Unsere Gesundheitsfachkräfte benötigen psychologische Unterstützung

Weltweit arbeiten Gesundheitsfachkräfte oft ohne entsprechende Schutzkleidung. Sie arbeiten viele Stunden unter emotional sehr belastenden Bedingungen und erleben dramatische Situationen, die sie nie vergessen werden. Deshalb benötigen sie psychologische Unterstützung, um diese schwierige Realtiät besser ertragen zu können.
 

Unsere Gesundheitsfachkräfte benötigen psychologische Unterstützung. Im Kampf gegen das Coronavirus fehlt es vielen an der nötigen Schutzausrüstung und außerdem müssen sie lange, erschöpfende Schichten ertragen. Was noch viel schwieriger ist: Sie sind oft machtlos und müssen zusehen, wenn Menschen sterben. Die emotionale Belastung ist extrem und lässt kurz- und langfristige Spuren zurück.

Diese Situation wiederholt sich tagtäglich in verschiedenen Ländern und Regionen. Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, Hilfspersonal und viele andere Gesundheitsfachkräfte wurden auf verschiedenste Situationen vorbereitet, auch auf Notfallsituationen. Sie wissen, was bei einem Unfall, bei einem Brand, einem Terrorakt, einem Hurrikan, einer Überschwemmung oder anderen dramatischen Ereignissen zu tun ist.

Doch das Coronavirus hat uns alle unvorbereitet getroffen, ohne Schutz. Niemand hatte sich diese Situation erwartet. Ausdrücke wie „Pandemie“ kannten wir nur aus der Geschichte, doch keiner hatte damit gerechnet, selbst eine zu erleben.

Die Corona-Krise hatte in unserer Gegenwart keinen Platz. Einer so perfekten, schnellen, technologischen und industrialisierten Gesellschaft. Doch wir alle sind davon betroffen, ganz besonders das Gesundheitspersonal, das jeden Tag gegen Unbekanntes zu kämpfen hat. Doch aufzugeben kommt für unsere Gesundheitsfachkräfte nicht in Frage, sie geben immer ihr Bestes, jeden Tag, jede Sekunde…

 

Gesundheitsministerien, Ärztekammern und Krankenpflegervereine warnen bereits: Diese Situation wird tiefe Spuren hinterlassen, die noch lange das Leben der Betroffenen prägen werden. Die emotionale Belastung kann sich in Zukunft zu einer posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln.

Jetzt, während der akuten Corona-Krise, sehen wir, dass unsere Gesundheitsfachkräfte ihrer Arbeit mit großer Professionalität nachgehen, doch es ist auch ganz normal, dass sie manchmal nicht mehr weiter können und in Tränen ausbrechen…

Gesundheitsfachkräfte benötigen Schutzausrüstung

Unsere Gesundheitsfachkräfte benötigen psychologische Unterstützung

Bereits pensionierte Ärztinnen und Ärzte nehmen ihre Arbeit wieder auf. Medizinstudenten und Krankenpfleger in der Ausbildung helfen ebenfalls in dieser schwierigen Situation an vielen Orten und erleben die komplizierteste und schlimmste Erfahrung ihres Lebens.

Viele besonders stark betroffene Staaten erhalten medizinische Hilfe aus anderen Ländern, auch Fachpersonal, das sich freiwillig in ein Flugzeug setzt, um Unterstützung in dieser Notfallsituation anzubieten, die zum Beispiel in den USA,  Italien und Spanien besonders ernst ist. 

Es handelt sich um eine Ausnahmesituation und nur die Gesundheitsfachkräfte selbst wissen, was es bedeutet, an vorderster Front zu kämpfen. Sie benötigen aus zwei spezifischen Gründen dringend psychologische Hilfe, und zwar jetzt.

Der erste Grund ist, dass sie damit ihren Alltag besser managen können. Der zweite ist, dass sie mit psychologischer Unterstützung lernen können, die tiefen Spuren in der Zukunft zu verarbeiten. Denn sie begleiten viele Menschen in ihren letzten Minuten und unternehmen unmenschliche Anstrengungen, um Menschenleben zu retten.

 

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf unsere Gesundheitsfachkräfte?

In Spanien klatschen viele Menschen jeden Abend um 20:00 auf ihren Balkonen und an den Fenstern, um Ärzten und Krankenpflegern Mut zuzusprechen und sich bei ihnen zu bedanken. Die Italiener singen und auch in Deutschland zeigen viele durch Applaus ihren Zusammenhalt und ihre Anerkennung.

