5 Rituale zur Überwindung von Angst

· 7. Juli 2018

Rituale zur Überwindung von Angst können als authentische tägliche Schmerzmittel wirken. Sie sind verhaltensorientierte und kognitive Schutzschilde, mit denen Unsicherheit anhand sehr einfacher Aktionen kontrolliert werden kann. Sie bringen Ordnung, Struktur, fördern mentale Ruhe und Sicherheit, und dämpfen dieses Gefühl der Angst, mit Panik und undefinierbarem Druck versetzt ist und uns so oft quält.

Es kann sein, dass das Thema der Rituale bei einigen Lesern ein gewisses Misstrauen hervorruft. Traditionellerweise hat das Wort „Ritual“ eine spirituelle Konnotation und ist mit einer Reihe von Sprüchen oder Magie verbunden, die Glück, Liebe oder Gesundheit anziehen sollen. Trotzdem vergessen wir oft seine wahre Bedeutung: Ein Ritual ist eine Handlung, die wiederholt ausgeführt wird und einem Zweck dient. Dabei hat es eine feste und gut definierte Struktur.

Rituale zur Überwindung von Angst erlauben es uns, in unseren Alltag Sequenzen von sich wiederholenden Bewegungen einzufügen, die das Gehirn überlisten‘, in dem sie einen angenehmen Zustand der Vorhersehbarkeit und Stabilität simulieren.

Dieser einfache Akt, eine Bewegungsfolge in unsere Routine aufzunehmen, die uns eine gewisse Ordnung und ein Gefühl der Kontrolle verleiht, ist überaus vorteilhaft für uns. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Angst von Ungewissheit ernährt, aus dem Nichts entsteht, unvorhersehbar ist und uns die Kontrolle über unser Leben nimmt. Daher bieten uns kognitive und verhaltensorientierte Rituale einen sehr interessanten Kompensationsmechanismus, der es wert ist, von uns berücksichtig zu werden.

Lasst uns dieses Thema ein wenig näher betrachten.

Besorgte Frau, die auf der Arbeit von Angst gequält wird

Rituale zur Überwindung von Angst, sind sie wirklich nützlich?

Der bekannte Anthropologe Bronislaw Malinowski untersuchte zu Beginn der 1920er Jahre die Bevölkerung der Trobriand-Inseln im Pazifik. Es gab dort etwas, das seine Aufmerksamkeit auf sich zog: Wenn ein Mann im Fluss fischte, tat er es nicht auf dieselbe Art, wie wenn er im Meer fischte. Bevor er zum Ozean aufbrach, führte er eine Reihe sehr komplexer Rituale durch. Etwas, das er nicht tat, wenn er zu den Flüssen der Inseln strebte.

Das Meer war die meiste Zeit über gefährlich, unberechenbar und unerbittlich. Die Rituale sollten die Angst der Fischer besänftigten und ihnen ein Gefühl der Sicherheit geben. Sie hatten sozusagen einen symbolischen Wert und lieferten das Versprechen, dass „alles gut ausgehen würde“. So zeigt eine interessante Studie, die in der Zeitschrift Current Biology  veröffentlicht wurde, die große psychologische Auswirkung, die diese Abfolge kleiner Handlungen haben kann, um mit der täglichen Angst, den Angstzuständen und vor allem mit der Konfrontation mit allem, das wir nicht kontrollieren können, zurechtzukommen.

Solche Rituale zur Überwindung von Angst, wie sie die Fischer im Pazifik pflegten, sind sehr hilfreich und das waren sie schon immer. Nun gibt es da noch eine Tatsache, die wir nicht unbeachtet lassen können. Diese ritualisierten Bewegungen, die dem Gehirn ein Gefühl von Ordnung und Sicherheit vermitteln sollen, sind für sich genommen nicht die Lösung unserer Probleme. Sie bieten ein Gefühl der Kontrolle, stellen das innere Gleichgewicht wieder her und regulieren Emotionen. Sie sind jedoch kein universelles Mittel gegen Angststörungen, die zweifellos einen klinischeren Ansatz erfordern.

Lasst uns nun ein paar Beispiele dazu ansehen.

