Trolle in sozialen Netzwerken: das psychologische Profil

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Social Media Trolle zwei spezifische Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Erfahre mehr zum Thema.
Trolle in sozialen Netzwerken: das psychologische Profil
Gema Sánchez Cuevas

Geprüft und freigegeben von der Psychologe Gema Sánchez Cuevas.

Geschrieben von Sonia Budner

Letzte Aktualisierung: 21. Dezember 2022

Manche Menschen mit einer negativen und verletzenden Veranlagung nutzen soziale Netzwerke, um ihre provozierenden Gedanken auszudrücken. Sie wissen, dass ihre Kommentare direkte Angriffe sind, aber sie finden das amüsant. Warum lieben Trolle Flame-Kommentare?

Ein Forschungsteam der School of Health Sciences and Psychology an der australischen Mount Helen’s University führte eine Studie zur Untersuchung der Persönlichkeitsmerkmale des Trolls in sozialen Netzwerken durch. Die Wissenschaftler konzentrierten sich auf bestimmte Eigenschaften und soziale Fähigkeiten bei Personen mit diesem Verhalten.

Das Ergebnis zeigte, dass Trolle zwei sehr ausgeprägte Merkmale aufweisen: Psychopathie und kognitive Empathie. Schauen wir uns an, was diese beiden Eigenschaften über Trolle aussagen.

Sind Trolle Psychopathen?

Wir sprechen von einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Der Begriff Psychopath ist in der klinischen Praxis nicht mehr gebräuchlich und wird allmählich durch den Begriff Soziopath ersetzt.

Der Ursprung dieser Persönlichkeitsstörung ist noch nicht klar. Es scheint eine genetische Komponente zu geben, die sich durch ungünstige Umstände in der Kindheit äußern könnte. Es gibt auch Hypothesen über bestimmte Hirnveränderungen im Frontallappen, die durch Fehlbildungen, Krankheiten oder Hirnverletzungen entstehen können.

Sind Trolle Psychopathen?

Der Psychologe Robert Hare, Ph.D., forscht seit mehr als drei Jahrzehnten zum Thema Psychopathie. Er hat spezifische Merkmale identifiziert, die Menschen mit dieser Störung aufweisen. Sie neigen zu Langeweile, brauchen ständige Stimulation und sind nicht in der Lage, sich langfristige Ziele zu setzen. Außerdem sind sie manipulativ und machtgierig. Sie versuchen immer, die Kontrolle über andere zu bewahren, und haben narzisstische Züge.

Psychopathen sind an ihrer mangelnden Impulskontrolle zu erkennen, häufig reagieren sie cholerisch. Sie haben Probleme damit, sich in die gesellschaftlichen und moralischen Normen einzufügen, obwohl sie in vielen Fällen eine falsche soziale Anpassung mit einem sehr oberflächlichen persönlichen Charme zeigen.

Sie halten sich für sehr wertvoll und empfinden Freude, wenn sie anderen Schmerz zufügen. Diese Störung ist bei Männern und Frauen zu beobachten, wobei statistisch gesehen Männer häufiger daran leiden. Sie scheinen völlig empathielos zu sein, obwohl das nicht ganz so stimmt. Wir werden noch sehen, warum.

Die dunkle Seite der Empathie

Affektive Empathie und kognitive Empathie sind verwandte, aber unterschiedliche kognitive Prozesse. Dabei werden verschiedene Gehirnbereiche aktiviert. Psychometrische Tests, die spezifische Arten von Empathie messen, wie z. B. die BES (Basic Empathy Scale), sind sehr effektiv, um die Art und das Ausmaß bei Probanden zu beurteilen.

In der affektiven Empathie unterscheiden Experten eine

  • parallele Gefühlsreaktion (beim Beobachter entsteht ein identisches Gefühl, das allerdings schwächer sein kann) und
  • eine reaktive Gefühlsreaktion (das Gefühl des Beobachters unterscheidet sich).

Beide beeinflussen die Amygdala, das emotionale Zentrum des Gehirns. Wir sprechen hier von “heißer” Empathie. Dem Social-Media-Troll fehlt es daran völlig. Es gibt aber auch eine “kalte” Empathie, die als kognitive Empathie bekannt und nicht so beliebt ist. Es ist die Art von Empathie, die der Social Media Troll in hohem Maße besitzt.

Die kognitive Empathie (manchmal auch Perspektivübernahme genannt) ist die Fähigkeit zu wissen, was andere fühlen, aber ohne die affektive Komponente. Das heißt, sie fühlen das Leid anderer nicht. Im Gegenteil: Dank dieser Art von Empathie sind Social Media Trolle in der Lage, das emotionale Leid ihrer Opfer vorherzusehen und zu erkennen. Schließlich nutzen sie dies aus, um möglichst großen Schaden zu verursachen.

Bei diesem Prozess spielen zwei Hirnregionen eine Rolle: der präfrontalen Kortex und der hintere parietale Kortex. Beide sind am Denken und der Entscheidungsfindung beteiligt.

Sind Trolle Psychopathen?

Trolle haben explosives Potenzial

Die Kombination dieser beiden Eigenschaften in einer Person birgt explosives Potenzial. Die Wahrheit ist, dass der Social Media Troll eine toxische Person ist. Er versteckt sich hinter seiner Anonymität und erreicht oft sein Ziel.

Verschiedene Studien haben herausgefunden, dass bestimmte Themen für den Social Media Troll besonders attraktiv sind. In vielen Fällen lesen sie die Beiträge gar nicht oder sie interpretieren den Inhalt, wie es ihnen gefällt. Es gibt noch keine Studien, die uns sagen, wie wir dieses Phänomen stoppen können, obwohl das Nicht-Reagieren auf ihre Angriffe der beste Weg zu sein scheint, um zu verhindern, dass ihr unerwünschtes Verhalten verstärkt wird.

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