Sozialkompetenzen: Welche sind das und wie entwickeln wir sie?

· 22. Januar 2019

Manche Menschen verstehen Sozialkompetenzen als wichtige, positive Eigenschaften. Worum geht es aber bei dieser Art von Kompetenzen? Nun, diese Fähigkeiten sind im Wesentlichen auf die Arbeitswelt ausgerichtet. Das Gegenteil zu diesen „weichen Fähigkeiten“ (vom Englischen „soft skills“) sind die sogenannten Fachkompetenzen („hard skills“).

Fachkompetenzen beziehen sich auf formal erworbenes Wissen. Es handelt sich um das Wissen, das wir während unserer Ausbildung an bestimmten Instituten gewonnen haben. Diese Fähigkeiten können mit einem Titel oder Diplom zertifiziert werden.

„Was für Erfolg, Charakter, Glück und lebenslange Leistung wirklich wichtig ist, sind bestimmte emotionale Fähigkeiten – unser EQ – und nicht nur rein kognitive Fähigkeiten, die mit herkömmlichen IQ-Tests gemessen werden.“

Daniel Goleman

Um das Erlernte in die Praxis umzusetzen, setzen wir allerdings Sozialkompetenzen ein. Das heißt, Sozialkompetenzen sind nicht das, was wir in unserer formalen Ausbildung erlernen. Sondern sie sind das, was wir durch Übung, Erfahrung und Reflexion erwerben. Diese Fähigkeiten hängen eng mit unseren Einstellungen, Werten und allem anderen zusammen, was während unserer Arbeit ins Spiel kommt.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einer entspannten Unterhaltung im Büro

Sozialkompetenzen sind in

Immer mehr Unternehmen reden über Sozialkompetenzen. Deswegen messen viele der renommiertesten Firmen diesen Fähigkeiten bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter große Bedeutung bei. Denn viele Firmen sind überzeugt, dass das, was für das Arbeitsumfeld und die Produktivität wirklich wichtig ist, Sozialkompetenzen seien, und nicht unbedingt intellektuelle Fähigkeiten.

Aus diesem Grund werden Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit in Personalabteilungen großgeschrieben. Beide sind wichtig, um Konflikte zu vermeiden bzw. angemessen mit ihnen umzugehen. Denn Arbeitsgruppen, in denen jeder nur an sich denkt, sind schlecht für das Arbeitsklima. Ähnliches geschieht, wenn persönliche Interessen und Missverständnisse täglich Konflikte verursachen.

Sozialkompetenzen schließen auch Werte ein. Die am meisten gesuchten Werte auf dem Arbeitsmarkt sind Ehrlichkeit, Verantwortung und Engagement. Denn ein Bewerber mit großem Talent ist wertlos, wenn er keinen Einsatz zeigt. Deswegen ist es für Unternehmen wichtig, auf Menschen zählen zu können, die sich mit Elan in den Arbeitsalltag einbringen.

Ebenso wichtig ist Kreativität. Die Fähigkeit, Probleme zu lösen und innovative Ideen zu entwickeln, ist in der Arbeitswelt von unschätzbarem Wert.

Eine Fallstudie

LinkedIn, ein soziales Netzwerk für Leute im Beruf und Arbeitssuchende, hat in verschiedenen Unternehmen zu diesem Thema recherchiert. Die entsprechende Studie hatte zum Ziel, herauszufinden, wie wichtig Personalabteilungen Sozial- im Vergleich zu Fachkompetenzen waren.Umrisse von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, über denen das LinkedIn-Logo schwebt

Die Ergebnisse dieser Studie, in der 291 Personaldirektoren befragt wurden, bestätigte Hypothesen aus der Arbeitspsychologie. Eines der ersten Ergebnisse war, dass viele Unternehmen keinerlei Probleme hatten, fachlich kompetente Kandidaten zu finden. Doch es war viel schwieriger für diese Firmen, Kandidaten mit gut entwickelten Sozialkompetenzen zu finden. Die Sozialkompetenzen, die man dabei am meisten schätzte, waren Kommunikation, Organisation, Teamwork, Pünktlichkeit, kritisches Denken, Geselligkeit, Kreativität, Anpassungsfähigkeit und Freundlichkeit.

Die für die Mitarbeiterauswahl Verantwortlichen beschrieben erhebliche Schwierigkeiten, Personen mit einer höheren Bildung und eben diesen Fähigkeiten zu finden. „Sie haben entweder das eine oder das andere“,  sagte einer der Befragten. Dies spiegelt die Tatsache wider, dass formale Bildung dem Intellekt eines Menschen mehr Bedeutung zumisst als der Persönlichkeit.

Sozialkompetenzen sind entscheidend

Die Studie ergab auch, dass in einigen Berufszweigen besonders viele Menschen mit guten Sozialkompetenzen zu finden sind. Dies gilt besonders für die Bereiche Bildung, Gesundheit, Sport, Beratung, Marketing und Tourismus.Eine Frau spielt am Meer Geige.

Interessanterweise sind Sozialkompetenzen in anderen Berufen schwerer zu finden, zum Beispiel in Kunst, Musik, Fotografie und Strafverfolgung. Das ist erstaunlich, denn theoretisch erfordern Bereiche wie Kunst und Strafverfolgung mehr Einfühlungsvermögen und Vorstellungskraft. Die Studie besagt aber, dass es gerade in diesen Arbeitsfeldern schwieriger sei, Kandidaten zu finden, die Wissen und soziale Fähigkeiten mit Arbeitswerten kombinierten.

Schließlich ergab die Studie, dass es vielen Arbeitern an emotionaler Intelligenz fehle. Von ihnen werde der IQ als viel wichtiger eingestuft, obwohl andere Qualitäten ebenfalls gefragt seien. Dies gelte insbesondere für Teamarbeit. Aber die gute Nachricht ist, dass wir die in der Arbeitswelt so wichtigen Sozialkompetenzen erlernen können. Es lohnt sich, denn sie können uns zum Erfolg verhelfen.