Unser Gehirn kann uns heilen

18. März 2019

Jeder neue Gedanke, jede neue Erkenntnis und Erfahrung verändert unser Gehirn. Dieses plastische, komplexe und faszinierende Organ kann unser Verbündeter sein, wenn es darum geht, Krankheiten zu behandeln bzw. Erkrankungen zu verhindern. Deshalb gilt: Wenn wir verstehen, dass unser Gehirn uns heilen kann, dann können wir neue mentale Ansätze und Techniken ausprobieren.

Anerkannter Experte auf dem Gebiet der zerebralen Plastizität ist zweifellos Dr. Alvaro Pascual-Leone. Er ist Forscher, Professor und Direktor des Berenson-Allen Center der Harvard Medical School (Massachusetts, USA). Kurz gesagt, Pascual-Leone ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Neurologie.

Wir sind uns bewusst, dass der Ausdruck „Unser Gehirn kann uns heilen“ zu mehr als einem Missverständnis führen könnte. Deshalb wollen wir hier noch einmal betonen: Das Gehirn heilt keine chronischen Krankheiten. Wir können solchen Erkrankungen jedoch mitunter vorbeugen und sogar ihre Symptome lindern, wenn wir unsere Gewohnheiten verbessern.

Laut Professor Pascual-Leone müssen wir verstehen, dass es an uns liege, unser Gehirn zu „formen“. So können wir es zu unserem Verbündeten statt zu unserem Feind machen. Wenn wir uns mit fürsorglichen und aufrichtigen Menschen umgeben, neugierig und aufgeschlossen sind, positiv denken und die Auswirkungen von Stress reduzieren, können wir zweifellos unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden verbessern.

Unser Gehirn kann uns heilen - Zwei Hände scheinen die Umrisse eines Gehirns zu halten.

Wir sind Bildhauer unseres eigenen Gehirns

Unser Gehirn ist voller Geheimnisse, vergleichbar mit einer komplexen Sternenkonstellation. Jeden Tag erfahren wir mehr über die „kosmischen Weiten“, die sich hinter unserer Stirn erstrecken. In unserer heutigen Zeit gibt es viele Neurowissenschaftler, die, wie Astronauten das All, unser Gehirn vermessen und erforschen.

  • So wissen wir heute, dass jede Erfahrung und jedes Verhalten unser Gehirn verändern können.
  • Wir haben auch einen Prozess namens Neurogenese entdeckt, der die Fähigkeit unseres zentralen Nervensystems beschreibt, neue Neuronen zu erzeugen.
  • Studien wie die von Dr. Chunmei Zhao und Fred H. Gage von der University of California in San Diego (Kalifornien, USA), haben gezeigt, wie wichtig dieser Prozess bei der Prävention und Minderung der Auswirkungen von Gesundheitsproblemen wie Depressionen, Gedächtnisverlust oder neurodegenerativen Erkrankungen ist.

Ohne Frage ist dies eines der interessantesten Gebiete der Neurowissenschaften, denn bis vor Kurzem glaubten Wissenschaftler noch, dass wir nur in den ersten Jahren unseres Lebens neue Neuronen erzeugen könnten.

Gene bestimmen nicht unsere Gehirnchemie

In der Neurobiologie gibt es zwei Aspekte, die immer berücksichtigt werden sollten: Genetik und Epigenetik. Diese zwei Faktoren bestimmen darüber, ob unser Gehirn mit größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit bestimmte Krankheiten entwickelt.

Wenn es darum geht, Erkrankungen vorzubeugen, sollten wir also berücksichtigen, dass Gene unsere Gesundheit nicht zu 100 % bestimmen. Es liegt an uns, neue Praktiken zu entwickeln und unsere mentale Belastbarkeit zu trainieren. Der Bildhauer unseres Gehirns zu werden, kann uns helfen, unser Gehirn und unseren Geist gesund zu erhalten, denn wir können dadurch das potenzielle Erkrankungsrisiko reduzieren.

Ein Bild zeigt die neuronalen Verbindungen im Gehirn.

Ein formbares Gehirn ist ein gesundes und belastbares Organ

Unser Gehirn kann uns heilen, weil es eine erstaunliche Fähigkeit hat, die Plastizität genannt wird. Aber was bedeutet das genau?

