Der Ursprung des Todes in der japanischen Mythologie

3. Mai 2019

Der Ursprung des Todes laut der japanischen Mythologie ist in einer kuriosen Legende über die Entstehung Japans beschrieben. Trotz des Einflusses der chinesischen Zivilisation ist ein wesentlicher Teil der japanischen Religion und Kultur einzigartig und verschieden von dem, woran man auf dem Festland glaubt. Darüber hinaus umfasst die japanische Mythologie shintoistische und buddhistische Traditionen sowie weitverbreitete Überzeugungen aus der ländlichen Bevölkerung.

Konventionelle japanische Mythen basieren auf Kojiki und Nihon Shoki. Kojiki bedeutet wörtlich „Aufzeichnung alter Dinge“ und ist das älteste Buch über Mythen, Legenden und die Geschichte Japans. Nihon Shoki ist das zweitälteste Geschichtsbuch Japans und erzählt von den verschiedenen Taten der Gottheiten.

In diesem Artikel untersuchen wir anhand dieser wunderbaren Legende den Ursprung des Todes gemäß der japanischen Mythologie.

„Der Tod ist nicht das Gegenteil vom Leben, sondern ein Teil davon.“

Haruki Murakami

Die Legende von der Entstehung Japans

Zu Beginn der Zeit schufen die ersten japanischen Götter zwei göttliche Wesen: einen Mann mit Namen Izanagi und eine Frau mit Namen Izanami. Diese Ahnengottheiten haben sie mit der Mission betraut, ein wundervolles Land zu schaffen.

Japanische Architektur vor See

Jahre später, als sie die Mission beendet hatten, entschieden sie sich dazu, Nachwuchs in diese Welt zu setzen. Die acht großen japanischen Inseln gingen aus der Vereinigung dieser beiden Götter hervor. In der neuen Welt herrschte lange Zeit Harmonie. Die Gottheiten lebten mit ihren zahlreichen Kindern zusammen, bis Izanami den Feuergott Kagutsuchi gebar. Nach einer sehr komplizierten Geburt verstarb Izanami.

Das Königreich von Yomi

Izanagi hatte sehr gelitten, als Izanami starb. Anstatt ihren Leichnam auf dem Berg Hiba, dem legendären Berg in der Nähe von Izumo, zu begraben, beschloss er, seine Geliebte im Königreich Yomi, dem Land der Toten, zu suchen.

Izanagi brach in das Land der Finsternis auf und machte sich auf die Suche nach seiner geliebten Frau. Alle Dämonen, auf die er traf, warnten ihn, dass Izanami niemals zurückkommen könnte. Mit anderen Worten, sie sagten ihm, dass sie nicht in das Land der Lebenden zurückkehren könne, wenn sie bereits von der Yomi-Frucht gekostet hätte.

Nach vielen Monaten der Not und des Leidens fand Izanagi seine Frau schließlich an einem Ort, an dem totale Dunkelheit herrschte. Die einzige Bedingung, die die Götter der Unterwelt stellte, damit Izanagi seine Frau sprechen dürfe, war, dass er diese nicht ansehe. Izanagi willigte ein und trat vor seine Frau.

Ein tragisches Schicksal

Diese erklärte ihm, dass es zu spät sei: Sie hätte bereits von der Frucht der Unterwelt gekostet. Sie sagte ihm, dass sie nicht mit ihm zurückgehen könne. Sie wollte jedoch versuchen, die Yomi-Herrscher davon zu überzeugen, dass sie zurückkehren dürfe.

Schließlich konnte Izanagi der Versuchung nicht länger widerstehen. So zündete er eine kleine Flamme an und blickt Izanami an. Damit brach Izanagi das Gesetz, störte die Harmonie der Dunkelheit. Er musste sodann auf die Leiche seiner Frau blicken.

Izanagi floh in Panik, während seine Gattin ihn beschuldigte, sie beschämt zu haben. Sie verfolgte ihn im gesamten Yomi-Reich und versuchte, ihn ebenfalls zu töten. Nach einer langen Verfolgungsjagd durchbohrte Izanami den Körper ihres Mannes mit einem Speer und fügte ihm somit schwere Wunden zu.

Der Vater der Schöpfung lief weiter und rannte, bis er eine frische Brise von außerhalb verspürte. Trotz seiner Wunden erreichte er das Reich der Lebenden. Mit der letzten Kraft, die ihm verblieben war, versiegelte er den dünnen Spalt, der beide Welten seitdem voneinander trennt. Aus der Unterwelt rief Izanami ihren noch Mann an, sie dürfe jetzt doch in das Reich der Lebenden eintreten. Aber nach allem, was er gerade erlebt hatte, war Izinagi völlig verängstigt. Er reagierte nicht auf ihr Flehen.

Die Göttin drohte ihm dann, jeden Tag tausend Menschen zu töten. Daraufhin antwortete Izanagi: „Dann werde ich jeden Tag 1500 anderen Wesen das Leben geben.“

So breitete sich der Tod auf der Erde aus.

Der Ursprung des Todes nach der japanischen Mythologie

Tunnel ins Ungewissen

Die japanische Kultur betrachtet den Tod als etwas Schmutziges. Daher hält man es für notwendig, die verstorbene Person zu reinigen, zu parfümieren, zu kleiden und vorzubereiten, damit ihre Seele in die Welt jenseits der unseren gelangen kann.