Verbale Gewalt und Wutausbrüche des Partners nicht tolerieren

Wenn du auf die Wutausbrüche deines Partners mit Gleichgültigkeit oder Feindseligkeit reagierst, verschlimmert sich das Problem nur. Doch wie kann man in dieser Situation reagieren?
Verbale Gewalt und Wutausbrüche des Partners nicht tolerieren
Elena Sanz

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz.

Letzte Aktualisierung: 21. Dezember 2022

In einer idealen Welt würde niemand die Fassung verlieren oder ausrasten. Wir würden uns alle durch Zuhören, Respekt und Zurückhaltung auszeichnen. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Verbale Gewalt und Wutausbrüche stehen im Alltag immer wieder auf der Tagesordnung. Du solltest allerdings auf keinen Fall tolerieren, dass es in deiner Beziehung wiederholt dazu kommt. Wir zeigen dir heute einige Möglichkeiten, um dies zu vermeiden.

Manche Menschen sind nicht in der Lage, ihre Emotionen zu kontrollieren und sehen nur Schwarz oder Weiß. Sie benötigen Hilfe, um ihr eigenes Wohlbefinden und das ihrer Mitmenschen zu fördern. Wir analysieren nachfolgend, warum manche Personen immer wieder an Wutausbrüchen leiden und was in diesem Fall am besten zu tun ist.

Verbale Gewalt und Wutausbrüche: Warum kommt es dazu?

Die Gründe und Ursachen sind bei jedem Menschen unterschiedlich: Manche Menschen sind nicht bereit, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und reagieren aggressiv, um ihren Lebenspartner zu manipulieren und zu unterwerfen. Sie schieben die Schuld, die ihre Wut entfesselt, immer einer anderen Person zu.

Andererseits gibt es Menschen, die wirklich ein Problem mit ihrem Gefühlsmanagement haben. Sie reagieren nicht absichtlich so. Diese Menschen können sehr intensive Emotionen erleben, die sie überwältigen; ihre Kommunikationsfähigkeiten sind mangelhaft und sie reagieren oft besonders empfindlich auf Kritik oder Ablehnung.

Ihre verbalen Aggressionen manifestieren sich allerdings seltener und sie übernehmen auch Verantwortung und entschuldigen sich. Diese Personen verstecken sich nicht hinter Ausreden, sondern sind sich über ihr Problem bewusst. Sie versuchen oft erfolglos, sich zu verbessern.

Diese Unterschiede sind entscheidend, wenn es darum geht, die eigene Reaktion in dieser Situation zu bestimmen. Im ersten Fall ist die beste Lösung, von dieser Person Abschied zu nehmen, um die eigene Gesundheit nicht zu gefährden. Im zweiten Fall gibt es andere Bewältigungsstrategien, die wir näher betrachten.

Verbale Gewalt und Wutausbrüche des Partners nicht tolerieren

Verbale Gewalt und Wutausbrüche: Verständnis zeigen

Bei Wutanfällen des Partners Verständnis zeigen, bedeutet nicht, sein Verhalten zu rechtfertigen. Wenn du weißt, wie diese Person reagiert, kannst du besser mit der Situation umgehen. Dabei darfst du nicht vergessen, dass die Gründe für dieses Verhalten oft in der Vergangenheit liegen. Vielleicht steht nicht die erwachsene Person vor dir, mit der du dein Leben teilst, sondern das verletzte Kind, das diese Person einst war und das eine schmerzhafte oder bedrohliche Situation durchlebt. 

Wenn eine Person in ihrer Kindheit beispielsweise stark kritisiert und gedemütigt wurde, kann es sich durch geringe Sensibilität vor dieser bedrohlichen Situation schützen. Kinder, die von ihren Eltern ignoriert, abgelehnt oder verlassen werden, können unter anderem auf Gleichgültigkeit unverhältnismäßig reagieren, auch im Erwachsenenalter.

Kinder haben wenige Ressourcen, um sich gegen Angriffe aus der Umwelt zu wehren. Wut war in dieser Situation vielleicht die einzige Möglichkeit, die Integrität zu schützen. Betroffene verwenden dieselbe Strategie auch als Erwachsene automatisch, obwohl sie spüren, dass sie nicht mehr funktioniert.

Wutausbrüche des Partners: Was tun?

Wie kannst du deinem Partner oder deiner Partnerin helfen, starke Emotionen besser zu regulieren? Die erste Reaktion vieler Menschen ist, die Szene zu verlassen oder feindselig zu werden. Eine Person, die gerade einen Wutausbruch erlebt, kann dies jedoch als Ablehnung interpretieren, was die Reaktion zusätzlich verstärken kann. 

Sie möchten in Wirklichkeit einfach gehört werden, Aufmerksamkeit erreichen, auch wenn ihr Verhalten nicht angemessen ist. Deshalb musst du zuerst versuchen, deinen eigenen emotionalen Zustand zu kontrollieren und die Gefühle deines Partners zu verstehen. In der Praxis ist das keineswegs einfach, denn in der Regel versuchen wir automatisch, uns zu verteidigen. Viel produktiver ist es jedoch, sich zu beruhigen und Einfühlungsvermögen zu zeigen.

Nimm das Ganze nicht persönlich, denke vielmehr daran, dass frühere, tiefergehende Gründe für dieses Verhalten deines Partners dafür verantwortlich sind. Bleibe möglichst ruhig und zeige Interesse. Höre deinem Partner zu und versuche, dich in ihn einzufühlen. Gleichzeitig solltest du dafür offen sein, Teilverantwortung anzuerkennen, falls dies zutreffend ist.

Diese Bereitschaft wird deinem Partner helfen, sich zu beruhigen und auch dir zuzuhören, um deinen Standpunkt zu berücksichtigen. Aufrichtigkeit und der richtige Tonfall sind dabei wesentlich. Du willst schließlich deinem Partner vermitteln, dass du ihn schätzt und ihm zuhörst.

Wutausbrüche in der Beziehung

Schütze dich vor Gewalt

Jede Situation ist anders und erfordert unterschiedliche Strategien. Liebe und Respekt in der Beziehung machen auch den Umgang mit Wutausbrüchen einfacher. Für Aggressionen, Missbrauch oder Manipulation gibt es allerdings keine Entschuldigung. Du solltest diese Verhaltensweisen nicht tolerieren  und musst in dieser Situation Grenzen setzen und eine Entscheidung treffen.

Wiederholte Wutausbrüche können sehr unangenehm sein, oft ist professionelle Hilfe nötig, um mit dieser Situation besser umgehen zu können und Lösungen zu finden. Verständnis kein Blankoscheck.

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