Plastizität ist die Fähigkeit unseres Nervensystems, sich zu verändern, auf unsere Umwelt zu reagieren. Dies ist ein evolutionärer Vorteil, mit dem wir uns viel besser an Herausforderungen und allgemeine Schwierigkeiten in unserer Umwelt anpassen können.

Wenn wir über Neuroplastizität sprechen, beziehen wir uns auf alle Veränderungen in unserem Gehirn, die auf Erfahrungen zurückgehen. Zum Beispiel ist Resilienz ein gutes Beispiel für Neuroplastizität, denn sie zeigt unsere außergewöhnliche Fähigkeit, Widrigkeiten zu überwinden, indem wir neue Strategien erlernen und anwenden.

Wie können wir unser Gehirn „formen“?

Wir wissen bereits, dass die Plastizität des Gehirns eine Schlüsselfähigkeit ist, die es uns erlaubt, uns den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Außerdem haben Forscher herausgefunden, dass bestimmte Aspekte wie die sogenannte kognitive Reserve einen besseren Umgang mit neurologischen Erkrankungen ermöglicht.

Um zu einem Bildhauer unseres eigenen Gehirns zu werden, gibt es einfache Werkzeuge, die wir verwenden können. Diese sind für unser Gehirn von großem Nutzen, da sie neue neuronale Verbindungen fördern können. Diese Werkzeuge wirken sich positiv auf unser Gehirn auf, regen an, schützen und optimieren.

Mal sehen, was Pascual-Leone empfiehlt.

Gesunde Essgewohnheiten

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung wirkt sich positiv auf unsere Gesundheit aus. Wir sollten uns bemühen, frische Produkte zu kaufen und zu viel Zucker und gesättigte Fette zu vermeiden.

Außerdem sollten wir Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Tryptophan, Vitamin K und Antioxidantien in unsere Ernährung aufnehmen.

Regelmäßige körperliche Bewegung

Unser sitzender Lebensstil ist einer der größten Feinde unserer körperlichen und geistigen Gesundheit. Deshalb ist es ratsam, körperliche Aktivität in unseren Alltag einzubauen. Nur eine halbe Stunde Gehen am Tag kann schon viel bewirken.

Sport fürs Gehirn: Laufen

Meditation und positive Gedanken

Die Wissenschaft beschäftigt sich schon länger mit den Auswirkungen, die Meditation auf unsere Gesundheit hat. Tatsächlich hat eine Studie der Harvard University (Massachusetts, USA) gezeigt, dass Achtsamkeit Angst und Stress lindern kann.

Außerdem kann unser Gehirn uns heilen, wenn wir es einmal geschafft haben, eine positive und belastbare Lebenseinstellung anzunehmen. Positive Gedanken verbessern die Gesundheit des Gehirns, reduzieren Spannungen und steigern darüber hinaus unsere Fähigkeit, Neues zu lernen.

Tief und erholsam schlafen

Es gibt Menschen, die nur 6 Stunden schlafen und morgens völlig wohlauf sind. Andere von uns müssen jede Nacht etwa 9 Stunden schlafen, um sich ausgeruht zu fühlen. Das Wichtigste ist jedoch nicht die Anzahl der Stunden, die wir schlafen, sondern die Qualität des Schlafes. Wir sollten niemals den Faktor Schlaf unterschätzen,  da dieser für ein gesundes Gehirn unerlässlich ist.

Positive Beziehungen

Unser Gehirn braucht soziale Interaktion. Ein gutes Netzwerk an Freunden, auf das wir uns verlassen können, hilft uns, psychische Probleme besser zu bewältigen, neuronale Verbindungen zu stärken und unsere kognitive Reserve zu erhöhen.

Freundschaft ist gleichbedeutend mit Gesundheit, so wie Liebe der Energie gleicht. Wir sollten uns bemühen, Beziehungen aufrechtzuerhalten, die uns glücklich machen, statt in Beziehungen zu investieren, die uns unglücklich machen. Ob wir es glauben oder nicht, dies wird uns von Tag zu Tag gesünder machen.

Vier Freunde vor Sonnenaufgang

Jetzt, da wir wissen, dass unser Gehirn uns heilen kann, sollten wir nicht zögern, bessere Gewohnheiten zu pflegen. Denken wir daran, dass wir der Bildhauer dieses Organs sein können, das in der Lage ist, unser Wohlbefinden zu beeinflussen und sogar das Krankheitsrisiko zu verringern.