Umweltangst: Was genau ist das eigentlich?

05 Dezember, 2020
Der Klimawandel ist ein sehr ernstes Problem, das uns alle angeht. Infolgedessen fühlen sich heute viele Menschen sehr verunsichert. Und einige leiden sogar an Umweltangst. Aber was bedeutet das eigentlich?

Wenn du die letzten fünf Jahre deines Lebens nicht in einer Höhle verbracht hast, dann weißt du sicherlich, wer Greta Thunberg ist. Aber wenn du dennoch noch nie zuvor von ihr gehört hast: Sie ist eine 17-jährige Umweltaktivistin, die sich mit unglaublicher Leidenschaft für die Rettung des Planeten vor dem Klimawandel einsetzt. Wenn man sich ihre Reden anhört und beobachtet, was sie tut, könnte man sich die Frage stellen, ob sie an Umweltangst leidet. Ist das tatsächlich möglich?

Nun, die Wahrheit ist, dass wir darauf keine eindeutige Antwort haben. Und der Grund dafür ist, dass es aus wissenschaftlicher Sicht keinen psychischen Zustand an sich gibt, der als Umweltangst bezeichnet wird. Allerdings hat eine Gruppe von Experten der Climate Psychology Alliance (auf Deutsch: Allianz für Klimapsychologie) diesen Begriff geprägt. Damit wird ein Phänomen beschrieben, das in keiner Weise eine Pathologie darstellt, sondern vielmehr als reales und rationales Problem angesehen werden kann.

Was ist Umweltangst?

Wir wollen versuchen, den Begriff so weit wie möglich zu vereinfachen. Grundsätzlich bezieht sich Umweltangst auf die Sorge um den natürlichen Lebensraum, den wir bewohnen. Dies schließt auch die Zerstörung des Lebensraumes, den Klimawandel, Umweltverschmutzung und alle ökologischen Probleme und Katastrophen ein, die durch die Handlungen von Menschen sowie ihre produktiven Aktivitäten auf dem Planeten verursacht werden.

Menschen, die an Umweltangst leiden, empfinden Ängste, wenn sie über ihre eigene Sterblichkeit und auch die der ihnen nahestehenden Menschen nachdenken. Darüber hinaus sind sie sehr beunruhigt, wenn sie über die Zukunft der Welt nachdenken.

Allerdings ist es sehr wichtig, dass du dies nicht mit einer klinischen Angststörung verwechselst. Wie wir bereits oben erwähnt haben, wird Umweltangst weder als Pathologie noch als spezifisches Krankheitsbild angesehen.

Dennoch hat der nordamerikanische Fachverband für Psychologie (American Psychological Association, kurz APA) diesen Begriff im Jahr 2017 definiert. Nach Angaben dieses Verbandes könnte die chronische Angst vor Umweltkatastrophen und damit verbundenen Todesfällen bestehende psychische Probleme verschlimmern oder bisher nicht bestehende auslösen.

Der eben erwähnte amerikanische Verband gibt an, dass es im Jahr 2019 zu einem allgemeinen Anstieg der Umweltangst gekommen ist. Dies ist auf verschiedene Naturkatastrophen zurückzuführen und die medialen Auswirkungen, die sie nach sich gezogen haben.

“Wir leben auf diesem Planeten, als hätten wir noch einen anderen, auf den wir gehen könnten.”

-Terri Swearingen-

Umweltangst - besorgte Frau

Klima und psychische Gesundheit

Das Klima hat direkte Auswirkungen auf die Befindlichkeiten aller Menschen. Einige fühlen sich von den aktuellen Ereignissen sehr betroffen. Andere sorgen sich mehr darüber, was in Zukunft geschehen wird. Beispielsweise ist die Vorstellung für einige Menschen sehr beängstigend, dass bestimmte Inseln aufgrund des Klimawandels in einigen Jahren vollkommen von Wasser bedeckt sein und im Meer versinken werden.

Aber beide Szenarien können ganz unterschiedliche Empfindungen auslösen. Denn Wut, Schock, Panik und alle derartigen Emotionen, die mehr oder weniger intensiv auftreten, können zu posttraumatischem Stress und einer posttraumatischen Belastungsstörung führen.

