In wie fern beeinflusst Ängstlichkeit den Tabakkonsum?

· 19. Dezember 2017

Wir alle haben den folgenden Satz entweder schon einmal selber gesagt oder gehört: „Ich bin total nervös, ich brauche eine Zigarette“. Der Glaubenssatz, dass Tabak eine extreme angstlösende Eigenschaft besitzt, ist so weit verbreitet, dass er mittlerweile Teil des sogenannten Kollektiven Unbewussten geworden ist. Viele Menschen glauben, dass Tabak eine entspannende Wirkung hätte, so als würden wir ein Valiumpräparat einnehmen. Daher rauchen viele immer noch mit dem einzigen Ziel, ihre Ängstlichkeit unter Kontrolle zu bekommen.

Doch dem ist nicht so. Tabak ist eine Substanz, die aufputscht. Wenn wir rauchen, ist unser Organismus aktiver und wir werden nervöser. Die „Ruhe, die wir anfangs bei den ersten Zügen verspüren, ist auf das Bedürfnis ein Suchtmittel zu konsumieren, zurückzuführen, und nicht darauf, dass Rauchen einen entspannenden Effekt hat. Die Eigenschaft, ängstlich zu sein, beeinflusst unseren Tabakkonsum auf erhebliche Weise.

„Das wahre Gesicht des Tabaks ist geprägt von Krankheit, Tod und Grausamkeit, nicht von Glamour und Lässigkeit, was die Industrie uns glauben lassen will.“

David Byrne

Unsere Angst und die ersten Züge

Zu Beginn sollten wir folgendes klären: Was bedeutet es, ängstlich zu sein? Es beschreibt die aufkommende Angst, die einige Menschen vor Stress oder Angst an sich und ihren Symptomen haben. Sie sind der Meinung, dass Stress sehr schädliche Folgen für sie hat. Sobald sie also Anzeichen für dieses aufkommende Gefühl feststellen, wird es durch ihre Ängstlichkeit nur noch verstärkt.

Die Gefahr, ein ängstlicher Mensch zu sein, wenn wir beginnen zu rauchen, besteht darin, dass diese Personen sehen können, wie schnell sich ihr ängstliches Verhalten legt, sobald sie die ersten Züge genommen haben. Die Tatsache, dass der Tabakkonsum für sie eine effektive Weise ist, ihre Ängstlichkeit zu regulieren, kann dazu führen, dass sie regelmäßig rauchen. Darüber hinaus ist es ein Grund für sie, nicht mit dem Rauchen aufzuhören.

Rauchender Mann

Das heißt, dass diese Menschen glauben, dass das Rauchen eine akzeptable und „hilfreiche“ Möglichkeit ist, um ihre Ängstlichkeit zu reduzieren. In anderen Worten: Sie benutzen den Tabakkonsum als Strategie, um gegen ihre Angst vor der Angst anzukämpfen. Deshalb ist es wichtig, sich andere Stressbewältigungsstrategien anzueignen, um in der Lage zu sein, mit dem Stress umzugehen ohne auf gesundheitsschädliche Verhaltensweisen, wie das Rauchen, zurückzugreifen.

In wie weit bestimmt die Ängstlichkeit darüber, ob man immer mehr raucht?

Genauso wie Ängstlichkeit jemanden dazu bringen kann, mit dem Rauchen anzufangen, entscheidet auch die Neigung zur Ängstlichkeit auch darüber, ob jemand immer mehr raucht. Nicht nur, weil bei diesen Menschen der Tabakkonsum ab dem ersten Zug angstlösend wirkt. Auch andere Faktoren spielen eine Rolle.

„Gebe auf deinen Körper acht. Es ist der einzige Ort, den du zum Leben hast.“

Jim Rohn

Wer ängstlich ist, spricht schneller aufs Rauchen an. Gleichzeitig verspüren diejenigen auch eine größere Befriedigung. Ihr Belohnungssystem wird aktiviert. Auf diese Weise verringert sich nicht nur die Ängstlichkeit, sondern es kommen auch positive Gefühle auf, die Einfluss darauf nehmen, dass künftig mehr geraucht wird.

Das führt dazu, dass ein ängstlicher Mensch angesichts stressiger Situationen häufiger zum „Glimmstängel“ greift und das löst bei ihm negative Gefühle aus. Das heißt, dass er wiederum die Gewohnheit zu rauchen, benutzt, um den Stress zu regulieren, anstatt ihn auf eine angemessenere Art und Weise zu bekämpfen.

Welchen Einfluss hat die Ängstlichkeit, wenn man aufhören will, zu rauchen?

Die Veranlagung dazu, ängstlich zu sein, spielt eine besondere Rolle, wenn es darum geht, mit dem Rauchen aufzuhören. Sie beeinflusst auf direkte Weise die Versuche, den Tabakkonsum abzulegen, da die betroffenen Personen in der ersten Woche intensivere Entzugserscheinungen haben. Daher ist es für sie schwieriger, endgültig mit dem Rauchen aufzuhören, und das Risiko eines Rückfalls ist bei ihnen höher.

Auch erleiden sie oft Rückschläge beim Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Konsequenz daraus ist, dass sie sich weniger dazu in der Lage fühlen, es auch zu schaffen. Wie wir bereits erwähnt haben, fürchten sich diese Menschen davor, noch ängstlicher zu sein, weshalb die besagten Aussichten ein weiteres Handicap bei dieser ohnehin schon schwierigen Aufgabe, dem Tabakkonsum für immer Lebewohl zu sagen, darstellen.

„Das Bewusstsein darüber, dass die Gesundheit von den von uns kontrollierten Gewohnheiten abhängt, macht aus uns die erste Generation in der Geschichte, die ihr eigenes Schicksal in großem Maß beeinflusst.“

Jimmy Carter

Rauchender Mann am Fenster

Aus diesen Gründen ist es wichtig, auf eine angemessene Weise an der Neigung zur Ängstlichkeit bei den betroffenen Personen zu arbeiten, die mit dem Rauchen aufhören wollen. Deshalb muss man der Ängstlichkeit auf der Gefühlsebene begegnen. Damit ist gemeint, dass man sie spüren muss. Dadurch können die Betroffenen sehen, dass sie dazu fähig sind, mit ihr umzugehen und sie nicht länger fürchten müssen, was die negativen Auswirkungen einer auftretenden Ängstlichkeit beim Versuch, aufzuhören zu rauchen, reduziert.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Stas Svechnikov, Lucas Filipe und Dmitry Ermakov.