Rückfall in die Depression: Risikofaktoren und Prävention

05 März, 2020
Ein Rückfall in die Depression ist eine häufige klinische Realität. Abgesehen von der Schwierigkeit, von vorne anfangen zu müssen, muss man sich auch mit Schuldgefühlen und Vertrauensverlust auseinandersetzen.

Ein Rückfall in die Depression kann frustrierend und beängstigend sein. Oft wird der Rückfall zudem von Schuldgefühlen begleitet. Statistiken zeigen, dass ein Depressionsrückfall sehr häufig ist; ungefähr 80 Prozent der Patienten, die an Depressionen leiden, werden innerhalb von zehn Jahren irgendwann einen Rückfall erleiden.

Eine der Erkrankungen mit den höchsten Rückfallraten ist die langanhaltende depressive Störung (Dysthymie). Die Symptome dieser Störung kommen und gehen im Allgemeinen jahrelang. Obwohl die Intensität der Symptome variiert, dauern die Rückfälle normalerweise mindestens zwei Monate lang an. Wie du dir vorstellen kannst, befinden sich diejenigen, die an Dysthymie leiden, in einer anstrengenden und komplexen Situation.

All dies zeigt, dass wir immer noch nicht über die geeigneten Instrumente verfügen, um Stimmungsstörungen anzugehen. Es herrscht ein ernsthafter Mangel an konkreten und tragfähigen verfügbaren Informationen über die schwierige Realität, in der so viele Menschen jeden Tag leben.

Viele Menschen denken zum Beispiel immer noch, dass diejenigen, die an Depressionen leiden, in irgendeiner Weise schwach sind. Trotz der Fortschritte in der Psychologie und all den verfügbaren Informationen, die du online finden kannst, gibt es immer noch ein Stigma in Bezug auf kognitive Störungen. Und nicht nur das, denn wir haben noch einen langen Weg vor uns, um Depressionen wirksam zu behandeln.

Die Depression ist eine Störung, die einen kurz- und langfristigen Ansatz erfordert.

Rückfall in die Depression: Warum kommt es dazu?

Die Depression ist eine Störung, die einen kurz- und langfristigen Ansatz erfordert. Wenn dein Therapeut oder Psychiater erklärt, dass du nach einer pharmakologischen oder therapiebasierten Behandlung „geheilt“ bist, bedeutet dies nicht, dass du die Tür zu diesem Kapitel deines Lebens vollständig geschlossen hast. Denn die Depression wird weiterhin bei dir anklopfen. Sie  verschwindet in der Regel nicht ohne geführte Intervention, den Willen zur Veränderung oder die Unterstützung durch die Umwelt. Obwohl Medikamente helfen können, heilen sie den Zustand nicht.

Was häufig passiert, ist, dass Patienten mit einer offensichtlichen klinischen Besserung immer noch das erleben, was Experten als „verbleibende Symptome“ bezeichnen. Diese Symptome können oft zu Rückfällen führen und sind schwer zu erkennen. Eine Studie, die im Jahr 2011 von der University of Dublin zur Prävalenz und Art von Depressionen durchgeführt wurde, ergab Folgendes:

  • Verbleibende kognitive Symptome einer Depression kommen am häufigsten vor. Dies sind Gedanken, Einstellungen und negative Ansichten über das Leben. Sie machen eine vollständige Remission äußerst schwierig. Ablenkung, Probleme beim Finden der richtigen Worte, Probleme beim Treffen von Entscheidungen und Langsamkeit des Denkens sind ebenfalls häufig.
  • Patienten können auch unter körperlichen verbleibenden Symptomen leiden. Geringe Energie und Schlafstörungen sind einige der häufigsten dieser Symptome.

Lass uns im Folgenden tiefer in diese Ideen eintauchen.

Deine Gedankenmuster nähren dein Risiko eines Rückfalls in die Depression

Wenn du zum zweiten Mal in eine Depression verfällst, weißt du, was dich erwartet. Du musst die Behandlung erneut beginnen und unter anderem mit deinen Ärzten sprechen.

