Die emotionale Intelligenz nach Salovey und Mayer

19. Mai 2019

In den letzten Jahren hat die emotionale Intelligenz zunehmend Beachtung gefunden. Immer mehr Menschen interessieren sich für die diesbezüglichen Studien und dafür, wie sie anhand ihres Wissens ihr emotionales Management verbessern können. Dennoch kennen nur wenige den wahren Ursprung des Konzepts der emotionalen Intelligenz.

Die Erstbeschreibung der emotionalen Intelligenz fanden wir im Jahr 1990 in einem Artikel, in dem Peter Salovey und John D. Mayer zu erklären versuchten, was die emotionale Intelligenz eigentlich sei und wie sie sich in unseren Verhaltensweisen und Gedanken ausdrücke. Salovey war Professor an der Yale University (Connecticut, USA), während Mayer zu dieser Zeit ein Postdoc Studium absolvierte. Sie recherchierten gemeinsam und veröffentlichten zahlreiche Artikel zu diesem Thema.

Trotzdem schreiben viele Leute dieses Konzept demjenigen zu, der es in jüngster Zeit weiter verbreitet hat, nämlich Daniel Goleman. Er war es, der das Konzept der emotionalen Intelligenz im Jahr 1996 populär machte, nachdem er ein Buch mit dem Titel EQ. Emotionale Intelligenz  veröffentlicht hatte. Emotionale Intelligenz ist für Salovey und Mayer jedoch etwas anders als für Goleman. Aus diesem Grund gab es einige Verwirrung hinsichtlich der ursprünglichen Theorie.

In diesem Artikel wollen wir darauf eingehen, was das Konzept für die beiden Autoren bedeutet, die ihm seine erste Form gegeben haben.

Herz und Hirn über offenen Händen

Was ist die emotionale Intelligenz nach Salovey und Mayer aus?

Gemäß der Definition in ihrem ersten Buch sei die emotionale Intelligenz die Fähigkeit, Informationen über die eigenen Emotionen und auch die anderer Menschen zu verarbeiten. Darüber hinaus beinhalte sie auch die Möglichkeit, diese Informationen als Leitfaden für das eigene Denken und Verhalten zu verwenden.

So achten Menschen mit einer hohen emotionalen Intelligenz besonders auf ihre Emotionen und nutzen, verstehen und regulieren diese effektiver als jene, die eine niedrige emotionale Intelligenz haben. Auf der anderen Seite dienen diese Fähigkeiten auch adaptiven Funktionen, die ihnen und anderen Vorteile bringen können.

Um zu erkennen, ob eine Person über eine hohe emotionale Intelligenz verfügt, sie nach diesen beiden Autoren auf vier grundlegende Fähigkeiten zu achten:

  • Die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und die anderer Menschen richtig wahrzunehmen und auszudrücken
  • Die Fähigkeit, diese Aspekte in einer Art und Weise zu verarbeiten, die das Denken erleichtert
  • Die Fähigkeit, die Emotionen, die emotionale Sprache und ebenso andere emotionale Aspekte zu verstehen
  • Die Fähigkeit, seine Emotionen so zu regulieren, dass man am Ende ein bestimmtes Ziel erreichen kann

In dem zugehörigen Modell der emotionalen Intelligenz wird jeder dieser Bereiche in vier verschiedenen Phasen entwickelt. Dieser Vorgang muss sich jedoch nicht immer auf spontane Art und Weise ereignen. Ganz im Gegenteil, er erfordert in der Regel eine bewusste Anstrengung der Person.

Im Folgenden wollen wir diese vier Phasen näher betrachten.

Frau mit geschlossenen Augen hinter Blumen

1. Die Wahrnehmung und der korrekte Ausdruck von Emotionen

Die erste Komponente der emotionalen Intelligenz nach Salovey und Mayer sei die Fähigkeit zur Identifizierung der eigenen Gefühle sowie der Gefühle anderer. Dabei muss die Person verstehen können, was sie selbst fühlt; dazu gehören Emotionen, aber auch Gedanken, sowohl abgeleitete als auch solche, die primär erzeugt werden. Später, in der zweiten Phase wird dann die Fähigkeit erworben, dasselbe mit den Emotionen anderer zu tun, wenn diese auf verschiedene Art und Weise ausgedrückt werden.

