„Es tut mir leid“ – ein kleiner, aber wichtiger Satz für jede Familiendynamik

· 1. Juni 2018

Kinder lernen, sich zu entschuldigen, wenn sie ihre Eltern sagen hören: „Es tut mir leid.“  Doch nicht alle Eltern sind dazu in der Lage, bei ihren eigenen Kindern um Verzeihung zu bitten, wenn es eine Situation erfordert, wenn die Umstände danach verlangen. Wir vergessen häufig, dass genau diese Grundlage die besten, glücklichsten und respektvollsten Bindungen erschafft.

Was in vielen Familien vernachlässigt wird, ist die Kommunikation. Oftmals sind wir uns nicht darüber im Klaren, wie vielen versteckten Codes und ungeschriebenen Regeln wir folgen, welchen psychischen Einfluss wir durch unsere Art der Kommunikation, durch das, was wir tun und sagen, und noch mehr durch das, was wir nicht sagen, nehmen.

Wenn du Fehler machst, dann zeige, dass du demütig bist und „Es tut mir leid, ich habe mich geirrt“ sagen und den Mut aufbringen kannst, zu äußern, dass du es wieder in Ordnung bringen wirst.

Ist die Art und Weise, mit der wir interagieren, ausschlaggebend dafür, ob in unserem familiären Umfeld Harmonie oder umgekehrt Unglück vorherrscht? Über diese Frage sollten wir auf jeden Fall nachdenken. Ganz egal, welche Dynamik gegeben ist, ist es eine Tatsache, dass wir alle Fehler machen und uns entschuldigen müssen. Das Wissen darum, wann man „Es tut mir leid“  sagen muss, zeugt darüber hinaus von emotionaler Intelligenz.

Diese Dynamik, diese gesunde und bindungsfördernde Praktik, ist gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil der Erziehung unserer Kinder. So vermitteln wir Kindern ein Wertesystem, durch das sie den Menschen als Wesen schätzen, ihn als fehlbar, aber trotzdem als würdig betrachten, um Vergebung zu bitten, damit er sein Verhalten verbessern und seine Bindungen schützen kann.

Zeichnung eines kleinen Mädchens

„Es tut mir leid“: Essenzielle Worte für ein funktionierendes Zusammenleben

Wir alle machen Fehler, das ist eine Tatsache, und es gibt auch heute niemanden, der auf diese Welt kommt und immun gegen Fehler, Irrtümer oder Missverständnisse wäre. Somit ist auch niemand gefeit davor, Fehler in der Erziehung zu machen, sich unangemessen zu verhalten, nicht die richtige Sichtweise zu haben oder etwas bzw. jemanden zu vernachlässigen. Der Knackpunkt ist nicht, wie viele Fehler wir in Bezug auf unsere Kinder machen, sondern die Art und Weise, mit der wir im Nachhinein mit diesen Situationen umgehen.

Einen Fehler ausfindig zu machen, die Verantwortung dafür zu übernehmen und „Es tut mir leid“  zu einem Kind zu sagen, ist ebenfalls Teil der Erziehung. Unsere Haltung als Erwachsene ist nicht immer zugänglich für oder begünstigt solche Gesten, so als hätten Eltern Angst davor, mit dem Mythos der Unfehlbarkeit vor ihren Kindern zu brechen. Denn, wenn wir von unseren Kindern immer wieder verlangen, dass sie lernen, sich zu entschuldigen, sollten wir doch selbst auch so handeln, oder nicht? Auch wenn damit das Risiko einhergeht, an Autorität zu verlieren und diskreditiert zu werden.

So nehmen es viele Mütter und Väter zumindest an: der Vater, der seine Kinder mit unglaublichen Versprechungen bei Laune hält, die er später nicht einhält; die Mutter, die ihr Kind wegen irgendeiner unsinnigen Kleinigkeit anschreit, weil sie in diesem Moment nicht dazu in der Lage ist, mit der Angst fertig zu werden, die sie wegen ihrer Arbeit hat, aber nicht am Arbeitsplatz lassen kann.

Löffel in verschiedenen Größen mit Gesichtern

Zu sagen, „Es tut mir leid“  ist für jegliches Zusammenleben essenziell und der richtige Weg, wenn ein Problem auftaucht, für das wir als Erwachsene verantwortlich sind. Nur wenige Taten zeugen von so viel Empathie und verdeutlichen dem anderen, was die Regeln des Zusammenlebens sind. Regeln, die Groß und Klein zum Wohle aller befolgen müssen.

Lernen, eine Familie zu sein

Viele von uns sagen jeden Tag sehr häufig wegen banaler Dinge „Es tut mir leid“.  Wir entschuldigen uns, wenn wir mit jemandem zusammenstoßen, wenn wir vergessen, anderen den Sitz im Bus anzubieten oder einem Klassenkameraden oder Arbeitskollegen dieses Buch mitzubringen, um das er uns schon letzte Woche gebeten hat. Natürlich ist es wichtig, diese Kunst in den kleinen Situationen des Alltags in die Tat umzusetzen, gleichzeitig ist es aber auch fundamental, das gegenüber den Menschen zu tun, die uns am nächsten stehen und die wir am meisten lieben.

Weil wir diese Menschen nicht jeden Tag sehen oder weil sie sind, wer sie sind, nämlich Partner, Kinder, Eltern, Geschwister, gehen wir einfach davon aus, dass sie uns immer verzeihen würden. Doch um Liebe, Zuneigung und Fürsorge muss man sich kümmern und man muss an ihnen arbeiten. Zu lernen, sagen zu können, „Es tut mir leid“,  bedeutet, eine Familie zu sein, ein Umfeld zu schaffen, in dem die glücklichsten Kinder aufwachsen, umgeben von den richtigen Werten.

Nachfolgend möchten wir uns die größten daraus resultierenden Vorteile ansehen.

Familie lacht und tanzt zusammen daheim

Unsere Kinder um Vergebung bitten: ein Schritt, der große Vorteile mit sich bringt

  • Zu unseren Kindern „Es tut mir leid“ zu sagen, hilft uns dabei, in unserem Alltag konzentrierter zu sein. In unserem alltäglichen Stress können wir mehr in der Gegenwart leben und den dringenden Bedürfnissen unserer Kinder besser nachkommen, wenn wir uns darüber im Klaren sind, dass wir auch Fehler machen.
  • Ebenfalls ist es empfehlenswert, Folgendes zu verstehen: Ein Kind um Verzeihung zu bitten, ist kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil, es zeugt von Reife und Verantwortungsbewusstsein.
  • Den bei unseren Kindern gemachten Fehler anzuerkennen, hilft darüber hinaus, zu vermeiden, dass sich eine Situation verschlimmert und sie uns langsam misstrauen.
  • In Beziehungen, in denen wir Erwachsene dazu in der Lage sind, uns zu entschuldigen und unsere Kinder um Vergebung zu bitten, lernen beide Seiten etwas Wertvolles. Wir als Erwachsene sind nicht unfehlbar und machen Fehler, das liegt in unserer DNA. Wenn wir das verstehen, können wir als Menschen wachsen.

Etwas, dass jede Familie zweifellos verstehen muss – wenn sie in Harmonie und glücklich miteinander wachsen will – ist die Tatsache, dass sich entschuldigen zu können, ein psychologisches Werkzeug ist, das allen guttut. Wir sollten uns ohne Angst und Widerwillen entschuldigen, weil wir dadurch eine unschätzbar wertvolle Möglichkeit bekommen, und zwar die, uns besser zu verstehen.