Theorie der rationalen Entscheidung: Entscheiden wir immer logisch?

25. Juni 2019
Die Theorie der rationalen Entscheidung geht davon aus, dass wir alle unsere Entscheidungen auf der Grundlage von Selbstsucht treffen. Erfahrt mehr darüber in unserem Artikel!

Die Theorie der rationalen Entscheidung (Englisch: Rational Choice Theory) stammt aus der Ökonomie. Mit dieser Theorie wurde versucht, unseren Entscheidungsprozess zu erklären.

Später wurde diese Theorie in anderen Disziplinen wie Psychologie und Soziologie aufgegriffen. Auch für diese Disziplinen war es interessant, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum wir einige Dinge anderen vorziehen.

Nach der Theorie der rationalen Entscheidung wählen Menschen Dinge immer auf der Grundlage des größten Nutzens und der geringsten Kosten aus. Dies gilt in finanziellen Angelegenheiten genauso wie in anderen Bereichen des Lebens. Mit anderen Worten, Menschen sind grundsätzlich egoistisch.

Eine weiterer große Komponente dieser Theorie wird schon in ihrem Namen verwendet: Rationalität. Angeblich ist dies der Antrieb für die meisten unserer Entscheidungen.

Unsere Entscheidungen stimmen mit unseren persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen überein. Dies bedeutet, dass wir von selbst logisch handeln, um Bedürfnisse und Wünsche zu decken.

Die Ursprünge der Theorie der rationalen Entscheidung

Die Ursprünge dieser Theorie liegen in der USA in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie war schon immer eng mit der Politik verflochten. Dies ergab sich aus der Tatsache, dass Menschen versuchten, die Idee zu verteidigen, dass der Kapitalismus der menschlichen Natur am nächsten liegt.

Ein System, in dem jeder für sich kämpft und sich selbst der Nächste ist. Das wollte diese Theorie zunächst beweisen.

Menschen helfen sich über einen Abgrund - ist dies eine egoistische Entscheidung?

Viele Forscher und Wissenschaftler haben an dieser Theorie gearbeitet. Aber besonders Kenneth Arrow zeichnete sich durch seine Arbeit aus und erhielt dafür sogar den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften im Jahr 1972.

Arrow wollte beweisen, dass es kein „kollektives Interesse“ gibt. Denn er war überzeugt davon, dass alle Interessen letztendlich egoistisch sind.

Da das übergeordnete Ziel darin bestand, menschliches Verhalten zu erklären, erregte diese Theorie schnell die Aufmerksamkeit in anderen wissenschaftlichen Disziplinen. Gerade die Psychologie und Soziologie interessierten sich für die Fragestellung, die diese Theorie aufwarf. Trotzdem wurde die Theorie auch in diesen Disziplinen scharf angegriffen.

Die Rationalität unserer Entscheidungen

Nach der Theorie der rationalen Entscheidung besteht die Logik aller Entscheidungen darin, den größten Nutzen zu den geringsten Kosten zu erzielen.

Aber wenn wir ehrlich sind, ist das nur die Logik der Wirtschaft: mit der kleinsten möglichen Investition das meiste Geld zu verdienen.  Aber warum sollte etwas irrational sein, nur weil es nicht dieser Logik entspricht?

Diese Theorie besagt auch, dass Gesellschaften Gruppen von Menschen sind, die um eine begrenzte Menge von Gütern kämpfen. Aus diesem Grund denken wir zuerst an uns. Das heiß, wir denken immer an unsere Interessen und nur an unsere Interessen, wenn wir Entscheidungen treffen.

Aber nicht alle Gesellschaften in der Geschichte hatten beziehungsweise haben eine solche Grundlage.

theorie der rationalen Entscheidung. Menschen auf einer Waage.

Grundsätzlich besagt die Theorie der rationalen Entscheidung, dass Rationalität die Basis ist, auf der wir unsere Entscheidungen treffen. Und diese Rationalität hindert uns daran, eine Wahl zu treffen, die unseren eigenen Interessen schadet, aber zum Wohle unserer Mitmenschen wäre. Laut dieser Theorie ist alles, was nicht egoistisch ist, irrational.

Kollektive Vorstellungskraft und Rationalität

Aber es gibt keinen Beweis dafür, dass die menschliche Natur nur egoistische Interessen verfolgt. Tatsächlich ist die menschliche Zivilisation nur möglich, weil wir solidarisch miteinander sind. Wenn wir nicht unsere Interessen hinten anstellen könnten, hätten wir niemals eine Gesellschaft aufbauen können.

Mit anderen Worten: Es scheint, als ob es Kräfte in uns gibt, die uns egoistisch handeln lassen, aber auch das Wohl anderer Menschen ins Zentrum rücken. Wir wissen auch, dass Menschen Entscheidungen treffen, die darauf beruhen, welche Informationen sie zum Zeitpunkt der Entscheidung haben. Das ist nicht sehr rational.

Wenn uns beispielsweise jemand mitteilt, dass bestimmte Ressourcen knapp sind oder ein geringeres Risiko besteht, etwas Bestimmtes zu tun, wählen wir wahrscheinlich diese Option. Aber dies bedeutet nicht, dass das, was uns diese Person erzählt hat, tatsächlich wahr ist.

Die Theorie der rationalen Entscheidung versucht zu erklären, auf welchen Grundlagen wir Entscheidungen treffen.

In der Psychologie gibt es viele Theorien, die davon ausgehen, dass Menschen höchst irrational sind. Sie besagen auch, dass diese Irrationalität unser Verhalten prägt.

Das bedeutet, dass wir nicht jede einzelne unserer Entscheidungen als rational bezeichnen können, die aus egoistischen Motiven heraus gefällt wurde.

Ob wir eine bestimmte Wahl als vorteilhaft ansehen oder nicht, hängt stark von den vermeintlichen Verlusten und Gewinnen ab. Letztendlich entscheiden wir in Situationen nicht immer rational.