Eine Studie von Dr. Norman A. Farb, die an der University of Toronto durchgeführt wurde, legt nahe, dass die Denkmuster der Menschen Rückfälle verursachen. Wenn du weiterhin die Opferrolle spielst, einen übermäßig kritischen inneren Dialog führst und eine negative Einstellung hast, ist das Risiko eines Rückfalls hoch.

Es ist wichtig, dich daran zu erinnern, dass diese Gedankenmuster sich ähnlich verhalten, wie es in der Situation der Fall ist, in der du auf einem See in einem undichten Boot ruderst. Das negative Denken wird dich ertränken. Es ist anstrengend und behindert kreative und nützliche Gedanken, die dir helfen, durch das Leben zu navigieren. Diese Art des internen Dialogs kann dich sogar davon überzeugen, dass du nicht schwimmen kannst. Wenn du es so weit kommen lässt, kann es sehr schwierig sein, dich von einer Depression zu erholen.

Diese kognitiven Symptome haben normalerweise auch körperliche Manifestationen. Du wirst dich  lustlos und müde fühlen. Möglicherweise leidest du auch unter Schlafstörungen oder hast Muskelschmerzen.

Es ist wichtig, dich daran zu erinnern, dass diese Gedankenmuster sich ähnlich verhalten, wie es in der Situation der Fall ist, in der auf einem See in einem undichten Boot ruderst. Das negative Denken wird dich ertränken.

Kognitive Therapie, die auf Achtsamkeit basiert

Wenn du einen Rückfall in die Depression erleidest, solltest du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Tu nicht so, als wäre alles in Ordnung. Wenn du innerlich kaputt bist, lächele nicht, als ob alles ok wäre. Vielleicht gehst du jeden Abend ins Bett und hoffst, dass du dich morgens besser fühlst. Obwohl diese Hoffnung eine gewisse Erleichterung bringen könnte, wird es dir ohne professionelle Hilfe nicht besser gehen.

Viele Menschen versuchen auf eigene Faust mit ihren Depressionen umzugehen. Andere beginnen mit der psychologischen Therapie, hören aber irgendwo zwischen dem ersten und dem sechsten Monat auf. Doch das reicht in der Regel nicht aus. Wenn du dich deiner Depression wirklich stellen und einen Rückfall vermeiden möchtest, ist eine kognitive Therapie, die auf Achtsamkeit basiert, eine der effektivsten Optionen.

Mehrere Studien, wie die von Dr. John D. Teasdale an der University of Oxford (und später an der MRC Cognition and Brain Sciences Unit), zeigen die Vorteile dieser Art von Therapie.

Selbst Patienten mit mehrfachen Rückfällen zeigen eine signifikante Verbesserung bei einer Therapie, die auf Achtsamkeit basiert. Darüber hinaus lernen sie auch wertvolle Strategien, um:

  • den negativen inneren Dialog zu reduzieren,
  • ihre Denkmuster zu kontrollieren und
  • positive Gewohnheiten auszuüben, um einen Rückfall in die Depression zu verhindern.

Es ist möglich, mit diesen emotionalen und mentalen Herausforderungen umzugehen. Der erste Schritt ist die Entscheidung dazu, dass du dich besser fühlen möchtest. Obwohl dies harte Arbeit und Entschlossenheit erfordert, sind die Ergebnisse es  allemal wert.

  • Richards, D. (2011, November). Prevalence and clinical course of depression: A review. Clinical Psychology Review. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2011.07.004
  • Teasdale, J. D., Segal, Z. V., Williams, J. M. G., Ridgewaya, V. A., Soulsby, J. M., & Lau, M. A. (2000). Prevention of relapse/recurrence in major depression by mindfulness-based cognitive therapy. Journal of Consulting and Clinical Psychology68(4), 615–623. https://doi.org/10.1037/0022-006X.68.4.615