Unsere Angst davor, Single zu sein, macht uns zu Konformisten

23. Juni 2017 en Psychologie 191 Geteilt

Romantische Beziehungen haben sich verändert. Heutzutage ist es nicht mehr so wichtig, eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen. Stattdessen schenken wir unserem Wohlbefinden mehr Aufmerksamkeit. Wir versuchen diese Massenträgheit zu stoppen, die uns dazu bringen kann, alten Gewohnheiten nachzukommen und nicht wirklich der Mensch zu sein, der wir sein wollen. Tatsächlich passiert aber oft genau das Gegenteil: Indem wir versuchen, gegen den Strom zu schwimmen, tun wir eben nicht das, was wir wollen.

Trotz der ganzen Rebellion gegen das, was als veraltet angesehen wird, haben wir in der Gesellschaft noch immer Angst davor, Single und am Ende allein zu sein. Diese Angst wird Anuptaphobie genannt. Es ist eine Angst, die hauptsächlich mit den Jahren auftritt, wenn wir noch immer keinen Partner gefunden haben. Anuptaphobie betrifft Frauen häufiger als Männer. Womöglich könnte man ihrer biologischen Uhr die Schuld daran geben.

Es stimmt, dass wir unabhängiger sind und dass sich Beziehungen verändert haben. Sexuelle Beziehungen implizieren nicht zwangsweise, dass zwischen den beiden Menschen auch Liebe existiert. Kinder besitzen nun die größte Wichtigkeit. Eine so große Wichtigkeit, dass immer mehr Frauen mit 30 oder 40 noch Kinder bekommen. Aber sind wir wirklich so unabhängig und liberal, wie wir denken?

Mein Ziel ist es, einen Partner zu finden

Du magst vielleicht sehr auf deine Arbeit und deine Karriere fixiert sein. Und es mag sein, dass Beziehungen momentan nicht zu deinen großen Sorgen gehören. Aber, wenn die Zeit kommt, besonders um deinen 30. Geburtstag, dann beginnt etwas, dass uns uns unwohl fühlen lässt. Wenn du es noch nicht spürst, dann wirst du damit anfangen, das Bedürfnis nach einem Partner zu erfahren. Dieses Phänomen tritt bei sehr vielen Menschen auf.

Wenn du dich in einer Situation wie dieser befindest, dann kann es sein, dass du dich nicht gefragt hast, warum du eigentlich einen Partner möchtest. Du könntest auf Antworten wie die folgenden stoßen: Eine Beziehung kann dir wirklich dabei helfen, zu reifen und zu wachsen. Du kannst Zeit mit jemandem verbringen und davon bereichert werden. Du kannst seine starke Unterstützung in guten sowie in schlechten Zeiten spüren. Aber willst du wirklich in einer Beziehung sein? Oder willst du „nur“ einen Partner?

Du kannst in einer Beziehung sein wollen, wenn du es genießt, das Leben mit jemandem zu teilen, den du magst. Du willst dann all das Positive, das von dem Menschen kommt, den du liebst und mit dem du deine Zeit verbringst. Aber wenn du „nur“ einen Partner willst, dann bezieht du dich schlichtweg darauf, deinen Familienstand zu ändern. „Zu einer Nonne zu werden“  oder „eine verrückte Katzenfrau sein“,  das sind Ausdrücke, die wir oft hören und die die Angst davor, Single zu sein, noch größer machen, und so den zuvor beschriebenen Wunsch verstärken.

Wenn du einen Partner möchtest, weil du kein Single sein willst, dann ist das nicht die richtige Wahl. Menschen, die fieberhaft nach einem Partner suchen, geben sich mit der erstbesten Option zufrieden. Für diese Menschen ist das Wichtigste nicht, sich zu verlieben, sondern dem Single-Dasein zu entkommen. Das ist genau das, was sie wirklich beschäftigt. Die Angst davor, am Ende allein zu sein, ist real und sie kann dich dazu bringen, dass du wie besessen davon wirst, nicht mehr Single zu sein.

Sicher hast du schon mal von emotionaler Abhängigkeit gehört. Hier ist die Person unfähig, zu leben, wenn sie niemanden an ihrer Seite hat. Die Angst davor, Single zu bleiben, lässt sie vergessen, wie man unabhängig glücklich sein kann. Sie ist nicht dazu fähig, ihre Einsamkeit zu genießen. Das macht ihr nur noch mehr Angst und macht sie zu einem Konformisten, wenn es um Beziehungen geht.

Die Angst davor, Single zu sein, macht uns unglücklich

Es ist möglich, dass du aufgrund deiner Erfahrungen eine Angst vor Einsamkeit entwickelt hast. Dein Selbstbewusstsein mag nicht sehr groß sein und es ist möglich, dass dir auch Selbstvertrauen fehlt. Aber dir zu wünschen, einen Partner zu haben, um all die Angst zu überwinden, ist nicht die richtige Lösung. Es ist nicht mehr, als der Versuch, das gleiche Problem neu zu definieren.

Die Angst davor, Single zu bleiben, macht uns unglücklich und meistens entkommen wir dieser Angst, indem wir uns in toxische Beziehungen stürzen. Tief drinnen warten wir darauf, dass wir den richtigen Menschen treffen, aber weil das nie zu passieren scheint, stolpern wir einfach von einem Abenteuer ins nächste. Wir versuchen nicht einmal, wir selbst zu sein und unsere Einsamkeit zu genießen.

Auf diese Art vermeiden wir es, darüber nachzudenken, was uns soviel Angst vorm Single-Dasein macht. Oft verstecken wir sie, aber in Wirklichkeit erschreckt sie uns noch immer. Um dich herum siehst du womöglich viele glückliche Paare und du sehnst dich auch für dich nach so einer Situation.

Single zu sein heißt, die Illusion zurückzulassen, dass dich jemand vervollständigen kann, und damit zu beginnen, die Kontrolle über dein Leben zu übernehmen.

Omar Phatak

Es ist schwer, sich seinen Problemen zu stellen. Es ist aber auch wichtig, Situationen zu vermeiden, die dich nirgends hinbringen werden: wenn du nicht weißt, wie du allein sein kannst, wenn das der Grund dafür ist, dass du einen Partner willst. Tatsächlich solltest du dir einen Moment Zeit nehmen und nachdenken: Weshalb willst du einen Partner?

Es ist nicht schwer, eine Zeit lang allein zu sein. Und es wird dir dabei helfen, mit all dem zu arbeiten, was dir geschadet hat. Und es ist die einzige Möglichkeit, den Menschen zu finden, der dein Leben mit Glück und Freude erfüllt. Wenn du es am wenigsten erwartest und nicht einmal nach ihm suchst. Dein idealer Partner mag auftauchen – oder auch nicht. Aber das sollte nichts sein, worum du dir täglich Sorgen machst.

Konzentriere dich auf dich und nutze die Zeit, die du dir selbst widmen kannst. Die Angst davor, für immer Single zu bleiben, ist nichts mehr als eine soziale Angst. Sie wird vom Bedürfnis nach Interaktion und sozialen Kontakten und von der Furcht vor Isolation gefüttert. Sie wird davon genährt, dass wir unseren Status unbedingt auf „in einer Beziehung“ setzen möchten.

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