kindern zu zeigen, wie sie ihren Weg selbst finden können. 

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