Die kulturelle Intelligenz: Von der Fähigkeit uns mit anderen Kulturen zu verbinden

· 12. Dezember 2016

Für gewöhnlich wird nicht viel über die kulturelle Intelligenz gesprochen, dafür aber umso mehr über die emotionale Intelligenz.

Darunter versteht man die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und die unserer Mitmenschen wahrzunehmen, sie richtig zu deuten, zu verstehen und mit ihnen umzugehen, was das emotionale und intellektuelle Wachstum fördert.

Aufgrund dieser Information interpretieren wir die Welt, die uns umgibt, was unsere Art zu denken und unsere Verhaltensweise bestimmt.

Der emotionalen Intelligenz wird ein großer Wert zugeschrieben, wenn von zwischenmenschlichen Beziehungen die Rede ist.

Doch wenn wir Beziehungen zu Menschen unterschiedlicher Kulturen haben, ist es notwendig, eine andere Intelligenz zu berücksichtigen: die sogenannte kulturelle Intelligenz.

Die Kulturelle Intelligenz

Aber was ist die kulturelle Intelligenz? Im Grunde genommen ist sie nichts weiter als die Fähigkeit, sich anzupassen, wenn man mit Menschen einer anderen Kultur zu tun hat.

Wenn wir beispielsweise in fremde Länder mit anderen Sprachen reisen, gehen wir davon aus, dass die Landsmänner ihre Sprechweise anpassen, damit wir sie verstehen. Machst du das auch?

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Die vier Verhaltensdimensionen der kulturellen Intelligenz

Die kulturelle Intelligenz basiert auf vier Verhaltensdimensionen: CQ-Drive (Motivationskomponente), CQ-Knowledge (kognitive Komponente), CQ-Strategy (metakognitive Komponente) und CQ-Action (Verhaltskomponente).

  • Die CQ-Drive konzentriert sich auf die intrinsische Motivation und das Interesse daran, andere Kulturen kennen zu lernen und mit Menschen anderer Kulturen zu interagieren. Sie beschreibt den Wunsch, anderes kennen zu lernen und zu verstehen.
  • Die CQ-Knowledge ist ihrerseits das Verständnis für die Kenntnis von Verhaltensregeln anderer Kulturen. Kennst du das Wirtschaft- und Rechtssystem anderer Kulturen? Weißt du, wie du dich gegenüber Menschen anderer Kulturen gemäß ihrer sozialen Verhaltensregeln verhalten musst?
  • Die CQ-Strategy bezieht sich auf das transkulturelle Bewusstsein. Das bedeutet, die kulturellen Aspekte zu verstehen, wenn jemand über seine Gedanken und die der anderen urteilt. Letztendlich ist damit gemeint, die Denkweise anderer hinsichtlich ihrer eigenen Kultur zu verstehen.
  • Zu guter Letzt gibt es die CQ-Action, die auf der Fähigkeit beruht, die Sprache zu sprechen und gemäß anderer kultureller Verhaltensregeln angemessen zu gestikulieren. Wer schon einmal in England war, hat sicherlich auch das Problem gehabt, zwei Bier zu bestellen. Es ist notwendig, dass wir uns fragen, wie viel wissen wir über andere Kulturen. Kannst du andere Sprachen sprechen? Weißt du welche Rituale in anderen Religionen praktiziert werden? Welche Gestik man benutzt, um „o. k.“ zu sagen? Sind wir auf der anderen Seite dazu fähig, unsere Sprache anzupassen, wenn wir mit jemandem aus einer anderen Kultur sprechen? Respektieren wir seine Handlungen? Sind wir dazu in der Lage, Ähnlichkeiten hinsichtlich unserer Kultur festzustellen?

„Wenn ich nicht mehr länger derjenige bin, der ich bin, werde ich zu dem, der ich sein könnte.“

Lao Tse

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Vielleicht sollten wir in diesem Zeitalter, das von der Globalisierung geprägt ist und in dem man darauf besteht, eine emotionale Intelligenz zu entwickeln, auch darauf achten, die kulturelle Intelligenz zu erlernen.

So würden wir andere Kulturen besser verstehen und letztendlich auch uns besser kennenlernen, denn wenn wir andere Kulturen kennen, lernen wir uns selbst besser kennen.

„Wer einen Blick nicht versteht, versteht auch eine lange Erklärung nicht.“

Arabisches Sprichwort

Die kulturelle Intelligenz in Afghanistan

Wie würde es dir gefallen, wenn jemand gegen deine Haustüre treten würde?

Das wäre selbstverständlich ein nicht gern gesehenes Verhalten, aber vielleicht ist das bei Afghanen ganz anders, die in diesem in unseren Augen „ungezogenen Verhalten“ eine große Beleidigung sehen.

Ein Fall, der uns die kulturellen Unterschiede vor Augen führte, war der Krieg in Afghanistan. Und genau zu diesem Zeitpunkt begann man damit, der kulturellen Intelligenz inmitten des Krieges Beachtung zu schenken.

Etwas, das Soldaten unaufhörlich taten und das von den Einwohnern Afghanistans nicht gern gesehen wurde, war die Tatsache, dass sie Hunde mit in ihre Häuser brachten.

In Deutschland ist das etwas vollkommen Normales. Das würde in Mietwohnungen vielleicht den einen oder anderen stören, aber sicherlich wäre der Aufstand bei einem Schwein in der Wohnung oder im Haus wesentlich größer.

Anfangs war den amerikanischen Soldaten nicht klar, dass Hunde in Afghanistan keinen guten Ruf haben und nicht als Freunde des Menschen gesehen werden, weshalb sie sie ganz selbstverständlich im Haus hielten.

„Der Hund, der Geld hat, wird Herr Hund genannt.“

Arabisches Sprichwort

Diese zwei Verhaltensweisen, die nur ein Beispiel aus vielen Unterschiedlichkeiten waren, die man feststellte, verdeutlichen, wie ein und dasselbe Verhalten von unterschiedlichen Kulturen vollkommen anders aufgenommen wird.

Glücklicherweise fiel durch General David Petraeus, der für die Leitung der Truppen verantwortlich war, dieses mangelnde Wissen bezüglich der kulturellen Intelligenz seiner Soldaten auf und sie konnten dieses beheben.