Therapeutische Begleitung – ein unverzichtbares Instrument

· 17. Februar 2019

Psychologen verfügen über bestimmte Werkzeuge, die es ihnen ermöglichen, die verschiedenen Probleme, Unannehmlichkeiten oder psychischen Erkrankungen ihrer Patienten zu konfrontieren. Eines dieser Instrumente, über das wir heute sprechen wollen, ist die therapeutische Begleitung.

Die therapeutische Begleitung erfolgt in der gewohnten Umgebung des Patienten. Das bedeutet, dass der Psychologe auf der Straße, zu Hause oder in jedem anderen Raum, der eine Krisensituation beim Patienten auslösen kann, persönlich anwesend ist.

Auf dieses Mittel wird nur dann zurückgegriffen, wenn das, was innerhalb der Praxis erfolgen kann, wie z. B. verschiedene Übungen zur Visualisierung des realen Konflikts, nicht ausreicht oder keine Wirkung hat. Es ist der Psychologe, der erkennt, dass er seinem Patienten nur helfen kann, wenn er sich in dessen Alltag integriert.

Die therapeutische Begleitung ist ein Mitgestalter

Die therapeutische Begleitung ist ein Mitgestalter, der es Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen ermöglicht, die Barrieren zu überwinden, die sie z. B. daran hindern, ihr Zuhause zu verlassen oder bestimmte Orte zu besuchen. Mit diesem Instrument können sie ihre Autonomie steigern, ihre sozialen Kompetenzen entwickeln und sich besser an ihre Umgebung anpassen. Dies kann etwa bei Menschen, die unter sozialer Angst leiden, sehr wirkungsvoll sein.

Figuren aus Holz

Damit die therapeutische Begleitung jedoch Früchte trägt, müssen wir bestimmte Einstellungen und Qualitäten berücksichtigen, die der Psychologe besitzen muss. Sie alle werden im Folgenden vorgestellt, basierend auf Carl Rogers‘ Die nicht-direktive Beratung:

  • Präsenz: Der Psychologe muss beim Patienten sein, Situationen und Momente mit ihm teilen.
  • Aktives Zuhören: Es ist wichtig, dass sich der Patient ausdrückt und dass der Psychologe ihm die dafür nötige Zeit gibt.
  • Respekt: Der Psychologe muss Respekt in jeder Hinsicht zeigen und eine offene Haltung einnehmen.
  • Empathie: Das Verständnis wird grundlegend sein, nicht das Beurteilen.
  • Authentizität: Der Psychologe muss sich so zeigen, wie er ist, obgleich er immer professionell auftreten muss.

Ein Fall von Psychose

Jüngst wurde eine Fallbeschreibung zu einer 66-jährige Frau, die aufgrund einer manisch-depressiven Psychose 7 Jahre lang in einem psychiatrischen Zentrum in Behandlung war, veröffentlicht. Da sich die pharmakologische Behandlung als wirkungslos erwies, wurde die Möglichkeit der therapeutischen Begleitung angesprochen. Zunächst zeigte sich die Patientin hoffnungsvoll – bis ihre Ängste wieder auftauchten. Was dann getan wurde, war ein Spaziergang mit ihr um die Anlage und die Umgebung des Krankenhauses herum.

Ältere Frau

In der Folge begann die Patientin, durch die Stadt zu gehen, weg von der sicheren Umgebung, die für sie zum Zentrum ihres Lebens geworden war. Zuerst verhielt sie sich dem Therapeuten gegenüber abweisend und sagte nur: „Ich will nach Hause.“ Aber im Laufe der Monate änderte sich das. Der Prozess verlief schrittweise, lieferte aber sehr gute Ergebnisse.

Diese Patientin war einst in die Psychiatrie aufgenommen worden, weil sie zu Hause nicht im Zaum gehalten werden konnte. Sie war aggressiv gegenüber ihrer Familie und manifestierte manische Episoden, die schwer zu kontrollieren waren. Die therapeutische Begleitung stabilisierte jedoch ihre Symptomatik, was es ihr schließlich ermöglichte, zu ihrer Familie zurückzukehren.

Ein Werkzeug für schwierige Situationen

Wie wir gesehen haben, ist die therapeutische Begleitung ein Werkzeug für komplexe Situationen, in denen eine Behandlung durch Beratung allein nicht ausreichend ist. Wir haben einen konkreten Fall gesehen, aber es gibt viele andere, bei denen dieses Instrument in die Praxis umgesetzt werden sollte und wird.

Agoraphobiker beispielsweise, die es schwer haben, eine überfüllte Straße zu Fuß zu überqueren oder einen Supermarkt zu betreten, können von einer therapeutischen Begleitung profitieren. Der Psychologe steht ihnen zur Seite, unterstützt sie, hört zu, was der Patient fühlt, beobachtet, wie er oder sie sich verhält und hilft ihnen, Ausreißer- oder Fluchtverhalten zu vermeiden. Ähnliches gilt für andere Phobien und viele weitere psychische Konditionen.

Wie wir sehen können, treibt diese warmherzige Technik den Patienten aus der Isolation und bricht mit den Barrieren, die sie in ihrem täglichen Leben einschränken, sodass sie tiefgreifende Veränderungen in ihrem Leben vornehmen und ihre Lebensqualität verbessern können.