Wie eine erfolgreiche Kommunikation laut Paul Watzlawick aussieht

· 17. November 2018

Paul Watzlawick war ein österreichischer Psychologe und Forscher, der fünf Axiome für eine erfolgreiche Kommunikation entwarf. Er gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Theoretiker, was die Kommunikation anbelangt. Darüber hinaus leistete er große Beiträge zur Psychotherapie im Rahmen der Familientherapie.

1967 begann Paul Watzlawick damit, auf dem Themengebiet der erfolgreichen Kommunikation zu arbeiten. Er war überzeugt, dass dieser Aspekt von grundlegender Bedeutung für das Verständnis und die Verbesserung der menschlichen Beziehungen sei, insbesondere auf familiärer Ebene. Zu dieser Zeit entstanden seine fünf Axiome, auch bekannt als die „Theorie der menschlichen Kommunikation“.

„Der Glaube daran, dass die eigene Sicht der Realität die einzige Realität sei, ist die gefährlichste aller Wahnvorstellungen.“

Paul Watzlawick

Paul Watzlawick war auch ein äußerst eifriger Schriftsteller, der 18 Bücher und etwa 150 wissenschaftliche Artikel veröffentlichte. Er entwickelte seine Forschungen am Mental Research Institute der University of Palo Alto (Kalifornien, USA) und erhielt außerdem einen Lehrauftrag im Fachbereich Psychiatrie an der Stanford University (Kalifornien, USA).

Nachfolgend erklären wir seine fünf Axiome sowie die Grundprinzipien einer erfolgreichen Kommunikation.

Es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren

Dem ersten von Watzlawicks Axiomen nach, sei es unmöglich, nicht zu kommunizieren. Und tatsächlich, jeder Mensch kommuniziert von Geburt an. Es ist unumgänglich. Selbst wenn der Mensch nicht spricht, teilt sein Körper doch immer etwas mit: Der Blick, der Gesichtsausdruck und die Körperhaltung sind stets offene Kommunikationskanäle unserer Gedanken. Selbst Stille oder Zurückhaltung vermitteln in gewisser Weise eine Botschaft. Deshalb ist die Kommunikation etwas inhärent Menschliches.

Menschen kommunizieren in einer Stadt

Inhalt, Beziehung und Interpunktion

Watzlawicks zweites Axiom beschreibt, dass jede Kommunikation auf zwei Ebenen stattfinde, einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt habe. Mit anderen Worten erhält eine Botschaft ihre Bedeutung durch das, was gesagt wird, aber auch durch die bestehende Verbindung zwischen den beiden kommunizierenden Personen. Jemanden „blöd“ zu nennen, kann eine Beleidigung, ein Witz oder sogar ein Ausdruck von Zuneigung sein. Das hängt alles vom Kontext ab.

Das dritte Axiom bezieht sich auf die Interpunktion, d. h. darauf, dass die Kommunikation zwischen zwei Personen fließt oder Pausen gesetzt werden. Die Interpunktion trägt zweifellos dazu bei, die Botschaft zu gestalten und den Austausch, der mithilfe der Kommunikation stattfindet, zu verändern oder zu erweitern.

Analog und digital – symmetrisch und komplementär

Watzlawicks viertes Axiom besagt, dass es zwei grundlegende Arten der Kommunikation gebe: die digitale oder verbale und die analoge oder nonverbale Kommunikation. Deshalb hat nicht nur das Gesagte Einfluss auf das Gegenüber, sondern auch die Art und Weise, wie es gesagt wird. Erst beides zusammen ergibt eine vollständige Botschaft.

Zwei Menschen sind durch einen Faden miteinander verbunden

Das fünfte Axiom steht dafür, dass unsere Kommunikation symmetrisch oder komplementär sein kann. Ein symmetrischer Kommunikationsablauf entsteht zwischen Menschen, deren Beziehung auf Gleichheit beruht. Die komplementäre, vertikale Kommunikation hingegen findet zwischen Menschen statt, deren Beziehung auf Unterschiedlichkeit basiert.

Eine erfolgreiche Kommunikation

All diese Axiome erlaubten es Watzlawick, die Parameter für eine erfolgreiche Kommunikation festzulegen. Eine Kommunikation ist dann erfolgreich, wenn die Axiome richtig angewandt werden und die Gesprächspartner dazu in der Lage sind, sich auf jene Themen und Tonfälle einzustellen, die die Kommunikation in eine bestimmte Richtung lenken.

Man spricht insbesondere dann von einer erfolgreichen Kommunikation, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Der Verhaltenskodex ist angemessen. Die Botschaft wird durch Ausdrücke mitgeteilt oder manifestiert, die authentisch vermitteln, was gemeint ist. Eine Liebeserklärung wird nicht durch eine Gleichung vermittelt.
  • Änderungen im Verhaltenskodex innerhalb des Kommunikationskanals werden vermieden. Damit ist gemeint, dass ungenaue Ausdrücke, Wörter oder Gesten verhindert werden. Eine eindeutige Kommunikation ist das Ziel.
  • Die Situation des Empfängers wird berücksichtigt. Wenn wir etwas sagen, sollten wir die Eigenschaften und die Situation der Person bedenken, die unsere Botschaft empfangen wird. Mit einem Erwachsenen spricht man nicht auf die gleiche Weise wie mit einem Kind.
  • Die Ebene, auf der die Kommunikation stattfindet, wird analysiert. Der Kontext wird berücksichtigt. Das heißt, es geht darum, dass die Kommunikation zu der Situation, in der sie stattfindet, passt. Zum Beispiel sollten auf einer Beerdigung Witze natürlich vermieden werden.
  • Die Interpunktion in der Abfolge der Ereignisse ist gut definiert. Das bedeutet, dass die Kommunikation einem angemessenen Tempo folgt. Pausen wechseln sich mit den Manifestationen der einzelnen Beteiligten in einem angemessenen Tonfall ab.
  • Die digitale Kommunikation stimmt mit der analogen Kommunikation überein. Mit anderen Worten, die verbalen und die nonverbalen Sprachanteile sind ausgeglichen.
  • Der Kommunizierende hat jemanden vor sich, der empfänglich für seine Botschaft ist. Die Gesprächsteilnehmer wissen, was sie sagen können und auch wie sie zuhören.
Schwarz-Weiß-Foto von Paul Watzlawick

Watzlawick war der Meinung, dass die Kommunikation im Grunde genommen scheitere, wenn es den Menschen nicht gelinge, sich von ihrem eigenen Standpunkt zu entfernen, sobald sie sich mit anderen austauschen. In diesem Fall hört der Mensch nicht länger zu und es ist unmöglich, verständnisvoll zu sein.