Selbstzerstörerisches Verhalten in einer Beziehung

Wenn du jemanden liebst, der sich selbst zerstört, vergiss nicht, dein eigenes Wohlbefinden zu schützen. Nur wenn es dir gut geht, kannst du die Person begleiten, sie unterstützen, ohne sie zu verurteilen, und ihr helfen, Ressourcen und professionelle Hilfe zu finden.
Selbstzerstörerisches Verhalten in einer Beziehung

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 09. Januar 2022

Selbstzerstörerisches Verhalten in einer Beziehung führt oft in eine Spirale des Leidens. Das ständige Bedürfnis, den geliebten Menschen zu retten, ihm zu helfen und ihn zu verändern kann frustrierend sein. Noch bedrückender ist es zu beobachten, dass das Verhalten nicht verschwindet und sich sogar verstärkt.

Es ist wichtig zu verstehen, dass solche Realitäten von Impulsen angetrieben werden, die kaum zu kontrollieren sind. Auch Denkmuster und kognitive Verzerrungen treiben betroffene Menschen an, die sich von ihrem Katastrophendenken leiten lassen. Das Selbstwertgefühl scheitert und oft steckt auch mehr als ein psychologisches Trauma dahinter.

Süchte, Selbstverletzungen, mangelndes Selbstvertrauen, die Tendenz zur Isolation, Eifersucht und die ständige Besessenheit, dass alles schiefgeht… Selbstzerstörung äußert sich auf viele Arten und das Ergebnis ist immer dasselbe: Unglücklichsein und Leiden der Umwelt.

Die Ungeliebten zu lieben ist eine Form der langsamen Erstickung, der wir sehr schwer  entkommen können. Es ist wichtig, diese Situation zu verstehen und richtig damit umzugehen.

Selbstzerstörerische Menschen haben eines gemeinsam: Sie hassen sich selbst. Und wenn jemand sich selbst verachtet, geht er davon aus, dass er keine Hilfe verdient hat.

Selbstzerstörerisches Verhalten in einer Beziehung

Wie äußert sich Selbstzerstörung?

Selbstzerstörerisches Verhalten zeigt sich durch Handlungen und Entscheidungen, die den eigenen Interessen und dem physischen und psychischen Wohlbefinden zuwiderlaufen. Eine Forschungsstudie der Harvard Medical School sowie andere Arbeiten, weisen darauf hin, dass der Ursprung dieses Verhaltens oft in möglichen Kindheitstraumata liegt.

Faktoren wie Missbrauch oder der Verlust eines Elternteils können hinter dieser Realität stecken. Allerdings können auch biologische und kontextuelle Faktoren nicht ausgeschlossen werden. Was wir in diesen Fällen jedoch immer sehen, ist die Unfähigkeit, ein stabiles Leben zu führen und angenehme Erfahrungen zu genießen. Betroffene sind oft nicht in der Lage, sich der Liebe nahestehender Menschen bewusst zu werden.

Dies sind einige Beispiele für die Verhaltensweisen und Reaktionen, die wir bei diesen Menschen beobachten können:

  • Geringes Selbstvertrauen
  • Neigung zu Negativität
  • Gefühl der Nutzlosigkeit und der Glaube, dass immer alles misslingt
  • Unfähigkeit, Probleme zu bewältigen, egal wie klein sie auch sein mögen
  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Ständige zwischenmenschliche Probleme, Neigung zum Streit, keine kurz- oder langfristige Bindungsfähigkeit
  • Essverhaltensproblemen oder bis hin zu einer Neigung zur Selbstverletzung
  • Suizidgedanken
  • Isolierung
  • Ablehnung von jeder Art von Hilfe
  • Emotionale Erpressung und Opferrolle

Hinter selbstzerstörerischem Verhalten steckt oft eine Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPD).

Selbstzerstörerisches Verhalten in einer Beziehung

Selbstzerstörerisches Verhalten in einer Beziehung: Wie kann ich meinem Partner helfen?

Eine Person mit selbstzerstörerischem Verhalten zu lieben bedeutet, sich ständig zu fragen, warum die  Zuneigung nicht ausreicht, um Veränderungen zu erzielen.“Warum hört sie/er mir zuliebe nicht auf, zu trinken?”, “Wenn sie/er mich liebt und weiß, dass ich an ihrer/seiner Seite bin, warum denkt sie/er dann an Suizid?”, “Warum ist all die Liebe, die ich ihr/ihm gebe, nicht genug, um sie/ihn glücklich zu machen?”

