Erfahre alles über Antipsychotika

29. Juni 2019
Typische und atypische Antipsychotika behandeln die Symptome einer Schizophrenie. Hier werden wir erklären, welche Eigenschaften und Nebenwirkungen diese Medikamente haben.

Antipsychotika sind verschreibungspflichtige Medikamente, die also nur mit einem ärztlichen Rezept gekauft werden können. Sie sind für die Behandlung von psychischen Problemen zugelassen, die durch psychotische Symptome gekennzeichnet sind.

Zum Beispiel gehören dazu Erkrankungen wie Schizophrenie, schizoaffektive Störungen und einige Formen von bipolarer Störung oder schwerer Depression.

Manche Antipsychotika können auch verwendet werden, um schwere Angstzustände sowie körperliche Probleme, Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit zu behandeln. Ärzte empfehlen sie jedoch nicht für die psychotischen Symptome von Demenz.

Ein anderer Name für diese Medikamente ist „Neuroleptika“. Tatsächlich bevorzugen manche Menschen diesen Begriff, weil er soviel bedeutet wie „die Nerven ergreifen“. Das beschreibt eigentlich perfekt, was das Medikament tut.

Antipsychotika: wissenschaftliche Grundlagen

Es gibt verschiedene mögliche Erklärungen, die die potenzielle Wirksamkeit von Antipsychotika erklären:

  • Erstens verhindern die Medikamente die Ausschüttung von zu viel Dopamin. Denn die meisten dieser Medikamente blockieren Dopaminrezeptoren im Gehirn. In der Folge wird die Reizüberflutung des Gehirns während psychotischen Zuständen reduziert.
  • Zweitens verändern Antipsychotika den Anteil anderer chemischer Substanzen im Gehirn. Das heißt, die meisten Medikamente wirken auch auf andere chemische Substanzen im Gehirn, wie Serotonin und Noradrenalin. Diese beiden Neurotransmitter regulieren unsere Stimmung.
Das menschliche Gehirn.

Dopaminerge Systeme des Gehirns

Eine der am weitesten verbreiteten Hypothesen über Schizophrenie besagt, dass Dopamin der primäre Neurotransmitter ist, der an dieser Krankheit beteiligt ist. Dopamin beeinflusst das Gehirn auf viele Arten:

  • Das mesolimbische System. Dieses System ist wichtig, wenn es um das Gefühl „Freude“ geht, daher wird es auch „positives Belohnungssystem“ genannt. Der Neurotransmitter dieses Systems ist Dopamin. Durch eine Überaktivität des Systems manifestiert sich Schizophrenie.
  • Das mesocorticale System. Das Funktionieren dieses Systems ist wichtig für unsere exekutiven Funktionen (z. B. Handeln) sowie unsere Motivation. Aus diesem Grund kann eine Unteraktivität in diesem System zu kognitiven Störungen führen, die bei Psychosen des schizophrenen Formenkreises typisch sind.

Es gibt noch zwei weitere dopaminerge Systeme. Auch die Störung dieser Systeme kann ebenfalls schwerwiegende Folgen für uns Menschen haben.

Die wichtigsten Arten von Antipsychotika

Neuroleptika werden in zwei klassische Kategorien eingeteilt: Antipsychotika der ersten Generation (alt) und Antipsychotika der zweiten Generation (neu). Beide können wirksam sein, haben aber unterschiedliche Nebenwirkungen.

Der Hauptunterschied zwischen diesen beiden Gruppen besteht darin, dass Antipsychotika der ersten Generation Dopamin blockieren, während die Antipsychotika der zweiten Generation den Serotoninspiegel beeinflussen.

Einige Untersuchungen legen nahe, dass bestimmte Arzneimittel der zweiten Generation weniger Nebenwirkungen haben als Medikamente der ersten Generation, insbesondere in Bezug auf die Körpermotorik.

Antipsychotika der ersten Generation

Diese Medikamente wurden von Wissenschaftlern in den 1950er Jahren entwickelt. Sie sind in verschiedene chemische Gruppen unterteilt. Sie alle verhalten sich mehr oder weniger gleich. Der Patient nimmt diese Medikamente normalerweise oral ein.

Außerdem können diese Medikamente verschiedene Nebenwirkungen verursachen:

  • Schläfrigkeit
  • Erregtheit
  • Trockener Mund
  • Verstopfung
  • Sichtprobleme
  • Emotionale Blockaden
  • Brustwarzensekrete
  • Amenorrhoe (Aufallen der Regelblutung)
  • Steifheit oder Muskelkrämpfe
Antipsychotika der zweiten Generationen haben in der Regel weniger schwerwiegende Nebenwirkungen.

Antipsychotika der zweiten Generation

Aufgrund der Nebenwirkungen bevorzugen Mediziner im Allgemeinen die Verschreibung von Antipsychotika der zweiten Generation, die Forscher in den 1990er Jahren entwickelt haben. Denn diese Medikamente sind in der Regel milder.

Sie verursachen auch weniger Nebenwirkungen in Bezug auf den sexuellen Antrieb im Vergleich zu älteren Medikamenten. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass diese neueren Antipsychotika Stoffwechselprobleme verursachen, einschließlich einer schnellen Gewichtszunahme.

Clozapin ist das einzige von der FDA, der amerikanischen Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit, zugelassene Medikament zur Behandlung von Schizophrenie, das auch bei therapieresistenten Psychosen eingesetzt werden kann. Ärzte verschreiben es auch, um schizophrenen Patienten bei ihren Selbstmordgedanken zu helfen.

Mediziner verwenden Antipsychotika der zweiten Generation zur Behandlung von Angst- und Stimmungsstörungen, bipolaren Störungen, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und Zwangsstörungen (OCD).

Antipsychotika mit den meisten Nebenwirkungen

Mit Ausnahme von Clozapin sind beide Typen von Antipsychotika gleich wirksam. Ärzte wählen das Medikament aufgrund der Nebenwirkungen aus.

Ein Vorteil von atypischen Neuroleptika besteht darin, dass sie nicht zur dopaminergen Blockierung im mesolimbischen System beitragen. Aus diesem Grund sind sie oft für den Patienten besser geeignet.

Außerdem erhöhen sie den Dopaminspiegel in zwei anderen dopaminergen Systemen. Das heißt, dies reduziert die negativen Symptome, die durch die Blockierung des Dopamins verursacht werden.

Die Häufigkeit einiger unerwünschter Nebenwirkungen hängt von dem spezifischen atypischen Antipsychotikum ab, das vom Arzt verschrieben wurde. Aber zur Zeit ist es unmöglich, verlässliche Schlussfolgerungen zu den Medikamenten zu ziehen, da zu diesem Thema die Forschung immer noch sehr gering ist.