Die positive Seite von Einsamkeit

11, Januar 2017 en Psychologie 274 Geteilt

Als wir noch in der Schule waren, haben wir Ausdrücke wie „ich habe bestanden“  oder „der Lehrer hat mich durchfallen lassen“  benutzt. Oft waren wir nicht dazu in der Lage, den Preis unserer Entscheidung zuzugeben. Wir haben das Ergebnis mit äußeren Faktoren gerechtfertigt. Der angebrachte Ausdruck wäre wohl oft gewesen: „Ich habe mich entschieden, nicht zu lernen„,  oder, „ich habe es vorgezogen, etwas anderes zu machen.“  Aber wir hatten und haben Angst davor, dass uns „die Gruppe“ nicht akzeptiert. Wir haben Angst vor dem Alleinsein, vor der Einsamkeit.

Die Freiheit, du selbst zu sein, impliziert zwei sehr wichtige Dinge: Rechtfertigungen zu vermeiden und die Konsequenzen deines Handelns zu akzeptieren. Aber es ist sehr schwer, frei zu sein. Frei von Angst und vom Bedürfnis, von allen gemocht zu werden. Frei vom Streben danach, sich anzupassen an das, was andere von uns wollen. Das zu tun, was die Gesellschaft und die Menschen um uns herum von uns erwarten.

Ist das die Freiheit, die die westliche Welt versucht zu verteidigen und um die sie viele andere Länder beneiden? Es gibt eine sehr viel subtilere Freiheit. Das ist die Freiheit, innerhalb unserer Möglichkeiten zu wählen, und oft es ist genau das, was uns wirklich Angst macht. Denn sie bedeutet, dass wir uns dem Risiko unserer eigenen Entscheidungen stellen müssen. Wir müssen Verantwortung übernehmen.

Deine Träume stehen auf der anderen Seite deiner Vorurteile, Ängste und Vorstellungen. Hör auf, zu urteilen, weite deinen Geist und schau der Angst direkt ins Gesicht.

Albert Ureña

tisch

Freiheit und die Akzeptanz und Bestätigung von anderen

In der heutigen Gesellschaft sind unser Verhalten und die Art, wie wir uns kleiden, wie wir unsere Haare zusammenbinden, und reden, alle darauf abgestimmt, die Akzeptanz von anderen zu erhalten. Es geht nicht darum, die Regeln zu brechen, sondern darum, das zu tun, was wir wollen, eine Balance zwischen unserer persönlichen Freiheit und unserem Respekt für andere Menschen zu finden. Und das Paradoxe ist, dass uns wahrscheinlich nie akzeptieren werden, wenn wir uns nicht selbst akzeptieren.

Viele Studien weisen darauf hin, dass wir dazu neigen, nur das Beste von uns in den sozialen Netzwerken zu zeigen. Wir tun das, um Bestätigung von anderen zu erhalten. Wir posten das, von dem wir denken, dass es ein „Like“ von anderen verdient hat. Und wir posten keine Dinge, von denen wir denken, dass sie weniger beliebt sind. Das trifft auch auf unser Offline-Leben zu: Wir zeigen die Teile von uns, von denen wir denken, dass andere sie mehr mögen.

Du selbst zu sein in einer Welt, die versucht, dich davon abzuhalten, du selbst zu sein – das ist die größte Errungenschaft.

Ralph Waldo Emerson

Außerdem gibt es Studien, die zeigen, dass die gleiche Hirnregion aktiviert wird, wenn wir eine Belohnung erhalten und wenn wir Bestätigung von anderen erfahren. Wir sehen also, dass es etwas Angenehmes ist, belohnt zu werden. Bestätigung von anderen zu erhalten ist toll, aber es kann nicht die Maschine sein, die uns am Leben erhält. Die Maschine unseres Lebens müssen unsere eigenen Vorlieben sein und das, was wir wirklich wollen.

Die positive und die negative Seite von Einsamkeit

Es gibt anthropologische Studien, die argumentieren, dass wir schon vor tausenden von Jahren nach Bestätigung von anderen gestrebt haben. Früher waren wir tatsächlich von einer Gruppe von Menschen abhängig, um zu überleben. Ein Mensch allein konnte in der Welt nicht überleben. Wir haben Freiheit mit Einsamkeit assoziiert, und damit nicht zu überleben. Daher kommt diese Angst: Wenn die Gruppe mich nicht akzeptiert, werde ich zwar frei sein, aber auch allein.

Eine Metastudie, die letztes Jahr in der Zeitschrift Perspectives on Psychological Science  veröffentlicht wurde, zeigte den Einfluss von Einsamkeit auf die Lebensqualität. Siebzig frühere Studien, die zwischen 1980 und 2014 untersucht haben, wie soziale Isolation die Lebenserwartung beeinflusst, wurden analysiert. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer war 66 Jahre und nahezu ein Drittel von ihnen litt unter einer chronischen Krankheit. Es wurde wiederholt belegt, dass soziale Isolation zu einem früheren Tod führt. Soziale Isolation meint hier die Tatsache, wenige oder keine sozialen Kontakte zu haben und nur wenige oder gar keine sozialen Aktivitäten zu unternehmen. Ist es also nach wie vor so, dass wir in Einsamkeit nicht überleben können?

Um zu lieben, musst du eine innere Arbeit durchführen, die nur Einsamkeit möglich macht.

Alejandro Jodorowsky

balkon

Nein, denn Einsamkeit, verstanden als die Zeit, die wir damit verbringen, zu reflektieren und uns selbst kennenzulernen, ist nicht soziale Isolation. Nach Bestätigung von anderen zu streben kann ein Gefühl des Alleinseins auslösen, das nicht gewählter Einsamkeit gleicht. Aber uns selbst zu akzeptieren und aus unseren Fehlern und Stärken zu lernen, hilft uns dabei, den Menschen kennenzulernen, der wir wirklich sind. Und das sollte unsere Überlebenschancen doch erhöhen, oder?

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