In der dritten Phase erwirbt die Person die Fähigkeit, ihre Emotionen angemessen zum Ausdruck zu bringen. So lernt sie auch, ihre auf ihre Gefühle bezogenen Bedürfnisse zu vermitteln. In der vierten Phase wird dann schließlich die Fähigkeit erreicht, zwischen korrekten und falschen Ausdrücken der Emotionen anderer zu unterscheiden.

2. Die emotionale Erleichterung der Gedanken

In der ersten Phase der Entwicklung dieser Komponente konzentrieren die Menschen ihre Gedanken auf die aus ihrer Sicht wichtigsten Eindrücke. Dabei werden die eigenen Gefühle noch nicht berücksichtigt. Im zweiten Stadium hingegen werden die eigenen Emotionen intensiv genug wahrgenommen, sodass sie auch erkennbar werden. Aus diesem Grund ist die Person schließlich befähigt, diese als Leitfaden zu nutzen, um Entscheidungen zu treffen.

Laut Salovey und Mayer führen die Emotionen in der dritten Phase dazu, dass die Person von einem emotionalen Zustand zum nächsten schwankt. So wird es dem Menschen möglich, zu ein und demselben Thema verschiedene Standpunkte einzunehmen. In der letzten Phase erlauben die Gefühle der Person dann schließlich, auf eine kreativere Art und Weise zu denken und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

3. Das Verständnis der Emotionen

Hierzu wäre der erste Schritt, jene Fähigkeit zu erwerben, die es einem erlaubt, grundlegende Gefühle voneinander zu unterscheiden und die passenden Worte zu verwenden, um diese zu beschreiben. Danach wird diese Fähigkeit weiterentwickelt, indem die Person zulässt, ihre Gefühle in ihren emotionalen Zustand zu transferieren.

In der dritten Phase ist sie bereits fähig, komplexe Emotionen zu interpretieren, zum Beispiel eine Reaktion, die eine Mischung aus Ekel und Faszination oder aus Angst und Überraschung darstellt. Als letzten Punkt kann noch die Fähigkeit erworben werden, den Übergang zwischen zwei verschiedenen Emotionen zu erkennen, etwa zwischen Wut und Scham oder Überraschung und Freude.

Verschiedene Emotionen auf Wäscheklammern

4. Die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren, um Ziele zu erreichen

Als erstes erfordert diese Fähigkeit den Willen, die Rolle der Emotionen, die diese erfüllen sollen, zu akzeptieren und nicht zu beschränken. Dies ist bei den positiven Emotionen deutlich leichter zu erreichen als bei den negativen. Wir wollen aber noch weitergehen und uns die Entscheidung überlassen, mit welchen Emotionen wir uns identifizieren wollen; je nachdem, ob sie nützlich sind oder nicht.

Dies muss in Abhängigkeit davon erfolgen, wie einflussreich, vernünftig oder klar diese Emotionen sind. Und schließlich versetzt sich die Person in die Lage, die eigenen Gefühle als auch die Gefühle anderer Personen zu regulieren – die negativen Emotionen umzuwandeln und die positiven zu steigern.

Emotionale Intelligenz: eine praktische Fähigkeit

Das Modell der emotionalen Intelligenz nach Salovey und Mayer greift bei Weitem nicht alles auf, was wir heute über die emotionale Intelligenz wissen. Es bringt uns jedoch zurück zum Ursprung des Begriffes, zu den Grundlagen, sowie zu dem, was zu ihrer Zeit eine echte Revolution bedeutete.

Der vielleicht stärkste Punkt dieses Modells ist seine Einfachheit und die Tatsache, dass es eine Graduierung enthält, die das Verständnis erleichtert. Somit kann man sagen, dass dieses Konzept ein großartiger Ausgangspunkt dafür sei, in die wunderbare Welt der Emotionen einzutauchen, in diese Welt, die, ob wir nun wollen oder nicht, zu uns gehört.