Wabi-Sabi: Die Schönheit der Unvollkommenheit

8. Juni 2019
Erfahre heute mehr über dieses japanische Konzept der Wahrnehmung von Schönheit.

Wabi-Sabi ist ein Konzept, das sehr eng mit dem Zen-Buddhismus in Verbindung steht. Es bezieht sich auf die Fähigkeit, die Schönheit in der Unvollkommenheit zu sehen. Diese asiatische Philosophie kann Menschen helfen, ein glücklicheres und erfülltes Leben zu führen.

Tatsächlich ist Wabi-Sabi die Kunst, in der Unvollkommenheit Harmonie und Wohlbefinden zu finden. Es ist die Fähigkeit, Schönheit in den einfachsten Dingen des Lebens zu sehen.

Leonard Koren, Autor von Wabi-Sabi für Künstler, Architekten und Designer: Japans Philosophie der Bescheidenheit, beschreibt Wabi-Sabi als ein traditionelles japanische Konzept, um wahre Schönheit in unvollkommenen oder unvollständigen Dingen zu finden. Es geht dabei auch um die Akzeptanz des Unkonventionellen.

Dabei werden jedoch nicht nur äußere Faktoren betrachtet. Wabi-Sabi ist eine Philosophie, die den Frieden mit uns selbst und mit unserer Umgebung in den Mittelpunkt rückt.

Die Ursprünge von Wabi-Sabi

Wabi-Sabi ist mit dem buddhistischen Konzept des Tri Laksana, das im deutschen als die drei Daseinsmerkmale bezeichnet wird, verbunden. Dieses Konzept besagt, dass alles, was in der Natur geschieht, drei fundamentalen Merkmalen unterliegt: Vergänglichkeit, Leiden und Nicht-Selbst.

Es handelt sich nicht um eine Philosophie, die mit westlichen Schönheitsstandards vergleichbar ist.

Frau mit Schmetterling auf der Schulter, Symbol für den inneren Frieden

Tatsächlich bedeutet „Wabi“, in Maßen zu leben und jeglichen Luxus zu meiden. Es ist genau das Gegenteil von Extravaganz und Verschwendung. Auf der anderen Seite bedeutet das Wort „Sabi“ Gelassenheit und Ruhe, die mit dem Alter oder der geistigen Reife einhergehen.

Wabi-Sabi hebt daher die Schönheit von Unvollkommenheiten und die Größe einfacher Dinge hervor, ohne die dekadenten Aspekte der Welt außer Acht zu lassen, in der Traurigkeit und Trostlosigkeit in absoluter Melancholie verschmelzen.

Kintsukuroi: Imperfektion macht ein Objekt widerstandsfähiger und schöner

Wir können Wabi-Sabi auch mit der japanischen Technik Kintsukuroi, auch als Kinsugi bekannt, in Verbindung bringen. Dies ist eine Technik, mit der zerbrochene Gegenstände, wie zum Beispiel ein Teller, repariert werden. Hierzu werden Risse und Sprünge mit Gold gefüllt. Auf diese Weise wird das Objekt schöner und widerstandsfähiger als es zuvor war.

Darüber hinaus kann dieses Konzept auch metaphorisch auf eine gebrochene Seele angewandt werden, die gelitten hat. Denn die Philosophie, die hinter Kintsukuroi steckt, besagt, dass schwierige Zeiten eine großartige Gelegenheit sein können, eine stärkere und schönere Person zu werden.

Unsere Narben werden dann zu einem Symbol unserer Belastbarkeit in schwierigen Zeiten und zeugen von unserer Fähigkeit, uns selbst zu heilen.

Wabi-Sabi und Psychologie

Aus psychologischer Sicht ist Resilienz die Fähigkeit, sich schwierigen Zeiten zu stellen und gestärkt daraus hervorzugehen. Eine belastbare Person entdeckt innere Ressourcen, die ihr helfen, nach einem traumatischen Erlebnis wieder auf die Beine zu kommen.

Für belastbare Menschen ist ein Problem oder eine Krise eine Herausforderung, eine Chance, zu wachsen und sich zu entwickeln. Sie nutzen Schmerz als Treibstoff, um neue Ziele zu erreichen, voranzukommen und ein Gleichgewicht im Leben zu finden.

Wabi-Sabi ist eine fernöstliche Philosophie, die uns Widerstandsfähigkeit lehrt.

Den Ausweg aus dem Labyrinth des Lebens zu finden und mit sich und anderen in Frieden zu leben, sind wichtige Aspekte in unserem Leben.

Wabi-Sabi hilft uns mit Unvollkommenheit umzugehen und an uns selbst zu glauben. Wir können damit Dinge erreichen, die unmöglich schienen. Allerdings müssen wir hart daran arbeiten.

Diese Fähigkeit ist besonders in schwierigen Zeiten nützlich, da wir deshalb nicht so leicht von unseren Problemen überwältigt werden und neue Ziele setzen können, an die wir wirklich glauben.

Lernen wir, die Schönheit auch in den kleinen, unvollkommenen Dingen zu sehen, um das Leben genießen zu können.