Sylvain Timsits 10 Strategien zur Manipulation durch Medien

· 6. Mai 2019

Die Medien können die öffentliche Meinung prägen und durchaus in die eine oder andere Richtung lenken. Jene Medien, die Nachrichten verbreiten, haben dazu beigetragen, soziale Bewegungen anzuregen oder zu zerstören, sie haben versteckte Finanzkrisen aufgedeckt oder Öl ins Feuer ideologisch aufgeheizter Debatten gegossen. Es gibt viele verschiedene Studien und Theorien zum Einfluss der Medien.

Eine dieser Untersuchungen, die sich mit den Strategien der Manipulation durch Medien beschäftigt, stammt vom französischen Autor Sylvain Timsit. Dieser hat gezeigt, wie die Medien psychosoziale Instrumente einsetzen, um die Öffentlichkeit von dem abzulenken, was wirklich zählt. Seiner Meinung nach können die Medien die öffentliche Meinung manipulieren, indem sie die wirklichen Probleme herunterspielen. Dabei werde oft das Ziel verfolgt, die Gesellschaft unterwürfig und weniger kritisch zu stimmen. Ob die dargelegten Hypothesen jedoch zutreffen, bleibt nach wie vor umstritten. Bilde dir doch selbst eine Meinung, nachdem du diesen Artikel gelesen hast.

10 Strategien der Manipulation durch Medien

1. Die Strategie der Ablenkung

Dies ist eines der grundlegendsten Elemente der Manipulation durch Medien. Zum Einsatz kommt es immer dann, wenn die Medien versuchen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von eigentlich wichtigen Themen abzulenken.

Die Medien bombardieren die Öffentlichkeit mit Informationen über Belangloses oder längst abgeschlossene Themen, sodass sie sich nicht für wesentliche Fragen zu Politik, Soziales, Wirtschaft oder Kultur interessieren. Die Idee ist, den Blick der Menschen von diesen Problemen fernzuhalten und ihn auf Dinge zu lenken, die eigentlich kaum eine Rolle spielen. Auf diese Weise bleibt die Öffentlichkeit auf Kleinigkeiten fokussiert und nimmt sich weder Raum noch Zeit zum Nachdenken.

Die entscheidende Frage bei der Bewertung von Artikel und Medien insgesamt ist deshalb, ob es sich um unabhängige Qualitätsmedien handelt, oder politisch ausgerichtete Medien, wie sie zu Propagandazwecken genutzt und in vielen Ländern der Welt sogar vom Staat unterhalten werden.

Ein Mann starrt auf einen Bildschirm und wird einer Gehirnwäsche unterzogen.

2. Erschaffe Probleme und biete passende Lösungen dafür an

Diese Strategie besteht darin, ein Problem zu erzeugen und zu beschreiben, das die Öffentlichkeit auf eine bestimmte Weise reagieren lässt, und dann eine passende „Lösung“ gleich nachzuliefern. Diese Lösung wird von den Bürgern dann leichter akzeptiert oder sogar verlangt und ist nicht selten jene, welche die Autoren des Beitrags von Anfang an durchsetzen wollten.

Schauen wir uns dazu ein Beispiel an: Wenn Kriminalität in den Fokus gerückt und die eigentlich zurückgehende Kriminalitätsstatistik künstlich aufgebauscht wird, lassen sich Einschränkungen der Freiheitsrechte des Individuums eher durchsetzen.

3. Die Strategie der kleinen Schritte

Das Ziel hierbei ist es, die Öffentlichkeit dazu zu bringen, Maßnahmen zu akzeptieren, die zunächst inakzeptabel erscheinen. Doch durch die Verabreichung in kleinen Portionen, werden sie schrittweise akzeptiert. Dies kann sogar über mehrere Jahre geschehen. Einige Leute glauben, dass radikale sozioökonomische Strategien wie der Neoliberalismus in den 1980er und 1990er Jahren von dieser Strategie Gebrauch gemacht hätten. Langsam aber sicher seien immer mehr Industriezweige privatisiert worden und die Arbeitsplatzsicherheit habe abgenommen.

