Ich bin nicht kalt, ich habe nur Angst, verletzt zu werden

26, Dezember 2016 en Emotionen 476 Geteilt

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es scheinbar an Intimität fehlt. Es ist unangebracht für Jungen, zu weinen, denn weinen ist etwas für Mädchen und ein Zeichen von Schwäche. Junge Menschen ziehen One-Night-Stands vor, damit sie nicht verletzt werden. Erwachsene haben Beziehungen mit Menschen, die sie nicht lieben. Ältere Menschen leben allein, weil sie sich als eine Belästigung fühlen (und zum Teil auch als solche betrachtet werden). Es ist an der Zeit, unsere Angst vor Gefühlen zu überwinden. Was ist nur mit der Menschheit passiert?

Es ist schwer, zwei Menschen zu sehen, die sich auf der Straße umarmen und kein Paar sind; „ich liebe dich“  zu sagen, ohne seltsam zu klingen; zu weinen, ohne sich schuldig zu fühlen oder sich zu schämen. Es scheint, als lebten wir in einer gefühllosen Kultur, denn wenn wir fühlen oder über unsere Gefühle sprechen, werden wir als schwach angesehen. Deshalb erhalten wir statt einer Umarmung voller Empathie und Zuneigung oft nur Witze, maximal aufmunternde Worte.

Wie viele Dinge verlieren wir aus Angst, etwas zu verlieren?

Paulo Coelho

Die Angst davor, verletzt zu werden

Stell dir vor, du läufst durch einen Wald und es wird dunkel. Plötzlich siehst du einen Schatten und etwas bewegt sich. Dein Gehirn alarmiert deinen Körper, bevor du überhaupt identifiziert hast, ob es ein Tier oder nur der Wind ist. Diese Art der Reaktion basiert auf unserem Überlebensinstinkt. Im Gehirn haben wir eine kleine Struktur, die wir die Amygdala nennen, die angstvolle Erfahrungen verarbeitet.

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Die Amygdala ist ein Notfallknopf, der gedrückt wird, wenn Gefahr droht. Was wissen wir über sie und ihre Funktion? Was wissen wir über Angst?

Ein Professor für Psychobiologie an der Autonomen Universität von Madrid, Luis Carretié, argumentiert, dass das System fähig ist, eine Antwort zu generieren, bevor wir uns der Gefahr überhaupt bewusst sind. Zwei Studien des Neurobiologen David J. Anderson vom California Institute of Technology (Kalifornien, USA) und von Professor Andreas Lüthi vom Friedrich Miescher Institut (Schweiz), die 2010 im Journal Nature  veröffentlicht wurden, berichten über die Entschlüsselung des sogenannten „Kreislauf der Angst“.

Studien haben die Existenz von zwei Typen von Nervenzellen in der Amygdala bestätigt, die sich abwechseln und die „Tore“ der Angst öffnen und schließen. Aber Carretié meint, dass man diese Ergebnisse mit Vorsicht interpretieren sollte, denn im Menschen gibt es noch andere Faktoren, die mit Angst in Zusammenhang stehen. Der präfrontale Kortex, welcher die Situation in einen Kontext einordnet und die Antwort weniger automatisch, dafür besser angepasst gestaltet, spielt beispielsweise auch eine wichtige Rolle.

Wenn uns jemand verletzt, ob das der Partner, der Chef oder ein Verwandter ist, und auch wenn es Worte sind, die verletzen, nicht Taten, reagiert die Amygdala. Es ist allerdings unser präfrontaler Kortex, der alles Geschehen in einen Zusammenhang bringt und uns einen Moment der Überlegung gewährt – wenn Zeit bleibt – bevor wir handeln. Auf der anderen Seite müssen wir auch beachten, dass Angst größtenteils von unseren Erfahrungen beeinflusst wird und unsere Gefühle blockieren kann.

Feigheit lässt uns mehr altern als die Zeit: Die Jahre machen nur die Haut faltig, aber die Angst lässt die Seele faltig werden.

Facundo Cabral

Wie man die Angst, verletzt zu werden, überwindet

An einem bestimmten Punkt, vielleicht auch an vielen, sind wir verletzt worden, aber das heißt nicht, dass das immer passieren wird. Und es heißt auch nicht, dass wir unsere Wege ändern müssen. In präsentieren hier ein paar Ideen, wie du reflektieren und den Panzer, der deine Gefühle einschließt, loswerden kannst:

  • Erkennen, was uns Angst macht: Der erste Schritt, und vielleicht der schwerste, um eine Angst zu überwinden, ist es, sie zu erkennen. Was ist in der Vergangenheit passiert, dass wir solche Angst haben? Wovor haben wir Angst und warum? Ein tiefes Nachdenken darüber wird uns helfen, zu verstehen, was in uns passiert, und einen realistischen Blick auf das Problem zu werfen.

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  • Unsere Gefühle kennen: Wir fühlen viele Dinge und manchmal verschließen wir diese Gefühle tief in uns drinnen – aus Verlegenheit oder Angst. Wir tun das, ohne zu realisieren, dass uns dieses Schild schadet. Vielleicht brauchen wir Hilfe von Freunden, um darüber zu sprechen, oder auch einen Spezialisten. Das Wichtigste ist, dass wir uns selbst kennen und das leben, was wir fühlen.
  • Uns selbst durch Kunst ausdrücken: Tanz, Malerei, Schreiben und andere Kunstformen können uns dabei helfen, uns auszudrücken und das herauszulassen, was wir fühlen – mit Mut und ohne Angst. Das Wichtige hierbei ist, eine Aktivität zu finden, die wir mögen, und uns zu ermutigen, Gefühle zuzulassen.

Gefühle und Emotionen sind die universelle Sprache, die geehrt werden muss. Sie sind die authentischen Ausdrücke dessen, wer wir sind.

Judith Wright

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