Untreue: Es ist einfacher, ein guter Liebhaber als ein guter Partner zu sein

· 3. Juni 2017

Untreue ist ein umstrittenes und schmerzhaftes Thema. Auch wenn die meisten Menschen glauben, dass es möglich ist, seinem Partner ein Leben lang treu zu sein, sind 65% paradoxerweise davon überzeugt, dass die Möglichkeit besteht, in zwei Menschen gleichzeitig verliebt zu sein. Dieser Prozentsatz ist unter Männern sogar noch höher.

Viele werden sich jetzt fragen, ob die Monogamie gescheitert ist, auch wenn wir aus evolutionärer Sichtweise sagen können, dass dem nicht so ist. Wenn wir uns einmal die Primaten anschauen, die uns am nächsten stehen, und die keine stabilen Partnerschaften haben, so stehen 150.000 Schimpansen und ungefähr 50.000 Gorillas fast 7 Milliarden Menschen gegenüber. Unumstritten ist, dass wir Paare bilden, um uns fortzupflanzen.

Der berühmte US-amerikanische Anthropologe Owen Lovejoy der Kent State University (Ohio, USA) beschrieb ein faszinierendes Phänomen in Bezug auf den Menschen: die Serien-Monogamie. Sie meint den Wechsel der Partner nach einer bestimmten Zeit. So sei unser Verhalten in Bezug auf die Heirat ein Produkt der Gesellschaft, aber es sei fest in unserer Biologie verankert, langfristige Partnerschaften einzugehen.

Hierbei sollten wir nicht vergessen, dass jedes menschliche Verhalten, Untreue eingeschlossen, von drei Faktoren beeinflusst wird: von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren. Auch wenn eine genetische Veranlagung, untreu zu sein, existieren könnte (z.B. das sogenannte Fremdgeh-Gen, das den Hormonhaushalt reguliert), sind es doch letztendlich soziale und psychologische Faktoren, die die Untreue begünstigen oder verhindern können.

„Suche deinen Partner mit Sorgfalt aus. Von dieser Entscheidung hängen 90% deines Glücks oder deiner Traurigkeit ab; doch nach einer sorgfältigen Auswahl beginnt die Arbeit erst.“

H. Jackson Brown

Warum sind wir untreu?

In unserer Gesellschaft herrscht immer noch die Vorstellung der romantischen Liebe vor. Es ist eine Tatsache, dass wir mittlerweile eine höhere Lebenserwartung haben und das führt dazu, dass es in unserem Leben mehr Veränderungen als früher gibt. Der Trend geht immer noch hin zur Monogamie, aber wir wechseln mittlerweile häufiger die Partner und unsere Beziehungen halten nicht mehr lebenslang an; gleichzeitig gibt es immer mehr außereheliche Liebesbeziehungen.

Laut einer Studie des Klinischen Instituts für Sexualwissenschaft von Barcelona (Spanien) kehrt bei Paaren etwa ab dem fünften Jahr der Beziehung eine Routine ein und ab dann ist die Wahrscheinlichkeit für einen Seitensprung höher. Hierbei ist erwähnenswert, dass es kein Persönlichkeitsprofil gibt, das den typischen „Fremdgeher“ beschreibt. Das kommt daher, dass immer mehr Menschen mit unterschiedlichen Profilen untreu werden.

Wenn wir unseren Partner in unserer Fantasie betrügen, gilt das für die meisten nicht als Untreue. Gemäß den Worten der Direktoren des Klinischen Instituts für Sexualwissenschaft von Barcelona beginne Untreue mit Verhaltensweisen, die sonst nur für unseren Partner bestimmt wären, wenn wir sie bei jemand anderem als unseren Partner an den Tag legen. So wäre das beispielsweise der Fall, wenn wir mit einer dritten Person erotische Nachrichten austauschen würden.

Frauen neigen zur Untreue, wenn sie in ihrer Beziehung unglücklich sind oder auf sexueller Ebene mit ihrem Partner nicht zusammenpassen. Bei Männern hingegen ist der Grund für Untreue normalerweise ein anderer. Hier hat das Ganze mit der Neigung, sich eher zu erregen, zu tun, wenn sie sich in einer reizvollen Situation befinden.

Die Liebe zwischen Liebhabern ist wie ein Krieg: Er beginnt leise, ist aber schwierig zu beenden.

Es ist wesentlich einfacher, nur hin und wieder einfallsreich zu sein als jeden Tag

Wieso sind Beziehungen zu Liebhabern intensiver? Die Antwort ist, dass Beziehungen zu Liebhabern aus uns Menschen machen, die weniger rational denken, und somit geraten die Emotionen und Gefühle vollkommen außer Kontrolle.

Frust, Eifersucht, das ständige Gefühl, den Liebhaber zu verlieren, begleitet von sehr starken und festgefahrenen Bindungen versetzen uns in einen permanenten Zustand der Erregung. Daher werden außereheliche Beziehungen als lebendiger oder authentischer als die Beziehung zu unserem Partner interpretiert. Sie erinnern uns irgendwie an etwas Belangloses und an die Schmetterlinge im Bauch, die wir als frisch Verliebte gefühlt haben.

Außereheliche Beziehungen sind normalerweise zu Beginn enger als eine partnerschaftliche Beziehung. Das kommt daher, dass es leichter ist, sich ein paar Stunden Mühe zu geben als ein ganzes Leben lang. „Nicht offizielle Partnerschaften“ gab es schon immer, in der gesamten Geschichte der Menschheit. Doch so angenehm sie kurzfristig sind, ergibt sich auf lange Sicht immer ein Problem aus ihnen – für die drei direkt involvierten Menschen.

Wenn du dich in einer Beziehung befindest, die dich nicht glücklich macht, kann eine Affäre zu einem der unwiderstehlichsten Dinge der Welt werden.

Nach einer Untreue wieder Vertrauen erlangen

Eine der Taten, die unser Vertrauen untergraben
können, ist die Untreue… >>> Mehr