Wir müssen zu Hause bleiben, doch damit können wir unsere Unterstützung in der Distanz zeigen. Doch nicht immer sind wir uns darüber bewusst, was sich in den Krankenhäusern abspielt.

Folgende Situationen gehören für viele Gesundheitsfachkräfte zum Alltag:

  • Es fehlt an individuellen Schutzausrüstungen.
  • Die Anzahl an wartenden Patienten ist so groß, dass es fast unmöglich ist, alle zu betreuen.
  • Während der SARS-Epidemie in den Jahren 2002/2003 waren weltweit 20 Prozent der Infizierten Gesundheitsfachkräfte. In der aktuellen Corona-Krise haben wird diese Zahl bereits überschritten.
  • Ihr Risiko ist sehr groß: In Spanien sind bereits über 10.000 Gesundheitsfachkräfte infiziert, auch in Italien sind die Zahlen überwältigend. 
  • Zur Angst vor einer Ansteckung kommt die Gefahr für ihre Familien. Wenn Ärztinnen oder Krankenpfleger nach Hause kommen, müssen sie sich sofort umziehen und desinfizieren, um ihre Familie nicht anzustecken.
  • Sie müssen schnelle Entscheidungen treffen, die oft herzzerreißend sind. Welcher Patient ein Beatmungsgerät erhält, hängt oft vom Alter ab.
  • Der Stress, die emotionale Angst und die Beklommenheit sind unermesslich. 
Gesundheitsfachkräfte benötigen emotionale Unterstützung

Welche Strategien können dem Gesundheitspersonal helfen?

Unsere Gesundheitsfachkräfte benötigen psycholgosiche Hilfe und sie brauchen sie jetzt. Wir sollten folgende Interventionen und Strategien umsetzen, um ihnen zu helfen:

  • Als Erstes muss die Sicherheit aller Gesundheitsfachkräfte garantiert werden. Viele verfügen nicht über die nötigen Mittel, was Angst und Stress auslöst.
  • Darüber hinaus sind effektive organisatorische Strategien nötig. Die Schichten sollten nicht zu lange sein, denn Ärzte und Krankenpfleger benötigen Raum und kleine Pausen während ihrer Arbeitszeit. Auch eine entsprechende Ernährung muss garantiert werden.
  • Jeder sollte selbst seine Grenzen kennen. Nicht alle haben in schwierigen Situationen dieselbe Widerstandskraft. Wenn eine Ärztin oder ein Arzt übermüdet und emotional extrem belastet ist, können sie Fehler begehen, was sie sich jedoch nicht erlauben können. Deshalb sollten sie die Möglichkeit haben, Unterstützung in Anspruch zu nehmen, wenn sie diese brauchen. 
  • Wenn die Gesundheitsfachkraft ihre Schicht beendet und nach Hause geht, muss sie lernen, abzuschalten. Im Rahmen des Möglichen sollte sie die Ereignisse im Krankenhaus zurücklassen und sich auf angenehme Beschäftigungen und Ruhe zu Hause konzentrieren.
  • Räume für die emotionale Entlastung und Gespräche mit anderen Fachkräften sind notwendig. Es geht darum, eine therapeutische Atmosphäre zu schaffen, in der Betroffene Erfahrungen austauschen, sich von Ängsten befreien, Tränen teilen und sich gegenseitig unterstützen können.
  • Es ist nötig, ein Protokoll zu erstellen. Unsere Gesundheitsfachkräfte benötigen jede Woche psychologische Hilfe, um ihre Erfahrungen verarbeiten zu können. Diese Strategie ist grundlegend, um zu vermeiden, dass sie eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Wenn sie jetzt nicht die nötige Unterstützung erhalten, werden viele in der Zukunft an Depressionen leiden.
Gesundheitsfachkräfte benötigen Unterstützung

Unsere Ärztinnen, Ärzte, Krankenpflegerinnen, Krankenpfleger, Hilfskräfte, Reinigungspersonal und andere Menschen, die im Gesundheitsbereich arbeiten, sind in der Corona-Krise unsere Helden. Wir müssen ihnen Werkzeuge zur Hand geben, sowohl medizinische als auch psychologische. Sie erleben jetzt dramatische Situationen und haben kaum Zeit, diese zu verarbeiten. Die Folgen können schwerwiegend sein.

Wir müssen uns um jene Menschen kümmern, die unser Leben retten. Unsere Helden brauchen Unterstützung!