Unausgesprochene Vereinbarungen können böse Konsequenzen haben

· 10. Juni 2018

Es ist nicht klug, nur halbherzig zu kommunizieren. Leider gibt es eine ganze Reihe von gesellschaftlichen und kulturellen Gepflogenheiten, die es uns ermöglichen, Botschaften in der Schwebe zu lassen, wie zum Beispiel implizite oder unausgesprochene Vereinbarungen.

„Sprich deutlich, wenn du überhaupt sprichst; schnitze jedes Wort, bevor du es fallen lässt.“

Oliver Wendell Holmes

Wir regulieren Wörter und ihre Verwendung, manchmal um gute Manieren zu fördern, manchmal nur, um das tägliche Zusammenleben zu erleichtern. Allerdings ergeben sich daraus häufig ungeschriebene Regeln und kaum definierte Erwartungen. Ein persönlicher Faktor kommt hinzu: Oft wissen Menschen gar nicht, wie sie kommunizieren sollen, was sie erwarten, weil sie sich dessen nicht bewusst sind. In diesen Fällen scheitert zusätzlich die interne Kommunikation und führt zu Schwierigkeiten, Vereinbarungen zu treffen, bei denen beide Parteien wissen, woran sie sind.

Beziehungen können diese unglückliche Kommunikationsdynamik ebenfalls beeinflussen. Wir gehen davon aus, dass es Leute gibt, denen wir bestimmte Informationen mitteilen können, und andere, bei denen wir das nicht tun sollten. Sowohl auf individueller als auch auf globaler Ebene wird weiterhin das Recht verteidigt, Schweigen zu fordern. Manchmal werden dazu alle Facetten der Kommunikation eingeschränkt, manchmal auch nur einen Teil derselben. Aber das führt nur zu Verwirrung und ermöglicht Manipulation.

Die negativen Seiten unausgesprochener Vereinbarungen

Unausgesprochene Vereinbarungen sind Varianten der Kommunikation, bei denen eine oder beide Parteien davon ausgehen, dass die Vereinbarung klar genug und keine weitere Erklärung erforderlich sei. Zum Beispiel, wenn dir dein Partner aus dem Obergeschoss zuruft, dass jemand an die Tür klopft. Du weißt offensichtlich, was das bedeutet: Mach ihm die Tür auf. Du kannst die Nachricht zwischen den Zeilen lesen, indem du sie aus dem, was tatsächlich gesagt wurde, ableitest.

Symbolbild für indirekte Rede

Selbst in alltäglichen Situationen können unausgesprochene Vereinbarungen jedoch unangenehm enden und zu Missverständnissen führen. Um mit dem obigen Beispiel fortzufahren: „Jemand klopft an die Tür“ könnte je nach Kontext verschiedene Dinge bedeuten: „Es ist Zeit, das Thema zu wechseln, weil jemand hier ist“, „Die Person, auf die wir gewartet haben, ist angekommen“ oder gar „Pass auf, da sollte niemand an der Tür sein, vielleicht ist das ein Betrüger. Mach ihm nicht auf“. Beide Gesprächsteilnehmer müssen in Harmonie miteinander sein, um interpretieren zu können, was die andere Person meint, wenn sie ungenaue Phrasen um sich wirft, die sie für deutlich hält.

Missverständnisse wären nichts weiter als dumme Geschichten, wenn sie nicht auch in komplizierteren Situationen auftreten würden. Tatsächlich können sie katastrophale Folgen haben, wenn es um Forderungen und Wünsche geht. Und das passiert oft. Du willst, dass jemand etwas für dich tut, aber du sagst es ihm nicht. Du gehst davon aus, dass er dich versteht und ärgerst dich darüber, dass er deine Wünsche und Bedürfnisse nicht stillt. Aber andere können nicht immer verstehen, wie du zu dem kommst, was du sagst, und interpretieren aus ihrer eigenen Perspektive, was du vermitteln willst. So entsteht ein Konflikt.

Implizite Vereinbarungen

Eine Vereinbarung ist im Wesentlichen ein Pakt zwischen zwei oder mehr Parteien. Natürlich kann man auch einen Pakt mit sich selbst schließen, aber hier geht es eher um soziale Vereinbarungen. In einer Vereinbarung versprechen beide Parteien, auf eine bestimmte Weise zu handeln. Menschen treffen Vereinbarungen, wenn alle Beteiligten glauben, dass ein bestimmtes Verhalten zum Erreichen eines gemeinsamen Zieles beitragen könne.

Zwei stilisierte Köpfe, die Kommunikation symbolisieren

Einige Leute machen jedoch den Fehler, anzunehmen, dass es eine Vereinbarung gegeben habe, ohne dass die andere Partei diese bestätigt hätte. Wir gehen davon aus, wenn wir uns jedes Jahr an den Geburtstag der anderen Person erinnern, dass diese sich immer an unseren erinnern würde. Oder dass unsere Bedürfnisse Priorität genießen sollten, weil wir bisher immer denen des Gegenübers Priorität gegeben haben.

Man kann jede Art von Vereinbarung treffen, aber es ist ungünstig, wenn eine Person davon ausgeht, dass ein Pakt geschlossen wurde, wenn dem nicht der Fall ist. Wie in den obigen Beispielen verdeutlicht, geschieht das sehr oft, wenn es darum geht, sich zu revanchieren, aber es kann komplexere Zusammenhänge betreffen: Weil ich im Leben so viel gelitten habe, solltest du es mir nicht so schwer machen. Weil ich dir überlegen bin, darfst du mich nicht kritisieren. Beide Annahmen können langfristige Folgen haben.

Am besten ist es, eine direkte und klare Kommunikation zu pflegen. Dinge gehen in der Übersetzung immer bis zu einem gewissen Grad verloren, aber das Risiko vervielfacht sich, wenn die Botschaft implizit, unterdrückt oder vertuscht wird. Explizit zu kommunizieren kann daher helfen, eine Menge Konflikte zu vermeiden.

Zwei Sprechblasen