Thomas Quick - der schwedische Hannibal Lecter

Thomas Quick wurde mit Hannibal Lecter verglichen, weil er neben anderen Verbrechen auch Kannibalismus gestanden hat. Das Erstaunlichste an dieser Persönlichkeit ist jedoch das Ende der Geschichte.
Thomas Quick - der schwedische Hannibal Lecter

Letzte Aktualisierung: 09. März 2021

Die Wahrheit übertrifft in vielen Fällen die Fiktion. Wahre Geschichten sind oft erstaunlich und aus verschiedenen Gründen halten viele Geschichten über Serienmörder für besonders faszinierend. Vor allem Persönlichkeiten, die abscheuliche Verbrechen begehen. Im Folgenden erzählen wir dir mehr über die Geschichte von Thomas Quick!

Thomas Quick ist bekannt als der Killer-Kannibale oder als der schwedische Hannibal Lecter. Der Hintergrund dieser Geschichte offenbart jedoch ein faszinierendes Rätsel, das über die begangenen Verbrechen hinausgeht.

Die Geschichte von Thomas Quick

Der Anfang

Die Geschichte von Thomas Quick hat drei Teile. Im Ersten heißt der Mann Sture Ragnar Bergwall. Er wurde 1950 in Schweden in einer tiefreligiösen und fundamentalistischen Familie geboren.

Bergwall war das schwarze Schaf der Familie. Zunächst einmal war er homosexuell, was für seine Eltern absolut unannehmbar war. Sie glaubten, dass seine Sexualität in direktem Gegensatz zu ihren religiösen Werten stand. Seine Eltern hielten die Homosexualität nicht nur für eine Sünde, sondern für ein Verbrechen. Infolgedessen lernte Bergwall, seine sexuellen Neigungen zu unterdrücken.

Alles nahm seinen Anfang mit …

Im Jahr 1991, als Sture Ragnar Bergwall 41 Jahre alt war, betrat er als Weihnachtsmann verkleidet eine Bank. Er versuchte so, die Bank auszurauben. Alles, was er bei sich hatte, war ein Messer. Er brauchte dringend das Geld, um sich Drogen zu kaufen, hatte jedoch keinen Erfolg. Die Polizei erwischte ihn und steckte ihn ins Gefängnis.

Während der Ermittlungen verwickelte Bergwall seinen damals besten Freund in das Verbrechen und dieser wurde ebenfalls festgenommen. Daraufhin wandten sich fast alle, die er kannte, von Bergwall ab und er war praktisch allein. Später beantragte er die Verlegung in eine psychiatrische Anstalt und die Gefängnisleitung entsprach seinem Wunsch.

Warum tat er das? Nun, er glaubte wohl, dass es dort einfacher wäre an die psychoaktiven Drogen zu gelangen, die er normalerweise nahm. In der Klinik traf er auf eine Gruppe von Psychiatern unter der Leitung der berühmten Psychotherapeutin Margi Norell, die den kriminellen Verstand studierten.

Thomas Quick, eine neue Person

Als Bergwall in die psychiatrische Klinik eingeliefert wurde, begann die zweite Hälfte seiner Geschichte. Bislang hatte er immer behauptet, sich nicht an seine Verbrechen erinnern zu können. Als er jedoch in der Klinik ankam und eine Psychotherapie begann, fing er plötzlich an, über all die Verbrechen zu sprechen, die er begangen hatte.

Bergwall behauptete, er habe seinen ersten Mord im Alter von 14 Jahren begangen. Das Opfer sei ein junger Mann namens Thomas Blomgren gewesen. Er sagte weiters aus, dass er danach anfing, sich Thomas zu nennen, als Hommage an die Person, die er vergewaltigt und getötet hatte. Später begann er, den Nachnamen “Quick” zu benutzen, das war der Mädchenname seiner Mutter. So wurde Thomas Quick geboren.