Eine Beziehung mit einer Person, die sich selbst nicht liebt, keine Hilfe sucht und sich nicht ändert, ist mit einem Boot vergleichbar, das unter der Last der Frustration und dem Gefühl der Ablehnung untergeht. Es entsteht auch das Gefühl der Verlassenheit, denn wer sich selbst nicht respektiert, kann andere nicht so lieben, wie sie es sich verdient hätten. Was kannst du in dieser Situation tun?

1. Verstehe die psychopathologische Realität deines Partners

Eine selbstzerstörerische Person unterschätzt die Auswirkungen ihres Handelns auf sich selbst oder andere oder ist sich dessen nicht bewusst. Sie leugnet ihren Zustand und befindet sich in einer Schamspirale. Es ist nicht einfach, sich seiner eigenen Impulse und Verhaltensweisen bewusst zu werden. Du solltest bedenken, dass diese klinische Realität immer ein Symptom für eine zugrunde liegende Störung ist, für ein psychisches Problem, das behandelt werden muss.

Dein Partner oder deine Partnerin leidet vielleicht an einem Trauma, einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, Angststörungen, Depressionen usw. Du kannst niemanden zwingen, sich zu ändern, wenn diese Person die Notwendigkeit nicht versteht.

2. Schütze deine psychische Gesundheit

Eine Person mit selbstzerstörerischem Verhalten zu lieben, kann dich an den Rand des Abgrunds bringen. Du opferst dich selbst auf, vernachlässigst deine Grundbedürfnisse und fühlst dich emotional und psychisch erschöpft? Wenn du tatsächlich helfen willst, musst du Grenzen setzen und verstehen, dass es nicht deine Aufgabe ist, deinen Partner oder deine Partnerin zu “retten”.

Du bist da, um diese Person zu lieben und zu unterstützen, musst jedoch gleichzeitig deine eigene Integrität wahren.

3. Mache dir bewusst, was du nicht tun darfst

Es gibt eine Reihe von roten Fahnen, die in diesen Fällen nicht überschritten werden sollten:

  • Du machst dir Gedanken über das Verhalten deines Partners und nimmst es persönlich.
  • Erpressung:“Wenn du mich wirklich lieben würdest, würdest du das nicht tun.
  • Mit Scham oder Demütigung auf eine Veränderung drängen: “Es ist peinlich, wie du dich verhältst.”
  • Du erinnerst deinen Partner daran, dass er krank oder verrückt ist und dringend Hilfe braucht. Solche Sätze versetzen die andere Person nur in die Defensive und schaffen Distanz. Diese Strategie funktioniert nicht.

4. Selbstzerstörerisches Verhalten und nützliche Strategien

Einen Menschen mit selbstzerstörerischem Verhalten zu lieben, bedeutet, sich mit jemandem auseinandersetzen zu müssen, der anfällig ist, der Unterstützung von außen vermeidet und der außerdem davon ausgeht, dass er diese Hilfe nicht verdient hat. Das bedeutet, dass du gemäßigt sein musst in dem, was du sagst und was du tust. Am besten ist es, wenn du ein paar Ideen im Kopf behältst:

  • Es ist gut, den geliebten Menschen daran zu erinnern, dass du ihn liebst, dass du für ihn da bist, und zwar ohne zu urteilen.
  • Zeige Mitgefühl. Lass die Person wissen, dass du verstehst, wie kompliziert und herausfordernd diese Situation für sie sein muss.
  • Du musst der geliebten Person auch vermitteln, dass sie es sich verdient hat, sich gut zu fühlen und glücklich zu sein. Erkläre ihr, dass du zur Verfügung stehst, wenn sie dich braucht.
  • Vermittle der von dir geliebte Person, dass du auf ihre Stärken vertraust und sie es mit einer Psychotherapie schaffen wird, die Situation zu bewältigen.

Zu guter Letzt wollen wir noch einen weiteren Aspekt betrachten. Manchmal führen selbstzerstörerische Menschen zu einem Verhalten, das für andere schädlich ist. Es kann zu gewalttätigem Verhalten kommen. Wenn du eine missbräuchliche Beziehung führst, ist es rechtmäßig und respektabel, wenn du dich für eine Trennung entscheidest. Manche Menschen bringen sich in ihrer Besessenheit, andere zu retten, selbst in Gefahr. Vergiss nicht, Grenzen zu markieren.

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