Sons of Anarchy und die Kultur der Gewalt

· 13. Dezember 2018

Sons of Anarchy  ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die die Geschichte der Bikergruppe Samcro erzählt. Die Biker leben in Charming, einer kleinen Stadt in Nordkalifornien, die sie übernommen haben. Im Gegenzug für die Toleranz ihrer illegalen Aktivitäten bieten sie den dort lebenden Menschen Schutz und Ruhe. Die Bewohner können trotz der Rivalitäten mit anderen Bikerbanden ein Leben fernab von der Kriminalität um sie herum führen. Dies manifestiert sich in einer Art Gesellschaftsvertrag zwischen dem Club und den Bewohnern von Charming.

Der Motorradclub pflegt seit mehreren Jahren Beziehungen zur IRA und handelt mit deren Waffen. Obwohl Samcro zunächst eine legale Organisation und Möglichkeit zur Freizeitgestaltung war, entwickelte es sich langsam zu einer kriminellen Gruppe. Samcro enthüllt seine Geschichte im Laufe der Serie und hilft uns, die grundlegenden Werte jener Biker zu verstehen.

Die Anfänge des Motorradclubs

Die ersten Motoradclubs wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegründet, als die US-amerikanische Truppen in die Vereinigten Staaten zurückkehrten. Die gemeinsamen Erfahrungen der Kameraden in verschiedenen Armeedivisionen und die Einheit im Kampf prägten ihr Leben und ihre Sicht auf die Welt. Als der Krieg endete, wurde diese Einheit plötzlich aufgehoben. Viele von ihnen vermissten dieses Leben, ihr Alltag war ihnen unerträglich geworden.

Sie fühlten sich marginalisiert. Sie hatten Dinge gesehen, die niemand sonst erlebt hat und waren weiterhin eng miteinander verbunden. So suchten sie Zuflucht im Motorradclub, dessen Mitglieder sich selbst als nicht fit für die zivile Welt einstuften. Diese Männer sehnten sich nach einem neuen Platz in der Gesellschaft und lehnten ihn gleichzeitig ab. Sie bildeten den Motoradclub, um ihre Erfahrungen im Krieg noch einmal zu erleben und irgendwie auch aufzuarbeiten.

Szene aus "Sons of Anarchy"

Ihre Motorräder waren ursprünglich ein Transportmittel, das sich viele Männer wegen der niedrigen Kosten anschafften. Aber sie bildeten auch einen gemeinsamen Nenner und die Männer begannen, mehr Zeit miteinander zu verbringen – auf und neben den Motorrädern. Jeder, der Waffen- und Blutgefährte war, wurde zu Ausflügen, Spaziergängen und anderen Events eingeladen.

Nach den Unruhen in der Stadt Hollister in den 1950er Jahren entsagten einige dieser Fahrer dem traditionellen Bikerleben und bildeten die berühmten 1 %: Der American Biker Association hielten sich 99 % der Biker an die Regeln. Das lässt 1 % der Biker übrig, die mit den vorgeschriebenen sozialen Normen nicht einverstanden waren. Sie wurden zu den Gesetzeslosen.

Die Kultur der Gewalt in Sons of Anarchy

Gewalt scheint der Gesellschaft inhärent zu sein. Sie scheint ein soziales Phänomen zu sein, das von der Gruppe genutzt wird, um ihre Ideale anderen Gruppen aufzuzwingen. In diesem Sinne wird Gewalt als ein Mittel zur Problemlösung verstanden, das Verhaltensweisen aufrechterhält, die aggressives Verhalten befürworten. Aus diesem Grund nimmt der Grad der Gewalt stets zu. In der Serie ist leicht zu erkennen, dass jedes Mal mehr Aggressivität erforderlich ist, um die Kontrolle zu behalten.

Warum? Weil diese bisher „nicht so schwerwiegenden“ Verhaltensweisen eine unverhältnismäßig gewalttätige Reaktion hervorriefen. Das verursacht eine größere Repression in der anderen Gruppe, die mit einer noch gewalttätigeren Reaktion antwortet.

Ebenso ist Gewalt eine Manifestation der Auferlegung von Autorität. In einem hierarchischen System steht die Ehre des Einzelnen und der Gruppe über allem anderen. Der Präsident, der Leiter der Gruppe, muss den Club nicht nur führen, sondern ihn auch sozial einordnen. Er muss den Zusammenhalt der Mitglieder wahren und sicherstellen, dass die Regeln, die diesen Zusammenhalt schützen, eingehalten werden. Notfalls eben mit Gewalt.

Szene aus "Sons of Anarchy"

Die Bedeutung der Familie

Der Motorradclub basiert auf familiären Werten. Die Biker sind nicht nur Freunde oder Kameraden, sie sind Brüder. Als solche nehmen sie an der Sozialisation ihrer jeweiligen Kinder teil, die in einer prädisponierenden Umgebung geboren werden, um in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten.

Die Familie ist verantwortlich für die Erziehung der Sons of Anarchy und die Stärkung ihrer Ideale. Kinder gehen beispielsweise nicht zur Schule, weil sie nicht Teil dieser kranken Gesellschaft sein sollen. Die Werte oder Regeln, denen sie unterliegen, sind anders und schaffen einzigartige Konzepte und Ideen, die an ihre von Generation zu Generation übertragene Realität angepasst sind. Diese Einschränkung des Lernens, ohne eine Sozialisierung über die Familiengrenzen hinaus zuzulassen, verhindert, dass neue Generationen mehr Weitsicht erlangen.

Die Rolle der Frauen

Die Frauen bilden eine eigene Gruppe. Obwohl sie im Club sind, entfernen sie sich nicht von der traditionellen Rolle der Frau in der; sie sind Ehefrauen und Mütter. Auf diese Weise spiegelt Sons of Anarchy  diese Gewalt wider, die es schon immer gegenüber dem weiblichen Geschlecht gegeben hat.

Eine Frau muss Partnerin eines Clubmitglieds werden, um Teil von Samcro zu werden. Ansonsten sind Frauen einfach nur da, um die unmittelbaren Wünsche der Männer zu erfüllen, sollen denen ständig zur Verfügung stehen.

Die Frauen sind dennoch diejenigen, die die Gruppe harmonisieren. Sie haben in dieser Rolle viele Funktionen zu erfüllen. Samcro legt großen Wert auf die Beziehung der Frauen zu den Clubmitgliedern. Denn innerhalb dieses Familienkonzepts sind sie der Meinung, dass, wer nicht alles für den Club geben mag, es nicht verdient, dabei zu sein.

So versucht Sons of Anarchy,  den Lebensstil und die Werte aufzuzeigen, die viele Motorradclubs verbinden. Das Gefühl der Marginalisierung nach dem Krieg veranlasste sie einst, sich von der Gesellschaft zu lösen und sie zu leugnen. Sie haben ihre Motorräder zu ihrem Leben und zu dem gemacht, was ihnen Wert gibt. Ähnliche Gruppenstrukturen finden sich auch in anderen, häufig von konservativen Werten geprägten Vereinigungen und Organisationen.