Symptome der Empathie-Defizit-Störung

Obwohl die Empathie-Defizit-Störung auf den ersten Blick nicht klar erkennbar ist, kannst du sie dennoch spüren. Sie verzerrt Beziehungen und menschliche Qualitäten verarmen. Viele Experten halten sie für eine psychische Störung. Lies weiter und erfahre mehr darüber!
Symptome der Empathie-Defizit-Störung
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 01. Mai 2023

Die Symptome der Empathie-Defizit-Störung beschreiben einen ganz besonderen Menschentyp. Jemanden, der sich nicht in die Lage anderer Menschen versetzen kann, weil er seine eigenen psychologischen Grenzen nicht verlassen und überschreiten kann. Außerdem können sich diese Menschen nicht mit den Realitäten anderer verbinden und ignorieren diese oftmals. Darüber hinaus befinden sie sich in ständigem Konflikt mit anderen und können daher keine befriedigenden sozialen Interaktionen aufbauen oder pflegen.

Du denkst wahrscheinlich, dass diese Leute Narzissten sind. Überraschenderweise ist dieser Mangel an Empathie die Entkörperlichung, die eine große Anzahl von Menschen bewohnt, die schlichtweg kein Bedürfnis danach haben. Daher könnte es sogar möglich sein, dass du tatsächlich mit jemandem zusammenlebst, der diese Eigenschaften hat und du dir dessen gar nicht bewusst bist.

Das könnte zum Beispiel ein Partner sein, der den anderen nicht versteht und nur seine eigenen Bedürfnisse priorisiert. Es kann auch dieser Freund sein, der immer wütend ist, weil du die Dinge nicht so siehst wie er oder sie das tut. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass dir ebenfalls ein gewisses Einfühlungsvermögen fehlt. Daher tut dir dieses Verhalten auch nicht weh, weil du es möglicherweise nicht einmal bemerkst. Denn es handelt sich hierbei nicht um einen Fleck auf einem Kleidungsstück, den du ganz einfach sehen und anschließend entfernen kannst.

Empathie ist eine menschliche Fähigkeit, die nicht nur soziale Beziehungen verbessert, sondern auch Wohlbefinden vermittelt. Daher ist es vielleicht an der Zeit, einmal darüber nachzudenken, ob du diese gesunde Übung möglicherweise vernachlässigst.

Empathie-Defizit-Störung - Mann

Die Symptome der Empathie-Defizit-Störung

Die Empathie-Defizit-Störung findet sich nicht im DSM-V (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders), auf Deutsch: Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen. Momentan ist diese Störung nur ein Vorschlag, der vom Wirtschaftspsychologen, Psychotherapeuten und Autor Douglas LaBier in Psychology Today veröffentlicht wurde.

In unserem heutigen Artikel erläutert LaBier eine Idee, die sich während seiner jahrzehntelangen Erfahrung im Bereich der psychologischen Therapie und als Forscher der menschlichen Entwicklung entwickelt hat. Immer mehr Menschen zeigen einen starken Mangel an Empathie. Dies ist ein klarer und offensichtlicher psychologischer Zustand, den die Welt möglicherweise übersieht.

Diese Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, ihre Welt zu verstehen, sich mit ihren Emotionen zu verbinden und entsprechend zu reagieren, ist in der heutigen Zeit ziemlich selten geworden. Aber die Ursache hierfür ist nicht in der oben genannten Narzissmus-Störung oder in einer Autismus-Spektrum-Störung oder einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zu finden. Um einen Mangel an Einfühlungsvermögen zu haben, musst du tatsächlich nicht unbedingt an einer dieser Störungen erkrankt sein.

Der Wunsch nach Selbstständigkeit, Unabhängigkeit oder sozialem Aufstieg führt dich oft an den Rand eines kalten Abgrunds. Lies einfach weiter und erfahre, von welchen Symptomen eine Empathie-Defizit-Störung gekennzeichnet ist.

Die Emotionen und Gefühle anderer Menschen bereiten dir Unbehagen

Obwohl es drei Arten von Empathie gibt, konzentriert sich dieser Artikel auf die emotionale Empathie. Das heißt, es geht um deine Fähigkeit, die Emotionen anderer zu erkennen, sich mit ihnen zu verbinden und sie zu verstehen. Wenn jemand an einer Empathie-Defizit-Störung leidet, verspürt der Betroffene ein starkes Unbehagen, wenn er mit den Gefühlen und Emotionen anderer in irgendeiner Art und Weise konfrontiert wird oder damit in Berührung kommt.

Infolgedessen fühlt er oder sie sich davon belästigt, gestört oder ist genervt. Aber was noch schlimmer ist, der Betroffene kann diese Gefühle auch überhaupt nicht verstehen oder nachvollziehen.

