Du kannst alles überwinden: Resilienz

11. August 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Alles überwinden - Eine Frau steht in einer Blumenwiese.

Wenn du Schiffbruch erleidest, ist niemand da, der dir einen Rettungsring zuwirft. Wenn du den Sprung ins kalte Wasser wagen musst, hast du kein Boot parat. Trotzdem schaffst du es irgendwie, diese schweren Zeiten zu überstehen. Manchmal mit einem Lächeln. Manchmal wirfst du einfach die Tür zu und blickst nicht mehr zurück. Vielleicht hast du kein Patentrezept für jeden Fehler und auch keinen Kompass, der dir den richtigen Weg weisen würde. Aber das ist kein Grund zur Verzweiflung. Früher oder später kannst du jedes Problem, einfach alles überwinden. Du wirst triumphierend und mit erhobenem Kopf aus den Widrigkeiten hervorgehen. 

Das klingt jetzt vielleicht wie eines dieser motivierenden Zitate aus der positiven Psychologie. Noch so ein kitschiges „Wenn du es wirklich willst, schaffst du es!“-Poster mit einem strahlenden Smiley darauf. Aber dieser psychologische Ansatz ist tatsächlich sehr viel mehr als nur eine klischeehafte Phrase. Die Weiterentwicklung dieses Konzepts können wir beobachten, seit Martin Seligman die theoretische und wissenschaftliche Grundlage der positiven Psychologie in den 90er-Jahren geschaffen hat.

Die positive Psychologie erfährt neuen Aufschwung. Diese neue Sichtweise erkennt die menschliche Fähigkeit zur Anpassung an Veränderung. Dafür müssen wir verstehen, wie komplex emotionale Erfahrungen sind und dass es nicht immer leicht ist, das Negative vom Positiven zu trennen. Um zu überleben und widrige Umstände zu überstehen, müssen wir lernen, mit der ganzen Bandbreite unserer Gefühle zu leben. Gefühle können eine Herausforderung sein, sich aber auch ergänzen. Sie ergeben ein emotionales Gleichgewicht, das sich selbst ziemlich effektiv reguliert.

„Die Stirn bieten, immer die Stirn bieten – so kommt man durch.“

Joseph ConradEin Mann blickt auf ein Flugzeug, das über ihm fliegt.

Wo ist der Ausweg?

Vielleicht kannst du dein Problem lösen, indem du dich davon distanzierst oder einen Tapetenwechsel vornimmst. Steige in ein Flugzeug, fliege fort, unterbrich deinen Trott. Oder vielleicht ist das nicht die Lösung – vielleicht musst du endlich laut aussprechen, was sich so lange in dir aufgestaut hat, um dich endlich klar auszudrücken. Schließe diese Etappe deines Lebens mit einem Lächeln ab, oder wirf die Tür zu. Es ist auch möglich, dass das, was du brauchst, schon längst da ist. Du hast es nur noch nicht bemerkt.

Egal, in welcher Situation du dich befindest und welchem Problem oder schwarzem Loch du entfliehen willst, vergiss nie: Du kannst alles überwinden und du wirst da wieder herauskommen. Das Wichtige ist, den Blick nach vorn zu richten und nicht am Problem selbst hängen zu bleiben. Es ist vielleicht schwer zu glauben, aber die meisten von uns machen diesen Fehler. Das heißt, wenn wir uns mit widrigen Umständen konfrontiert sehen, konzentrieren wir uns nur auf unsere Schmerzen und darauf, wie ungerecht alles ist …Man kann der Angst ins Gesicht sehen, aber man kann sich nicht über sie erheben.

Jedes Problem ist begrenzt. Wenn du es schaffst, es zu überwinden, kannst du endlich nach Luft schnappen und einen Fluchtplan schmieden. Aber wie viele von uns machen das tatsächlich? Allzu oft tun wir das nicht und erleiden die Konsequenzen. Widrige Umstände können lähmend wirken und wir sind nicht gut darauf vorbereitet oder daran gewöhnt, mit unangenehmen, scheinbar negativen Gefühlen umzugehen. Die meisten Menschen halten Negatives nur schlecht aus.

Der neue Ansatz der positiven Psychologie betont, wie wichtig es ist, nicht alle Kraftreserven zu verschwenden. Wenn du es schaffst, deine negativen Gefühle anzunehmen, anstatt gegen sie anzukämpfen, dann wirst du Fortschritte machen.

Eine Hand steckt sich in Richtung Horizont.

Du kannst alles überwinden, aber wo ist der Ausweg? Der Weg hinaus befindet sich am Horizont, direkt hinter den Grenzen deiner Angst.  

Lektionen über Rückschläge

In den letzten Jahren hat nicht nur das Feld der positiven Psychologie interessante Fortschritte gemacht. Täglich werden neue Studien und Artikel zur Psychologie des posttraumatischen Wachstums veröffentlicht. In diesem Bereich der Forschung geht es darum, dass die Dinge vielleicht nicht immer nach Plan laufen, aber dass wir aus widrigen Umständen als ein veränderter, reiferer Mensch hervorgehen können. Jeder Prozess hat mit Veränderung zu tun – und Veränderung bedeutet auch, zu verlieren, zu gewinnen und sich neu zu orientieren.

Die Forschung über Rückschläge lehrt uns, dass wir vielleicht etwas von unserer Unschuld verlieren. Wir verlieren unser Vertrauen, unsere Spontanität … Bestimmte Dinge gehen während dieses Prozesses verloren und es ist nicht möglich, unverletzt aus der Sache hervorzugehen. Darüber besteht kein Zweifel. Trotzdem, um es mit den Worten des Dichters und Architekten Joan Margarit zu sagen, „eine Wunde ist auch ein Ort zum Leben“.  An diesem schwierigen Ort finden wir eine unübertroffene kreative Kraft. Wir entdecken Stärken, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie haben, und wir erschaffen eine bessere Version unserer selbst.

Pflanzen wachsen aus einem Spalt in einer Mauer.

Du kannst alles überwinden, wenn du einen Fluchtplan hast. Es muss dir nur klar sein, dass du auf der anderen Seite nicht mehr dieselbe Person sein wirst. Du wirst stärker sein. Das zu verstehen und diesen Gedanken zu verinnerlichen, wird dir auf deinem Lebensweg helfen. Als erstes muss dir klar sein, dass niemand gegen Rückschläge immun ist. Zweitens, dass in uns allen das Potenzial für dieses sogenannte posttraumatische Wachstum schlummert. 

Martin Selgiman selbst erinnert uns in seiner Arbeit über den 11. September daran. Etwas, was er in all jenen beobachtete, die den Terroranschlag überlebten, war ihre Resilienz. Allzu oft führen die schlimmsten Ereignisse zu den positivsten Veränderungen. Sie lehren uns Bescheidenheit und rücken uns den Kopf zurecht. Wir werden widerstandsfähiger, nehmen unsere eigene Verletzlichkeit an und eine ganzheitlichere Lebensphilosophie.

Schließlich sei gesagt, dass die Kraft einer Person nicht in deren Fähigkeit liegt, gewissen Dingen zu widerstehen. Sie liegt in dem unzerstörbaren menschlichen Willen, uns zu verändern und immer wieder neu zu erfinden.

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