Darüber hinaus beeinflussen die Folgen des Klimawandels auch die wirtschaftliche und soziale Aktivität. Naturphänomene können Industrien wie beispielsweise die Landwirtschaft, Viehhaltung und viele Infrastrukturen betreffen. Und das wiederum kann in der Folge zu Fatalismus, Ohnmachtsgefühlen und verschiedenen psychischen Störungen führen.

Die wissenschaftliche Fachzeitschrift Global Environmental Change veröffentlichte eine Studie zu diesem Thema. Es wurde ein Zusammenhang zwischen Depressionen und Angststörungen und der Umwelt aufgezeigt. In der Tat sind Frauen und Menschen mit niedrigem Einkommen am stärksten von Umweltangst betroffen. Allerdings liegen diesbezüglich noch keine eindeutigen und klaren Daten vor.

Was wissen wir über die Menschen, die davon betroffen sind?

Zuerst einmal gibt es bestimmte Arten von Angst, die man als unbegründet oder unverhältnismäßig bezeichnen könnte (wenn man sie mit dem Ausmaß oder der Eintrittswahrscheinlichkeit der Bedrohung ins Verhältnis setzt). Aber wenn du dies aus ökologischer Perspektive betrachtest, dann handelt es sich durchaus um ein sehr reales Problem.

Darüber hinaus wird das Gefühl der Unsicherheit aufgrund der Unruhe, die sie erzeugt, zunehmend zu einer natürlichen Reaktion. Und den Daten zufolge, die die Existenz dieses Problems belegen, sind diese Faktoren besonders bei Frauen spürbar. Der Grund dafür ist, dass Frauen sich in der Regel sehr viel mehr Gedanken und Sorgen über Umweltverschmutzung, globale Erwärmung oder den Klimawandel machen. Außerdem glauben viele Frauen, dass sich all das negativ auf ihre Fruchtbarkeit auswirken könnte.

Aber auch junge Menschen sind sehr intensiv von Umweltangst betroffen. Denn viele Teenager, junge Erwachsene und sogar Kinder haben eine engere Verbindung zur Umwelt. Sie haben ein sehr großes Umweltbewusstsein und machen sich ebenso große Sorgen über ihre Zukunft. Allerdings sind auch viele Erwachsene mittleren Alters in großer Besorgnis. Und zwar aufgrund der Auswirkungen, die all das auf die Entwicklung ihrer Kinder haben könnte.

Umweltangst - Frau mit gesenktem Kopf und Hand vor dem Gesicht

Gibt es eine Lösung, wenn du an Umweltangst leidest?

Glücklicherweise bleibt noch etwas Zeit, um diese Art der Angst zu mildern. Allerdings kann sie zu einem sehr ernsthaften Problem für viele Menschen werden, wenn alles so weiter geht, wie bisher. Daher würde die beste Lösung darin bestehen, das gesellschaftliche und wirtschaftliche Verhalten zu verändern und den zwanghaften Konsum und Handel zu vermeiden. Stattdessen sollten wir damit beginnen, umweltfreundlichere Energieformen zu implementieren.

Darüber hinaus ist es gleichfalls notwendig, Resilienz zu entwickeln. Denn mit dieser kann eine ausgewogene und umweltfreundliche Politik verfolgt werden, die einen positiven Effekt auf die menschliche Psyche haben wird.

Und wenn du dir gesündere Gewohnheiten angewöhnst, indem du beispielsweise seltener dein Auto nutzt oder mehr Zeit in der Natur verbringst, kann auch dies dazu beitragen, deine Umweltangst zu lindern. Es liegt auch an dir selbst!

Burns, D. (2012). Adiós, ansiedad. Paidós Editorial: Barcelona

Kormondy, E. (1978). Conceptos de Ecología. Alianza Editorial: Madrid

Albrecht G, Sartore GM, Connor L. (2007). Solastalgia: The distress caused by environmental change. Australasian Psychiatry.

American Psychological Association / eco-America (2017). Mental health and our changing climate: impacts, implications, and guidance. Washington, DC: APA