Vom Festhalten und Loslassen: die richtige Balance

Loslassen bedeutet nicht nur, Verluste oder das Scheitern zu akzeptieren. Es bedeutet auch, zu reifen, Einstellungen zu verändern und innerlich zu wachsen. 
Vom Festhalten und Loslassen: die richtige Balance
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2022

Lachen, weinen, gewinnen, verlieren, umarmen und in Einsamkeit die Augen schließen… Das Leben beschenkt uns immer wieder mit wertvollen Erfahrungen, während die Zeit in Windeseile vergeht. Wir versuchen oft, uns an diese vergangenen Erlebnisse zu klammern, an die Kindheit, die Jugend, die ewige Liebe, unsere Kinder. Dabei die Balance zwischen Festhalten und Loslassen zu finden, ist wesentlich, doch nicht immer einfach.

Bereits in der Kindheit werden wir zu den Hauptdarstellern von Ereignissen, die uns für immer prägen. Wir lernen zum Beispiel, dass es verschiedene Arten von Verlusten gibt. Du erinnerst dich sicher an Freundschaften zurück, die mit der Zeit verloren gingen, oder vielleicht an den Tod einer nahestehenden Person oder eines Haustiers. Du hast gelernt, wie schmerzhaft Trennung und Trauer ist.

Das Leben webt seine eigene Bilanz von Gewinnen und Verlusten. Es handelt sich um einen Lernprozess, der oft einsam sein kann, uns jedoch hilft, persönlich zu wachsen und weiser zu werden.

Festhalten bedeutet zu wissen, was du hast

Der Verlustschmerz erinnert dich an den Wert der wahren Liebe, führt jedoch zu innerer Leere und Leid. Du weinst oder fühlst dich einsam, da du nicht mehr hast, was du vorher hattest. Um festhalten oder loslassen zu können, musst du dir deshalb zuerst bewusst sein, was du hattest oder hast, was wertvoll für dich ist.

Lerne, alles zu schätzen, was dich umgibt, schau in die Augen de Personen, die dich lieben. Spüre die Einfachheit des Alltags und erlebe jeden Moment mit deinen Lieben, als ob es dein letzter wäre.

Festhalten und loslassen bedeutet zu wissen, was du hast

Wir wissen nicht, wie viel Zeit wir selbst oder von uns geliebte Menschen haben, deshalb sollten wir lernen, das Hier und Jetzt mehr zu genießen. Nicht immer ist das einfach, denn unsere Gedanken verfangen sich in Sorgen und Verpflichtungen, wir konzentrieren uns auf die Vergangenheit und auf unsere zukünftigen Erwartungen.

Wir erkranken an Nostalgie, da wir zu viel Zeit damit verbringen, Erinnerungen heraufzubeschwören und Zwangsgedanken zuzulassen, die um das vergangene Versagen, um Fehler und Niederlagen kreisen.

Was du gestern verloren hast, existiert nicht mehr. Akzeptiere es und lass es los. Lasse den Schmerz von gestern zurück und blicke nach vorne. Du musst dich in der Gegenwart wiederfinden, denn du hast es verdient, glücklich zu sein.

Loslassen als Lernprozess

Loslassen bedeutet nicht nur, Verluste oder das Scheitern zu akzeptieren. Es bedeutet auch, zu reifen, Einstellungen zu verändern und innerlich zu wachsen. 

Loslassen bedeutet nicht, emotionales Scheitern oder persönliche Verluste hinzunehmen. Es handelt sich um einen Lernprozess, der dir hilft, neue Ideen und Einstellungen zu entwickeln, um dich dir selbst zu stellen. Dein inneres Kind muss wachsen, so wie du auch lernen musstest, dass Freiheit Verantwortung impliziert.

Wenn du in den Spiegel blickst, siehst du nicht mehr dieselbe Person wie vor einem Jahr. Du hast dazugelernt, neue Erfahrungen gemacht und musst deshalb auch wissen, ob sich Festhalten lohnt, oder ob es besser ist, loszulassen.

Frau überlegt, ob festhalten oder loslassen besser ist

Oft lassen wir kleine Dinge los, halten jedoch an wichtigen, schmerzhaften Ereignissen fest. Ist es möglich, eine Person loszulassen, die dein ganzes Universum und deine Seele erfüllte und eine immense Leere zurückließ? Diese Person wird dich immer begleiten, doch du musst in der Lage sein, zu akzeptieren und den Schmerz loszulassen.

Klammere dich nicht an deine Schmerzen. Lass sie los, damit das Leben fließt und du neue Chancen nutzen kannst.

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