Insgesamt gestand er 38 Morde. Viele davon beinhalteten Vergewaltigungen, Zerstückelungen sowie Verstümmelungen und Kannibalismus. Obgleich die Psychiater entsetzt waren, faszinierten seine Geschichten sie jedoch auch. Er war der perfekte Prototyp eines Serienmörders und eine ideale Gelegenheit, ihre Forschung voranzutreiben.

Thomas Quick, der schwedische Hannibal Lecter

Als die Presse Wind von der Geschichte bekam, stürzte sie sich darauf. Die Zeitungen druckten mehrere Seiten über Quick und seine Verbrechen. Niemand konnte glauben, wie ein so böser Mann so viele Jahre lang unbemerkt bleiben konnte. Die Leute waren entsetzt und begannen, ihn den schwedischen Hannibal Lecter zu nennen, nach der Hauptfigur des Films “Das Schweigen der Lämmer“.

Thomas Quick war mit der Schilderung aller Details seiner Verbrechen sehr großzügig. Die Polizei wurde eingeschaltet und Quick half mit Informationen darüber, wo er seine Opfer vergraben hatte. Als die Polizei jedoch diese Orte untersuchte, fand sie nichts und man begann zu vermuten, dass Bergwall nur ein Spiel spielte.

Während des anschließenden Prozesses sprach Thomas Quick über ein Mädchen, das er 1988 ermordet hatte. Er sagte, er habe ihr mit einem Stein den Schädel eingeschlagen und nannte der Polizei auch den Ort, wo der Mord stattgefunden habe. Als die Polizei den Ort durchsuchte, fand sie tatsächlich ein Knochenstück. Endlich gab es einen Beweis. Die Geschworenen befanden Quick im Prozess für dieses und sieben weitere Verbrechen für schuldig.

Bergwall hält einen Vortag

Ein unerwartetes Ende

Der letzte Teil dieser Geschichte ist jedoch der interessanteste und überraschendste. Alles begann, als die Journalisten Hannes Rastam und Jenny Kuttim begannen, den Fall näher zu untersuchen. Es gab eine Menge Ungereimtheiten, denn viele der Teile der Geschichte passten einfach nicht zu Quicks Erzählung. Beispielsweise bestritten die Eltern eines der Opfer, dass Quick ihren Sohn getötet hätte, denn sie hätten vor einiger Zeit einen anderen Verdächtigen identifiziert.

Das Gleiche geschah mit einigen der anderen angeblichen Morde. Es gab große Löcher und Quicks Geschichten passten einfach nicht zusammen. Daraufhin gruben die Journalisten tiefer und kamen zu dem schockierenden Ergebnis: Es gab absolut keine Beweise, die Quick belasteten. Der berühmte Knochensplitter, den die Polizei gefunden hatte, war nur ein Stück Holz und Plastik.

Die Reporter besuchten Thomas Quick mehrmals und versuchten, ihn zur Wahrheit zu überreden. Schließlich gestand er, dass er die ganze Geschichte nur erfunden hatte. Er täuschte die Psychiater und die Polizei, um Aufmerksamkeit sowie Privilegien und verschreibungspflichtige Medikamente zu bekommen. Dieser Fall ist wohl einer der größten und aufsehenerregendsten Fehler in Schwedens Geschichte. Quick wurde schließlich von allen Anklagen entlastet.

Das ist einer dieser Fälle, bei denen die Wahrheit so unglaublich ist, dass die Geschichte einfach verfilmt werden musste. Sie wurde in The Confessions of Thomas Quick 2015 veröffentlicht, stieß jedoch auf gemischte Kritiken. Ob du den Film nun gut findest oder nicht, ist es dennoch schwer zu glauben, dass eine Person für solch abscheuliche Verbrechen freiwillig die Verantwortung übernimmt.

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  • Oiharbide, M. H., Lasa, N. B., & Manterola, A. G. THOMAS QUICK: CASO DE CONSTRUCCIÓN DE UN ASESINO EN SERIE.