Wenn dein Partner zum Beispiel traurig ist, denkst du vielleicht “er will nur Aufmerksamkeit”. Auch wenn ein Mensch verärgert oder wütend wirkt, kann man dies ganz einfach durch Gedanken wie “Das sind ihre Probleme, das ist nicht meine Angelegenheit. Sie wird selber damit fertig werden” abtun und von sich schieben. Mit anderen Worten, hinter dem Mangel an Empathie steckt oft ein Schutzschild. Diese Menschen wollen andere gar nicht verstehen, weil sie das irgendwie stört, nervt oder gar belästigt.

Ein übermäßig starker Fokus auf die eigenen Ziele und Bedürfnisse

So offensichtlich es auch erscheinen mag, der Mangel an Empathie ist häufig bei denen verbreitet, die sich am meisten auf ihre persönliche Entwicklung konzentrieren. Darüber hinaus ist er vielfach auch bei den Menschen anzutreffen, die von Selbsthilfe nahezu besessen sind. Das Bedürfnis, unabhängig, stark, selbstbewusst und durchsetzungsfähig zu sein, motiviert sie, sich obsessiv auf sich selbst zu konzentrieren und nur sich selbst als wichtig zu erachten. Deine Probleme sind deine, sie haben ihre eigenen. Mit anderen Worten, sie müssen ihre Ziele erreichen und das hat für sie stets oberste Priorität.

Außerdem solltest du bedenken, dass dieses Streben nach absoluter Selbstversorgung oft antagonistisch erscheint. Empathie entsteht, wenn Menschen sich bewusst werden, dass alle Menschen miteinander verbunden sind. Dass die Menschen um dich herum genauso wichtig sind wie du selbst.

Empathie-Defizit-Störung - Paar

Sie gehen fast ausschließlich utilitaristische Beziehungen zu anderen Menschen ein

Bei Utilitarismus geht es darum, zu benutzen und dann wegzuwerfen. Diese Menschen interessieren sich nur für jene Aktivitäten, die ihnen selber von Nutzen sein können. Und sie kümmern sich ausschließlich um das, was sie selber betrifft. Dies ist ein weiteres Merkmal dieser Störung. Wie du dir vorstellen kannst, definiert ein derartiges Verhalten auch die Beziehungen der liquiden Moderne und die Liquidität, von der Zygmunt Bauman sprach. Das bedeutet, dass diese Menschen eine eher fragile Bindung zu ihren Partnern und Freunden haben. Denn diese Beziehungen drehen sich meist nur um die eigenen momentanen Bedürfnisse und Interessen.

Gleiches gilt für ihre Werte und sozialen oder ökologischen Anliegen. Menschen mit einer Empathie-Defizit-Störung sind jene Leute, die behaupten, der Klimawandel interessiere sie nicht, weil das, was in Zukunft mit dem Planeten passiert, sie nichts anginge, weil sie dann ja bereits tot seien.

Empathie-Defizit-Störung – diese Menschen sind sehr schnell in ihrem Urteil und ihrer Kritik an anderen

In vielen Fällen vernachlässigen Menschen die wunderbare Funktion der Empathie. Es ist das Zahnrad, das es dem Menschen erlaubt, vorsichtig zu sein, wenn es darum geht, leichtfertige und vorschnelle Urteile zu fällen. Ein empathischer Mensch weiß, dass er sich bemühen muss, andere zu verstehen. Er ist sich darüber bewusst, dass er aus sich herausgehen und sich mit anderen und deren Gefühlen und Bedürfnissen verbinden muss, bevor er sich von Vorurteilen leiten und zu unüberlegten Urteilen verleiten lässt.

Im Gegensatz dazu ist jemand mit einer Empathie-Defizit-Störung sehr schnell dabei, kritisch zu sein und zu bewerten. Diese Menschen sind beinahe unermüdlich, wenn es um Etikettieren, Vorverurteilen und Kritisieren geht. Aber du musst wissen, dass solche Menschen die Welt oft mit großer Frustration sehen. Das liegt daran, dass letztendlich alles aus dem Lot gerät, wenn man nicht in der Lage ist, die Realität durch den Filter von Emotionen und Empathie zu verarbeiten. Das bedeutet, dass diese Menschen das Gefühl haben, die Welt sei gegen sie und verdiene daher auch nicht ihr Vertrauen.

Bevor du zu dieser Art von Mensch wirst, solltest du versuchen, dir einer Sache bewusst zu werden: Das Problem könntest du selber sein.


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  • Milone, A., Cerniglia, L., Cristofani, C., Inguaggiato, E., Levantini, V., Masi, G., … Muratori, P. (2019). Empathy in youths with conduct disorder and callous-unemotional traits. Neural Plasticity2019. https://doi.org/10.1155/2019/9638973

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