Treue ist eine Eigenschaft der Intelligenten

1. Juli 2017 en Kuriositäten 3142 Geteilt

Rodolfo Llinás ist ein kolumbianischer Neurowissenschaftler, der den größten Teil seines Lebens dem Studium des Gehirns gewidmet hat. Er führte das NEUROLAB-Programm der NASA und ist derzeit Direktor der psychologischen Fakultät der New York University (New York, USA). Vor einiger Zeit gab er ein Interview, in dem er mit seinen ausgeklügelten Konzepten zu Treue, Liebe und Glück beeindruckte.

Seine Erkenntnisse beweisen aus neurologischer Sicht, was viele bereits intuitiv, aufgrund ihrer Erfahrung oder anhand von Beobachtungen, für wahr annahmen. Sie bestätigen, dass das Gehirn ein weitgehend isoliertes System ist, in das Gefühle nur vereinzelt vordringen. Die Funktionsweise des Gehirns ähnelt der eines Computers, mit dem Unterschied, dass das Gehirn plastisch und kreativ ist: Es passt sich an, es hält sich instand und es verändert sich.

„Treue ist die Anstrengung einer guten Seele, um sich einem Ideal anzunähern, das größer ist als sie selbst.“

Johann Wolfgang von Goethe

Aus den Resultaten seiner umfangreichen und tiefgehenden Studien des Hirns lässt sich schließen, dass der Intellekt auf Emotionen aufbaut. Zuerst kommt die Emotion, dann der Verstand. Unsere Interpretationen der Welt speisen sich nicht so sehr aus rationalem Denken, sondern aus Gefühlen. Seinen Worten zufolge spielt die Liebe dabei eine herausragende Rolle und Treue ist eine Eigenschaft der Intelligenten.

Treue und Intelligenz

Rodolfo Llinás erklärt, dass der emotionale Bereich des Gehirns einer der ältesten ist. Dieser Bereich hat sich als einer der ersten entwickelt. Ihm zufolge gibt es „im Gehirn von Reptilien nichts anderes als vorprogrammierte Handlungen, Instinkte. Deshalb kommen sie näher oder laufen weg, wenn sie fressen wollen; greifen an, wenn sie sich bedroht fühlen, und haben Sex, wenn sie sich fortpflanzen wollen“.

Die Liebe entstammt genau diesem Bereich im Gehirn, aber erfüllt weitere Funktionen. „Die Liebe“, sagt Llinás, „ist wie Schokolade. Und wer verliebt ist, verwandelt sich in eine Naschkatze. Er will immer mehr und mehr Liebe von dem Menschen, den er liebt. Niemand stirbt an zu viel Liebe.“

Aus physiologischer Sicht ist die Liebe nicht wie Krafttraining, sondern eher wie Tanzen. Über die ewige Liebe sagt Llinás: „Diese ist den Intelligenten vorbehalten, die fähig sind, ihre vorprogrammierten Verhaltensmuster und Instinkte zu kontrollieren, basierend auf der Überzeugung, dass der andere der Einzige ist; dass es allein ihrer Verantwortung obliegt, sich um die Beziehung zu sorgen. Sie vertrauen darauf, dass ihr Partner ihnen Rückendeckung gewährt.“

Treue trägt dazu bei, dass man nicht unnötig emotionale und intellektuelle Energie verschwendet. Je intelligenter ein Mensch, desto mehr kümmert er sich um die großen Probleme der Menschheit, ohne sich dabei zu sehr um Dinge sorgen zu müssen, die sein Leben destabilisieren könnten, oder Energie, die für komplexere Aufgaben gebraucht wird, zu vergeuden. Llinás resumiert, dass „die ewige Liebe ein unendlicher Tanz der Neurone zwischen zwei intelligenten Menschen“  ist.

Studien zu Intelligenz und Treue

Rodolfo Llinás ist nicht der Einzige, der zum Zusammenhang zwischen Intelligenz und Treue forscht. Eine Studie unter der Leitung von Doktor Satoshi Kanazawa, Experte in Evolutionssoziologie, wurde mit ähnlichen Ergebnissen abgeschlossen. Man kam zu dem Ergebnis, dass Männern mit höherem IQ die Treue zu ihrem Partner wichtiger war. Dagegen war allen Frauen Treue wichtig, ohne dass dieses Bedürfnis mit ihrem Intelligenzniveau korrelierte.

Die Studie zeigt, dass Monogamie eine höhere Stufe der menschlichen Evolution ist. Prinzipiell ist der Mensch in seinem Verhalten fast genauso stark von Instinkten geleitet wie andere Säugetiere. Das lässt ihn zur Polygamie neigen. Aber sowohl in der Geschichte der Menschheit als auch in der Geschichte von Individuen, scheint Monogamie ein Schritt nach vorn in der Evolution zu sein.

In Wirklichkeit erfordert die Untreue viel Zeit und eine emotionale Veranlagung zum Konflikt. Wenn wir den Großteil unserer Zeit beschäftigt sind, ist es schwieriger, Zeit für Intrigen und Strategien zu finden, die mit der Untreue einhergehen. Auch kostet es viel emotionale Energie, die ganze Zeit Versteck zu spielen, zu vermeiden, nicht entdeckt zu werden und eine instabile Fassade aufrechtzuerhalten.

Es ist viel intelligenter, eine stabile Beziehung aufzubauen und sie zu pflegen, als sich von einer Beziehung in die nächste zu stürzen. Die Monogamie geht generell mit großer Zufriedenheit einher. Man bringt kein Opfer, wenn man monogam lebt. Allerdings bedarf sie Anstrengung, wie alles, was großen Wert hat. Wenn man in seinem Leben große Ziele erreichen möchte, ist es ein wesentlicher Vorteil, auf seiner Reise einen festen Partner an seiner Seite zu haben. Auf der anderen Seite könnte eine stabile Beziehung die Sinnlosigkeit und Unerheblichkeit eines Lebens, in dem man sich auf Belangloses konzentriert, allerdings behindern.

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