Tränen, die Wunden vernarben lassen

8. Oktober 2016 en Emotionen 1 Geteilt

Tränen haben eine wichtige biologische Funktion: Sie reinigen unsere Augen. Durch sie können wir klarer sehen und sie sind auch dafür verantwortlich, unsere Hornhaut mit Nährstoffen zu versorgen. Sie wirken gleichzeitig wie ein natürliches Schmiermittel und haben antibakterielle Inhaltsstoffe, die Infektionen vorbeugen.

Tränen dienen auch als ein Warnhinweis auf Wunden in unserem Organismus. Sie aktivieren Mechanismen, damit die Zellen, die auf Abwehrmechanismen und Vernarbung spezialisiert sind, sich in die entsprechende Zone bewegen, um sie zu reparieren: Dies soll heißen, dass sie in direkter Verbindung mit unserem Immunsystem stehen.

„Wenn das Leben dir in bestimmten Umständen Wunden zugefügt hat, dann warte, bis sie heilen, und öffne sie danach nie wieder.“
Alessandro Mazariegos

Tränen sind aber nicht nur ein physiologischer Mechanismus. Tatsächlich sind sie für eine Mehrheit von uns ein emotionaler Ausdruck. Man weint aus großer Trauer, aus riesiger Angst oder auch aus allergrößter Freude. Man weint, weil man fühlt.

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Tränen machen manchmal den Regen weicher

Weinen ist ein subjektiver Ausdruck, der einerseits eine kommunikative Funktion hat: den anderen mitzuteilen, wie wir uns fühlen, gepaart mit dem Versuch, bei ihnen ein Gefühl der Solidarität zu erwecken. Auf der anderen Seite haben Tränen auch eine therapeutische Funktion, da sie die im Alltag angestauten Spannungen lösen.

Das Weinen ist eine emotionale Geste, die verschiedene Ursachen haben kann. Der Akt des Weinens geht über unser Kontrollbedürfnis hinaus, und deshalb weinen wir am Ende manchmal auch dann, wenn wir es eigentlich vermeiden wollen. Das Weinen deutet auf fehlende Kontrolle hin, es durchbricht aber auch gleichzeitig eine Barriere, die uns von bestimmten Ausdrucksformen abhält.

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Dies passiert, weil es in unserem Gehirn zwei unterschiedliche Zonen gibt: Eine präfrontale Zone, die etwa für vernünftige Überlegungen oder Entscheidungsfindung verantwortlich ist und wo auch der Wille angesiedelt ist, während die Aufgabe, unsere Reflexe zu aktivieren, automatisch und unfreiwillig, einer anderen Hirnregion zufällt. Die Emotionen haben ihren Ursprung in dieser letzten Zone, die gleichzeitig auch die primitivere Zone in unserem Gehirn ist.

Was meinen Wissenschaftler über das Weinen

Wir können weinen, weil wir eine Zwiebel geschnitten haben, was letztlich einfach nur bestätigt, dass mit der Verbindung unseres Geruchssinns mit den Tränendrüsen alles in Ordnung ist. Man kann auch in ganz spezifischen Fällen weinen, wenn Krankheiten als Ursache vorliegen. Diese Art der Bedingungen werden als „pathologisches Weinen“ bezeichnet.

Studien unterschiedlicher Wissenschaftler brachten zu Tage, dass beim Weinen Substanzen wie Endorphine, Adrenocorticotropin, Prolaktin und Magnesium- und Kaliumsalze freigesetzt werden, welche für das hohe Niveau des Angstgefühls und der Aufregung in unserem Körper verantwortlich sind. Danach fühlen wir einen Zustand der Entspannung und des Friedens. Auf komplementäre Weise wirkt Weinen also wie ein Schmerzmittel, was den Schmerz reduziert.

Weinen wird auch durch negative Gemütszustände mit erhöhter Anspannung ausgelöst, wie etwa Wut oder große Nervosität, aber auch durch sehr starke positive Emotionen, wie zum Beispiel eine intensive Freude. In jedem Fall wird dadurch das Gefühl ausgelöst, dass wir es mit einem sehr großen Ereignis zu tun haben.

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Ist es gut, das Weinen zu unterdrücken?

Unser Weinen zu unterdrücken, ist schädlich für die Gesundheit. In der Mehrheit der Kulturen sind weinende Männer nicht gut angesehen, da dieser Akt als Schwäche wahrgenommen wird. Als Folge davon tendieren vor allem die Männer dazu, ihre Emotionen zu unterdrücken, im Gegensatz zu Frauen, denen man stets zuschreibt, dass sie sehr einfach in Tränen ausbrechen.

Der Ursprung dieser Wahrnehmung liegt in falschen Erziehungsmodellen, die auf chauvinistischen Kriterien basieren. Das Unterdrücken von Tränen erhöht den Frust, die Aggressivität und führt zu Blockaden.

Im Angesicht des Verlustes einer wichtigen Person zum Beispiel, überkommt uns eine tiefe Traurigkeit: Ein Prozess der Trauer, in dem die beste Hilfe Weinen heißt. Dies ist Teil des Lebens. Wenn man es nicht zulässt, wird es wegen der Unterdrückung der emotionalen Schmerzen auch zu körperlichen Folgen kommen. Weinen ist somit gesund, wenn es in einem Ausmaß geschieht, welcher dem auslösenden Grund entsprechend ist.

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Im Gegensatz dazu ist das Weinen ungesund, wenn seine Ursachen unbekannt sind und wenn es von Schlaflosigkeit oder fehlendem Appetit begleitet wird, wenn der Betroffene Gewicht verliert, unmotiviert ist oder sogar sterben will. Solche Übertreibungen können auf eine emotionale Störung hinweisen, der man besondere Aufmerksamkeit schenken sollte, da hier professionelle Hilfe nötig ist.

Weitere Aspekte

Auch wenn die körperlichen Prozesse, die den Mechanismus des Weinens auslösen und auch die daran beteiligten psychologischen Elemente bekannt sind, gibt es auch unbekannte Aspekte, die weiterhin ein Mysterium bleiben. Weinen scheint eine nur beim Menschen auftretende Charakteristik zu sein, keine andere Spezies drückt ihre Emotionen durch Tränen aus.

Einige Theorien behaupten, dass die grundlegendste Funktion des Weinens eine Folge physischer Schmerzen ist, während die höheren Funktionen wiederum das Ergebnis einer evolutionären Entwicklung einer bestimmten Form nonverbaler Kommunikation sind, die das Ziel hat, von anderen Hilfe zu bekommen. Dies sieht man zum Beispiel beim Weinen eines Kindes, welches nach der Aufmerksamkeit der Mutter sucht.

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Wie dem auch sei, sicher ist, dass das Weinen unter gewöhnlichen Bedingungen eine befreiende Handlung ist. Und das ist so, weil es ermöglicht, Gefühle und Emotionen über Worte hinaus auszudrücken. Es gibt Formen des Schmerzes, die keinen Diskurs zulassen, die vielmehr nach einer physischen Geste verlangen. Dies ist das Weinen: Eine körperliche Geste, die zu einem Zustand des Friedens führt, solange es spontan ausgedrückt wird.

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