Tiefschlaftherapie: Was ist das und warum wird sie nicht mehr angewandt?

Heutzutage greifen nur noch sehr wenige Psychiater auf eine Tiefschlaftherapie zurück, um psychische Störungen zu behandeln. Obwohl diese Technik in gewisser Weise durchaus effektiv war, birgt sie dennoch auch verschiedene Risiken, die berücksichtigt werden müssen.
Tiefschlaftherapie: Was ist das und warum wird sie nicht mehr angewandt?

Letzte Aktualisierung: 09. Mai 2021

Die Tiefschlaftherapie gibt es eigentlich schon ziemlich lange. Ungefähr zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sie auch für die Behandlung psychischer Störungen eingesetzt, hauptsächlich in Russland. Und mit dieser Therapieform konnten tatsächlich sehr ermutigende Ergebnisse bei Schizophrenie, Depressionen, Angstzuständen, Sucht und anderen Störungen erzielt werden.

Dennoch hat sich dies im Laufe der Jahre verändert und heute ist die Tiefschlaftherapie kein Bestandteil herkömmlicher Behandlungen mehr. Allerdings ist sie auch nicht vollständig verschwunden. Es gibt Patienten, die davon profitieren und einige Psychiater greifen in besonderen Fällen immer noch darauf zurück.

Die Tiefschlaftherapie kann bei der Behandlung verschiedener psychischer Störungen sehr effektiv sein. Das Chelmsford Private Hospital in Australien berichtete jedoch über 24 Todesfälle von Patienten, die sich in den Jahren 1963 bis 1979 aufgrund dieser Behandlung ereignet haben. Diese Vorfälle führten zu einer generellen Ablehnung der Tiefschlaftherapie als Behandlungsoption.

“Ein herzhaftes Lachen und ein erholsamer Schlaf sind die beste Medizin.”

-Irisches Sprichwort-

Tiefschlaftherapie - schlafende Frau

Was genau ist eine Tiefschlaftherapie?

Schlafstörungen gehören zu den ersten Anzeichen einer psychischen Störung. Daher ist ein tiefer und regenerierender Schlaf tatsächlich eine der besten Möglichkeiten, um die mentale Stabilität wiederherzustellen. Dieser Vorzug des Schlafes ist seit den Anfängen der Psychiatrie und Psychologie wohlbekannt. Und genau dies war auch der Grund für die Entwicklung der Tiefschlaftherapie.

Diese Therapie besteht darin, dass ein Psychiater einen Patienten, der an einer psychischen Störung leidet, in einen Zustand der Bewusstlosigkeit versetzt. Hierbei handelt es sich um eine intensive psychiatrische Therapie, da der Patient in der Regel fünf bis neun Tage hintereinander schlafen muss.

Während dieser Zeit schläft der Patient, weil er wiederholt verschiedene Schlaftabletten einnehmen muss. Er wacht jeweils nur für kurze Zeit auf, um zu essen und auf die Toilette zu gehen. Soweit bekannt ist, war der Schotte Neil Macleod im Jahr 1900 vermutlich der erste Arzt, der diese Technik anwendete.

Dennoch war es der Psychiater Dr. Jakob Klaesi, der die Schlaftherapie als Behandlungsform an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK) einführte. Er bezeichnete sie als psychiatrische Schlafkur oder Dauernarkose. Heute ist diese Behandlung jedoch als Tiefschlaftherapie bekannt.

Die Vorzüge dieser Behandlungsmethode

Nachdem Dr. Klaesi diese Behandlungsmethode populär gemacht hatte, gewann die Tiefschlaftherapie an Ansehen und viele Psychiater auf der ganzen Welt begannen damit, sie bei ihren Patienten anzuwenden. Besonders wirksam erwies sie sich bei der Stabilisierung extrem aufgeregter und überaktiver Patienten. Die Psychiater fanden heraus, dass Sedierung und längerer Schlaf dazu beitragen können, die Patienten mental und psychisch zu stabilisieren.

Einige psychische Erkrankungen verursachen besonders hohe Dopamin-, Adrenalin- und Noradrenalinspiegel. Und der Tiefschlaf trägt dazu bei, das Gehirn wieder in einen normalen und stabilen Zustand zu versetzen. Man könnte es mit einem Reset des Gehirns vergleichen.

Menschen, die sich in einem äußerst nervösen und aufgeregten Zustand befinden, sind sehr anfällig für Veränderungen oder Störungen in ihrer Umgebung. Wenn sie schlafen, können sie durch diese externen Faktoren nicht mehr gestört oder beeinträchtigt werden. Darüber hinaus trägt der Tiefschlaf dazu bei, das Bewusstsein und die Gedanken in einen Ruhestand zu versetzen, wodurch sich das Gehirn beruhigen und wieder in einen normalen Zustand zurückkehren kann.

Tiefschlaftherapie - schlafender Mann im Bett

Die Nebenwirkungen und Risiken einer Tiefschlaftherapie

Von Anfang an berichteten Therapeuten über verschiedene Nebenwirkungen dieser Behandlung. Dr. Klaesi selbst berichtete über den Tod von drei der 26 Patienten, die er mit dieser Therapie behandelte. Darüber hinaus stellten verschiedene Psychiater weitere Probleme fest. Einige dieser Effekte waren ein Anstieg der Körpertemperatur, Harnverhalt, Schluckbeschwerden sowie Sprach- und Gangstörungen.

Mehrmals versuchten die Psychiater, die von ihnen verabreichten Medikamente zu verändern, was sich positiv auf den Behandlungsverlauf auswirkte. Allerdings erfordert diese Therapie auch eine kontinuierliche Überwachung und ständiges Monitoring des Patienten. Diese Überwachung ist äußerst anspruchsvoll und sehr ressourcenintensiv. Aus diesem Grund wurde die Tiefschlaftherapie durch die Entwicklung von Antipsychotika allmählich in den Hintergrund gedrängt.

Der entscheidende Faktor für die Abwendung von dieser Therapieform war jedoch ein Bericht, der vom Chelmsford Private Hospital in Australien veröffentlicht wurde. In diesem Bericht wurde angegeben, dass über einen Zeitraum von 15 Jahren bei 1.115 Patienten eine Tiefschlaftherapie angewendet wurde. In dieser Zeit starben 24 der behandelten Patienten. Im folgenden Jahr verboten die Behörden sowohl in Australien als auch in Neuseeland diese Therapie.

Dennoch gibt es in verschiedenen Teilen der Welt einige Psychiater, die diese Behandlung immer noch für spezielle Fälle anwenden. Viele der gemeldeten Todesfälle wurden später mit medizinischen Problemen in Verbindung gebracht, die nicht mit der Therapie selbst in Zusammenhang standen.

Wenn du der Meinung bist, dass eine Tiefschlaftherapie für dich von Vorteil sein könnte, solltest du dich unbedingt an ein spezialisiertes Zentrum wenden, das von qualifizierten Fachleuten geleitet wird.

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  • Stucchi-Portocarrero, S., & Cortez-Vergara, C. (2020). La cura de sueño en la historia. Revista de Neuro-Psiquiatría, 83(1), 40-44.