Coronavirus: Rauchen erhöht die Gefahr für Komplikationen

Eine von chinesischen und US-amerikanischen Forschern durchgeführte Studie informiert, dass starkes Rauchen zu den Faktoren gehört, die erklären, warum chinesische Männer mit Covid-19 stärker von den Komplikationen betroffen sind als Frauen. 
 

Wir wissen, dass das Coronavirus die Lungen angreift und eine Lungenentzündung auslösen kann. Bei Rauchern erhöht sich jedoch die Gefahr für Komplikationen, wenn sie an Covid-19 leiden. 

Jeder kann an einer akuten Infektion der Atemwege leiden. Doch die Inzidenz ist bei sehr alten Menschen und Patienten mit einem geschwächten Immunsystem meist größer (Knipe, 2013).

Akute Atemwegsinfektionen sind im Allgemeinen ein sehr häufiges Leiden. Meist handelt es sich um virale Infektionen. Es gibt nur wenige Studien über die Rolle von Viren bei Atemwegsinfektionen im Erwachsenenalter und noch weniger im Zusammenhang mit Coronaviren (Talbot y False, 2010).

Die Forscher weisen darauf hin, dass es keinen konkreten Grund dafür gibt, der erklären könnte, warum mehr Männer an Covid-19 leiden als Frauen. Manche Wissenschaftler gehen davon  aus, dass dies auf einen „angeborenen biologischen Vorteil“ von Frauen zurückzuführen sein könnte. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist dieser Meinung. Doch der Grund, warum Männer stärker von Covid-19 betroffen sind, könnte auch mit ihrem Lebensstil zusammenhängen, zum Beispiel mit dem Tabakkonsum.

Durch Tabakkonsum sterben jedes Jahr ungefähr 6 Millionen Menschen. 5 Millionen davon sind aktive Raucher und mehr als 600.000 sind Passivraucher, die dem Tabakrauch anderer Personen ausgesetzt sind. Die Sterblichkeitsrate ist also höher als bei Drogen und Alkohol zusammen.

Tabakkonsum, Gefahr für Komplikationen

Entstehen durch Tabakkonsum mehr Komplikationen bei einer Covid-19-Infektion?

Eine im Jahr 2014 in Palma de Mallorca durchgeführte Studie beschrieb die klinischen und epidemiologischen Eigenschaften erwachsener Patienten mit Atemwegsinfektionen durch Coronavirus OC43, NL63 und 229E. Sehr häufig sind davon Männer mittleren Alters betroffen, die rauchen und häufig vorhergehende Krankheiten aufweisen (Reina, López-Causapé, Rojo-Molinero y Rubio, 2014).

Rauchen zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren verschiedenster Atemwegserkrankungen, unter anderem Virusinfektionen. 23 der Patienten der erwähnten Studie (47,9 Prozent) waren aktive Raucher. Die Autoren erklären, dass keine Interessenskonflikte vorliegen.

Gisli Jenkins, Professorin für Experimentelle Medizin an der Universität von Nottingham, erklärt, dass viele Raucher an einer chronisch obstuktiven Lungenentzündung (Chronic Obstructive Pulmonary Disease oder COPD) leiden. Aus diesem Grund weisen sie ein erhöhtes Risiko für Atemwegskrankheiten im Zusammenhang mit Coronaviren auf. 

Rauchen ist für 33 Prozent der Krebsfälle bei Männern und 10 Prozent der Krebsfälle bei Frauen verantwortlich. Bis zu 90 Prozent von Lungenkrebserkrankungen sind auf den Tabakkonsum zurückzuführen.

Erhöht der Tabakkonsum die Gefahr für Komplikationen bei einer Covid-19-Infektion?

Gefahr für Komplikationen bei einer Infektion durch Coronavirus

Die häufigsten klinischen Komplikationen bei einer Infektion durch Coronaviren sind: unspezifische Grippesymptome (43,7 Prozent), Lungenentzündung (29,2 Prozent) und die Verschlimmerung der chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (8,3 Prozent). 52 Prozent der Patienten müssen in der Intensivstation gepflegt werden (Reina y cols, 2013).

 

Eine Ansteckung kann das ganze Jahr lang erfolgen. Doch die Inzidenz von Coronavirus-Infektionen folgt einem jahreszeitlichen Muster, bei dem die Wintermonate dominant sind (Talbot y False, 2010).

In verschiedenen Studien wurde beobachtet, dass IC43 in zweijährigen Infektionswellen auftritt, wobei im ersten Vierteljahr des Jahres am meisten Fälle auftreten. In einer Studie von Reina y cols (2013) wurde die Inzidenz von Atemwegsinfektionen durch Coronaviren das ganze Jahr über festgestellt. Doch die meisten Infektionen (58,3 Prozent) treten zwischen Januar und März auf. 

Wir möchten abschließend die Hoffnung der Leser mit der Entwicklung einer möglichen Impfung in Spanien wecken. Forscher des Consejo Superior de Investigaciones Científicas (kurz CSIC) konnten in vitro nachweisen, dass das Arzneimittel Aplidin (Plitidepsin) die Vermehrung des Coronavirus HCoV-229E hemmen kann, der aus derselben Familie wie der neue Coronavirus-Stamm, der die aktuelle Pandemie verursacht, stammt.

Die Forscher untersuchen jetzt, ob dieses Arzneimittel auch gegen SARS effektiv ist, ein Virus das dem SARS-CoV-2, das Covid-19 verursacht, sehr ähnlich ist.

Experten wie die Virologin Isabel Sola des CSIC, mit mehr als 20 Jahren Forschungserfahrung im Zusammenhang mit Coronaviren, gehen davon aus, dass wir in zwei bis drei Monaten wissen werden, ob dieses Arzneimittel wirksam gegen den neuen Coronavirus zum Einsatz kommen kann. 

 

Die Sterblichkeitsrate von Rauchern im Zusammenhang mit kardiovaskulären Krankheiten, chronischer Bronchitis, Lungenkrebs und Lungenemphysem liegt bei über 70 Prozent. Auch bei Covid-19 ist die Gefahr für Komplikationen bei Rauchern größer.

D.M. Knipe, P.M. Howley (Eds.), Fields virology (6th ed.), Wolters Kluwer, Philadelphia (2013), pp. 825-858

H.K. Talbot, A.R. Falsey The diagnosis of viral respiratory disease in older adults Clin Infect Dis, 50 (2010), pp. 747-751

Reina, J., López-Causapé, C., Rojo-Molinero, E., & Rubio, R. (2014). Características de las infecciones respiratorias agudas causadas por los coronavirus OC43, NL63 y 229E. Revista Clínica Española214(9), 499-504.