Wachstum der Liebe – die Ge- und Verbote der Beziehungen

· 25. Juli 2018

Es ist wahr, dass die Liebe uns verwundbar macht: Es kommt ein Moment, in dem wir unser Herz öffnen und darüber nachdenken müssen, wie wir die Liebe entwickeln können, und als Folge davon werden wir oft verletzt und mögen gar entscheiden, es für immer zu schließen. Wir wollen diesen Schmerz nicht noch einmal erleben. Das Problem ist, dass wir, wenn wir so handeln, einige der schönsten Aspekte des Lebens verpassen werden.

Dennoch ist es für viele zu einer unmöglichen Aufgabe geworden, einen festen Partner zu finden und zu halten. Dabei sind wir es selbst, die alles verkomplizieren. Es fällt uns schwer, die Tatsache zu akzeptieren, dass jede Beziehung eine Art von Leid mit sich bringt, aber gleichzeitig erkennen wir nicht, dass das Wachstum der Liebe und die Pflege derselben in unseren Händen liegt. So sollte es nicht sein, denn lieben und sich lieben lassen ist ein einfacher und spontaner Akt, wie die nachfolgend vorgestellten Ge- und Verbote der Liebe zeigen.

„Liebe, bis es wehtut. Wenn es wehtut, ist das ein gutes Zeichen.“

Heilige Teresa von Kalkutta

1. Kommunikationskanäle öffnen und nutzen

So nebensächlich ein Kommentar auch sein mag, wir sollten uns immer an die Bedeutung der Kommunikation erinnern. Sie ist die Grundlage der Liebesbeziehung und aller Arten anderer zwischenmenschlicher Verhältnisse. Wenn Kommunikation und Dialog stattfinden, dann ist alles möglich. Wenn wir in der Liebe wachsen, dann kann alles erreicht werden.

Die Gebote der Liebe lehren uns, dass Kommunikation unsere Gefühle prägt. Die Gefühle, die uns in und gegenüber unseren Beziehungen positionieren. Wenn wir jemanden lieben, es aber nicht sagen, dann ist das so, als gäbe es dieses Gefühl nicht. Denken wir daran, dass Kommunikation viele Möglichkeiten bietet und mehr ist als nur Worte.

Ein Paar tanzt vor Zahnrädern und einer grauen Stadt.

2. Sensibilität gegenüber dem Partner

Sensibel zu sein bedeutet, gegenüber der Person, die wir lieben, aufmerksam zu sein. Zu hören, was sie sagt und was sie nicht sagt. Zu verstehen zu suchen, was ihre Gesten und ihr Tonfall zu vermitteln versuchen. Hören, sehen, berühren. Lernen wir, ihre Stimmung zu erkennen. Ihre Bedürfnisse. Das ist das Wachstum der Liebe.

Wir sollten nicht einfach fragen „Was ist los mit dir?„,  wenn wir bemerken, dass etwas nicht stimmt. Erinnern wir uns stattdessen daran, wie mühsam es ist, jemandem alles erklären zu müssen, wenn wir eine schlechte Zeit durchmachen. Welcher Schmerz aufkommt, wenn wir all unsere Gefühle in Worte fassen müssen. Und welches Glück, wenn der andere einfach für uns da ist.

Ein sensibler Partner ist zufrieden damit, da zu sein, Schmerz und Liebe zu kommunizieren, oft ohne die Notwendigkeit von Worten.

3. Gemeinsame Zeit

Mit der Zeit hören wir auf, die Wichtigkeit jener romantischen, intimen Momente zu schätzen, die wir in trauter Zweisamkeit verbringen. Dies geschieht, weil wir das Gefühl haben, dass unsere Liebe bereits gefestigt sei. Es scheint gut zu laufen. Wir sind zufrieden mit dem, was wir haben, und was dafür getan werden musste, wurde bereits getan.

Das alles mag zwar weitgehend zutreffen, wird aber aus einer irrigen Perspektive beurteilt. Die Gebote der Liebe sagen uns, dass Liebe nie vollständig und unzerstörbar sein könne. Beziehungen unterliegen ständiger Veränderung und um die Liebe stark zu halten, ist es wichtig, die Romantik nicht zu vergessen, noch besondere Gelegenheiten verstreichen zulassen, Zeit zu zweit zu verbringen.

Ein Junge singt für ein Mädchen.

4. Nicht in der Öffentlichkeit

Eine der Gewohnheiten, die starkes Ressentiment in einer Beziehung verursacht, ist öffentliche Kritik. Niemals, unter keinen Umständen, sollten wir unseren Partner vor anderen beschuldigen. Dies ist eines der Verbote der Liebe, die niemals überschritten werden sollten.