Tiefe Atmung vor Beginn der Aktivität

Tief durchatmen gilt als eines der häufigsten Rituale zur Überwindung von Angstzuständen. Damit es jedoch wirksam wird, müssen wir Schlüsselmomente schaffen, in denen wir uns mindestens drei Minuten lang Zeit nehmen, um dieses Ritual zu pflegen.

Ideal wäre es, diese tiefe Atmung durchzuführen, sobald wir aufstehen, unser Zuhause verlassen, zu arbeiten beginnen, eine Mahlzeit zu uns nehmen und bevor wir zu Bett gehen. Wir können es auch im Zusammenhang mit jenen Aktivitäten etablieren, die im Allgemeinen nicht zu Stress und Angst führen.

Tiefe Atmung

Das Ritual der Bewegung

Das Ritual der Bewegung dient dazu, die Sorgen des Geistes „zu schütteln und loszulassen“. Der Körper soll aktiviert und der Widerstand gegen Verspannungen aufgegeben werden. Daher gibt es nichts Besseres, als die physischen Aktivitäten auszuwählen, die uns am besten gefallen und sie jeden Tag zu praktizieren. Wir können laufen gehen, in spezifischen Momenten, wenn wir es am meisten brauchen, ein paar Minuten lang Übungen mit hoher Intensität (HIIT) trainieren oder Yoga praktizieren.

Das Ritual der Selbstfürsorge

Ein anderes geeignetes Ritual, um Angst zu überwinden, ist das der Selbstfürsorge. Einmal täglich sollten wir uns selbst exklusive und qualitativ hochwertige Zeit widmen. Wir können für uns selbst eine Mahlzeit zubereiten, die wir besonders mögen, schweigen und nichts tun, lesen, spazieren gehen … Die Zeit des Alleinseins genießen, eine Zeit, um zu heilen.

Steine bunt bemalen, um Ängsten und Sorgen zu begegnen

Wir haben alle von der Katharsis gehört, die dadurch entstehen kann, Mandalas oder andere Strukturen auszumalen. Bestimmte Farben auszuwählen, kann uns in dieser kreativen und entspannenden Übung helfen, einen Zustand des Flusses zu erreichen. Nun, hier gehen wir noch ein bisschen weiter. Was wir tun werden, ist eine Reihe von Steinen zu wählen, die uns aufgrund ihrer Eigenschaften erlauben, auf ihnen zu malen und zu zeichnen.

Jeder Stein symbolisiert eine Sorge, eine Angst. Um diese Angst zu überwinden, zeichnen wir auf ihr, wir schaffen etwas Kreatives und lüften so diesen negativen Schleier, indem wir ihn mit freundlicheren Farben bemalen. Es ist eine sehr einfache Übung, die gleichzeitig sehr angenehm ist.

bunte Steine

Das Ritual der positiven Verankerung

Das Ritual der positiven Verankerung kann für uns sehr hilfreich sein. Es besteht aus zwei Phasen:

  • In der ersten Phase wollen wir eine Erfahrung organisieren, die durch ihre Eigenschaften sehr positiv und beruhigend auf uns wirkt. Wie zum Beispiel ein Spaziergang am Strand, ein Treffen mit Freunden oder ein Wochenendausflug. Während wir dabei sind, diese Erfahrung zu erleben, wollen wir uns unserer positiven Gefühle bewusst machen. Das Ziel dabei ist es, dieses Gefühl in unserem Gehirn zu speichern, so als würde es sich um ein Parfüm handeln.
  • Als nächstes wählen wir ein Objekt aus, das in diesem Kontext vorhanden ist: ein bisschen Sand oder einen Stein, wenn wir uns am Strand befinden, ein Blatt, wenn wir im Wald spazieren, usw. In dieses ausgewählte Objekt werden unsere Emotionen und dieser Moment der Ausgeglichenheit und des Glücks eingeprägt. Es soll unser kleiner täglicher Talisman sein, dieser kleine Schatz, den wir in der Tasche tragen können, wenn wir mit einer stressigen Situation konfrontiert werden.

Zusammenfassend ist das Wichtigste an den Ritualen zur Überwindung der Angst, dass sie für uns selbst bedeutungsvoll sind. Wir müssen sie basierend auf unseren Überzeugungen und persönlichen Eigenschaften erschaffen. Das Ziel wird daher immer das Gleiche sein: uns Glauben zu schenken, uns in einer Welt der ständigen Unsicherheit Ruhe und Geborgenheit zu geben.