4. Verschiebung in die Zukunft

Eine andere Möglichkeit, die Menschen dazu zu bringen, eine unpopuläre Idee zu akzeptieren, besteht darin, sie als etwas Schmerzliches darzustellen, das jedoch in der Zukunft notwendig sei. Es ist viel einfacher für uns, ein zukünftiges Opfer anzunehmen als ein unmittelbares Opfer, weil wir im Hier und Jetzt nicht betroffen sind. Diese Strategie gibt der Gesellschaft also Zeit, sich an die Idee der Veränderung zu gewöhnen und sie, wenn die Zeit kommt, weniger widerwillig zu akzeptieren.

5. Mit der Öffentlichkeit von oben herab sprechen

Die meiste Werbung verwendet eine Art kindgerechte Sprache und ebensolche Argumente, Symbole und Intonationen. Es wird so dargestellt, als ob die Zuschauer nicht reif genug wären oder bestimmte Ideen nicht verstehen könnten. In der Werbung wird dies gemacht, um möglichst alle Bildungsschichten erreichen zu können. Übertragen auf die Medien steckt jedoch die Idee dahinter, dass das Publikum auf eine ebenso kindliche Art und Weise reagieren soll. Besonders effektiv und häufig ist diese Strategie jedoch nicht.

Mann, der eine Rede hält

6. Appell an die Emotionen der Menschen

Die emotionale Seite der Menschen anzusprechen, ist eine klassische Strategie, um sie davon abzuhalten, Situationen rational zu analysieren. Das Ansprechen der Gefühle der Zuhörer und Leser manipuliert außerdem deren instinktives Verhalten, das in der Regel auf Verlangen oder Angst basiert. Ein typisches Beispiel hierfür ist das sogenannte Kindchenschema.

7. Die Menschen im Dunkeln halten

Eine andere Strategie zur Manipulation durch Medien besteht darin, sicherzustellen, dass die Öffentlichkeit die Maßnahmen, die zu ihrer Kontrolle eingesetzt werden, gar nicht erst versteht. Um dies zu erreichen, könnten die individuellen Rechte beschnitten werden. Es kann auch zu Budgetkürzungen in den Bereichen Bildung, Presse- und Vereinswesen kommen. Diese Art der Manipulation wird jedoch nur in Ländern angewendet, die eine enge Verflechtung von Medien und nicht demokratischer Regierung aufweisen. Sie kommt daher heute in Europa nur noch selten vor – an den Beispielen Ungarn und Türkei sehen wir jedoch, dass wir auch hier nicht vor einer solchen Entwicklung gefeit sind.

8. Die Öffentlichkeit dazu bringen, sich mit dem Mittelmaß zu begnügen

Die Idee hinter dieser Strategie ist, den Glauben daran zu fördern, dass es gut sei, eine ungebildete, nicht intellektuelle Person zu sein. Als klassisches Beispiel dafür dienen besonders religiöse Gemeinschaften, in denen sowohl Politik als auch Medien sich eine fromme Bevölkerung wünschen und diese als Ideal immer wieder predigen.

9. Selbstbeschuldigung verstärken

Diese Strategie besteht im Unterschied zur vorherigen darin, den Einzelnen glauben zu lassen, dass er der Einzige wäre, der für sein Unglück verantwortlich wäre. Für ihn würde es nicht gut laufen, weil er nicht intelligent genug wäre, nicht über ausreichende Fähigkeiten verfügen oder nicht hart genug arbeiten würde. Auf diese Weise beschuldigt er sich selbst, anstatt gegen das System zu rebellieren.

Selbstbeschuldigung ist eine Strategie zur Manipulation durch Medien

10. Kenne die Individuen besser, als sie es selbst tun

Diese letzte Strategie basiert auf der Entwicklung eines Systems, das es den Behörden ermöglicht, Einzelpersonen besser zu kennen, als die Menschen selbst es tun. Dies kann durch den Einsatz von Biologie, Neurowissenschaften und Psychologie erreicht werden. Das Stichwort hier lautet Überwachungsstaat. Diese Strategie ist sehr effektiv für die Kontrolle der Massen und wird derzeit in China angewendet.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass wir von diesen Strategien zur Manipulation durch Medien lernen können. Wir sollten darüber nachdenken, wie sehr wir uns von den Medien beeinflussen lassen und von welchen. Wie wollen wir reagieren, wenn wir diese Beeinflussung erkennen? Auch wenn die Gefahr einer politisch gewollten Manipulation durch die Medien hierzulande wesentlich geringer ist als in anderen Staaten, ist es dennoch gut, über mögliche Strategien Bescheid zu wissen. Auch hier werden sie angewendet und bringen zumindest Teilerfolge.