Jetzt mal ehrlich: Eine romantische Liebe ist kein Garant für eine glückliche Partnerschaft

6. Oktober 2016 en Psychologie 208 Geteilt

Die romantische Liebe: Ein Versprechen, das keine Grenzen kennt und über den Tod hinausgeht, eine unbändige Leidenschaft, das perfekte Gegenstück, singende Vögel… Kerzen, gedämpftes Licht, Musik – am schönsten ein wundervolles Liebeslied – ein verliebtes Pärchen hält sich in den Armen, vervollständigt sich, tauscht leidenschaftliche und intensive Blicke aus. Ist das eine Utopie und unmöglich?

So stellen wir uns die perfekte Liebe oder besser gesagt das Harmonieren eines perfekten Paares vor. Jedoch ist die immerwährende Romanze unmöglich, und diese Art der Liebe zu erwarten, bringt nur bittere Enttäuschungen mit sich.

Bis dass der Tod uns scheidet? Wir sollten umdenken, was das Verlieben angeht, und uns von der romantischen Liebe verabschieden, die wir von Kindesbeinen an durch Märchen kennengelernt und verinnerlicht haben.

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Sage der Idealisierung der Liebe Lebewohl

Die Auffassung davon, dass die romantische Liebe auf ewig währt, ist mit einer Reihe weiterer Konzepte verbunden, die wir einmal näher betrachten sollten. Schauen wir uns doch die bekanntesten an:

  • Die Liebe auf den ersten Blick: Wenn wir die Liebe wirklich verstehen, wissen wir, dass sich dieses Gefühl erst im Laufe der Zeit entwickelt. Es ist gut möglich, dass wir eine gewisse Anziehungskraft verspüren oder uns ein Mensch auf Anhieb gefällt. Aber die Liebe braucht Zeit, um jene Qualitäten zu entdecken, wegen derer wir jemanden lieben und die ein gegenseitiges Wohlbefinden und eine Bereicherung für beide Partner entstehen lassen.
  • Bis über beide Ohren verliebt: Das ist ein weiterer Satz, den wir sehr oft hören und auch selbst sagen! Doch die Phase der Verliebtheit oder der „Schmetterlinge im Bauch“ vergeht nach nicht allzu langer Zeit. Der Hauptgrund dafür ist, dass dieser Zustand nicht dauerhaft gefühlt werden kann und weder auf physiologischer (konstante Veränderung), noch auf sozial-persönlicher Ebene (uns würde vieles egal werden, weil wir ununterbrochen an unsere Liebe oder daran denken, an ihrer Seite zu sein) Bestand hat.
  • Die wahre Liebe muss wie im Märchen sein: Aschenputtel ist ein tolles Märchen, süß und metaphorisch, aber dahinter verbirgt sich ein ungesundes Konzept. Im realen Leben würden der anmutige Prinz und die schöne Prinzessin ihre Leben höchstwahrscheinlich nur schwer miteinander vereinbaren können und feststellen, dass ihre Lebensumstände so verschieden sind, dass Konflikte an der Tagesordnung wären.
  • Gute Männer sind die Handwerker im Haus und gute Frauen waschen die Wäsche: Glücklicherweise werden wir uns dieser falschen Vorstellung immer bewusster und kämpfen gegen den Irrglauben über die strikten Stereotypen der Geschlechter an. Wir tun das, weil wir für die Individualität und die Gleichberechtigung kämpfen, die die Grundpfeiler einer Beziehung sind.

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Reale Beziehungen verteidigen

Das Konzept eines realen Paares besagt, dass beide Partner durch ihre Vorstellungen, Qualitäten, Meinungsfreiheit und durch ihre Art und Weise, Gefühle zu erleben, einen gemeinsamen Weg erschaffen können. Oder anders gesagt: Ein ideales und reales Paar erschafft sich selbst.

Wir treffen oft auf Menschen, die felsenfest davon überzeugt sind, dass man nicht in einer realen oder gesunden Liebesbeziehung lebt, wenn man keine Fotos voneinander macht, auf denen man den Partner küsst, wenn man keine romantischen Nachrichten auf der Pinnwand des Partners in Facebook hinterlässt, wenn man sein Leben nicht auch nach den Vorstellungen des Partners richtet und man nicht von dem Menschen abhängig ist, den man liebt.

Doch wir können sehr wohl zu unserem Partner passen, ohne das in den sozialen Netzwerken publik zu machen, ohne den ganzen Tag zusammen zu verbringen, ohne die Notwendigkeit zu verspüren, sich pausenlos zu küssen, ohne Nachts Arm in Arm zu schlafen oder Kerzen anzuzünden, um eine Atmosphäre für die Liebe entstehen zu lassen.

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Normalerweise kommt es uns seltsam vor, wenn jemand nicht an diese allgemeinen Vorstellungen der romantischen Liebe glaubt, die uns mitteilen wollen, dass es richtig ist, zu sagen „ohne dich bin ich nichts“.  Doch wenn wir das hinterfragen, fällt uns auf, dass das ein Konzept ist, das unsere Autonomie und unsere weiteren Beziehungen angreift.

Ein Paar kann so sein, wie es sein möchte, weil es doch die Vielfältigkeit und die Individualität einer Beziehung sind, die ihr den Status „real“ verleihen. Selbstverständlich ist das nur der Fall, wenn das Verhalten innerhalb einer Beziehung auf Respekt beruht und das Wachstum jedes Einzelnen fördert.

Jeder Mensch hat seine eigenen Wesenszüge und mit ihnen geht eine einzigartige Liebe zwischen zwei Menschen einher. Die wahre Liebe ist nicht eine romantische Liebe, sondern lediglich eine Liebe, die Freiheit und gemeinsame Zuneigung als Grundlage hat. Wir könnten auch sagen, dass wir durch sie spüren, dass sie uns Flügel zum Fliegen und Gründe dafür gibt, um zu bleiben.

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