Warum haben wir dennoch das Bedürfnis, seine Fehler und Irrtümer bekannt zu machen? Es ist eine subtile Form von Vergeltung und Rache und nicht der aufrichtige Wunsch, eine Meinungsverschiedenheit auszudrücken oder auf die Fehler der anderen Person hinzuweisen. Wenn die Beschwerde öffentlich gemacht wird, ist das für den Partner jedoch enorm demütigend.

5. Raum zum Atmen lassen

Jeder ist mehr oder weniger besitzergreifend, wenn es um seinen Partner geht. Was wir nicht zulassen dürfen, ist, dass diese Besessenheit zum Kitt unserer Beziehung wird.

Wenn wir jemanden wirklich lieben, dann werden wir daran arbeiten wollen, diese kontrollierenden Gewohnheiten abzulegen, die zu nichts führen. Niemand ist der Besitz einer anderen Person. Diese Intensität führt nur zu Distanz. Jeder muss Raum zum Atmen haben und auch auf individueller Ebene wachsen können.

Partner liegen in Fesseln auf dem Boden

6. Gute und schlechte Zeiten

Die Ge- und Verbote der Liebe laden uns ein, unsere Beziehungen nicht nur zu romantisieren, sondern mit einer Prise Realismus zu würzen. Egal wie schön eine Beziehung ist, wir werden auch schwierige Zeiten durchmachen müssen. Das bedeutet nicht, dass etwas nicht stimmt. Ganz im Gegenteil: Es ist gesund, auf Herausforderungen zu treffen und sie gemeinsam zu überwinden.

Schwierigkeiten erlauben einem Paar, in ihrer Beziehung zu wachsen und zu reifen. Es sind jene Zeiten, in denen die Qualität der Beziehung auf die Probe gestellt wird. Sie sind auch eine großartige Gelegenheit, unser Liebesleben mit frischem Wind zu beleben.

7. Keinen Druck im Kessel stauen

Nebensächliche Diskussionen können außer Kontrolle geraten. Meinungsverschiedenheiten können sich in wahre Schlachten verwandeln, wenn wir nicht bereit sind, uns zu beruhigen und die Probleme zu lösen.

Was wir niemals tun sollten, ist, vorzugeben, alles würde sich von selbst regeln. Bestimmte Umstände können uns unwichtig erscheinen, aber diese Beurteilung können wir für unseren Partner nicht vornehmen.

8. Intimität pflegen

Wenn ein Mensch sich geliebt fühlt, entwickelt sich seine Sexualität spontan. Liebe ist das beste Aphrodisiakum. Aber auch in der Sexualität gibt es, wie in vielen anderen Bereichen, Höhen und Tiefen. Da kommen Zeiten großer Spontaneität auf uns zu, aber sie werden unterbrochen von Dürren.

Die Gebote der Liebe zeigen uns, dass Intimität kultiviert werden muss. Das bedeutet nicht, dass wir seltsame oder exotische Situationen schaffen müssten, damit die Flamme nicht erlischt. Es bedeutet Küssen, Lachen, Streicheln, Umarmen. Sie alle entfachen die Leidenschaft.

9. Verantwortung zuordnen

In einer Beziehung ist ein Mensch bis zu einem gewissen Grad dem anderen gegenüber verantwortlich. Der Schlüssel liegt jedoch im Ausdruck „bis zu einem gewissen Grad“. Niemand kann erwarten, dass sein Partner zur Quelle all seines Glücks werde. Kein Mensch sollte diese Verpflichtung haben, kein Mensch kann ihr nachkommen.

Das Problem ist, dass es viele Menschen gibt, die Liebe und Beziehungen idealisieren. Wir erwarten viel mehr, als wir geben können. Dann werden wir uns schließlich enttäuscht fühlen, weil diese Erwartungen nicht erfüllt werden. Es liegt an uns, unsere Perspektive zu ändern.

Ein japanisches Paar betrachtet eine Leinwand.

10. Stärken wir uns selbst

Eine Beziehung ist nur dann gesund, wenn diejenigen, die in ihr sind, auch gesund sind. Wenn wir wollen, dass die Beziehung wächst, müssen wir zuerst als Individuen wachsen. Wenn wir Verbesserungen wollen, fangen wir bei uns selbst an.

In einer Beziehung zu sein bedeutet nicht, aufzuhören, ein Individuum zu sein. Unser größtes Engagement gilt nach wie vor uns selbst.

Das Ge- und Verbote der Liebe sind ein Werkzeug, das uns helfen kann, uns neu zu orientieren. Sie sind kein Rezept, dem genauestens gefolgt werden müsse. Verwenden wir sie einfach als Leitfaden, sodass wir das Wachstum der Liebe ermöglichen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Benjamin Lacombe