Ich habe keine sozialen Fähigkeiten, was soll ich tun?

· 31. Mai 2017

Obwohl die „sozialen Fähigkeiten“ keine genaue Definition haben, spricht jeder von ihnen. Soziale Fähigkeiten sind eine Reihe von Verhaltensweisen, die uns helfen, mit anderen zu interagieren, und die wir größtenteils durch Imitation erlernen. Sie bestimmen, wie wir uns anderen Menschen gegenüber verhalten und können daran erkannt werden, wie wir uns in einer Versammlung verhalten oder wie wir ein Gespräch mit einer fremden Person beginnen.

Soziale Fähigkeiten stehen eng mit der Psychologie in Verbindung und können daher im Rahmen einer Therapie angegangen werden. Bevor man schlussfolgert, dass man keine sozialen Fähigkeiten habe, sollte man aber erst einmal richtig verstehen, worum es sich dabei handelt. Es gibt keinen Grund, so pessimistisch zu sein!

Was sind soziale Fähigkeiten?

Soziale Fähigkeiten werden in der Psychologie seit Jahrzehnten erforscht und analysiert. Dank dieser jahrelangen Studien können wir soziale Fähigkeiten nun in die folgenden Gruppen einteilen:

  1. Hier geht es um die grundlegendsten Fähigkeiten, z.B. zuhören, ein Gespräch beginnen und aufrechterhalten, sich bedanken, Fragen stellen, sich und andere vorstellen, einen Dialog führen, Empathie zeigen und Komplimente machen.
  2. Dies sind fortgeschrittene soziale Fähigkeiten wie Anweisungen geben und entgegennehmen, um Hilfe bitten, sich entschuldigen, teilnehmen, seine Meinung ausdrücken und andere überzeugen.
  3. Hierzu gehören Fähigkeiten, die mit unseren Gefühlen zu tun haben. Zu dieser Kategorie gehört es, die eigenen Gefühle zu erkennen und auszudrücken, die Gefühle anderer Personen zu verstehen, Zuneigung zu zeigen, mit dem Ärger anderer umzugehen, Ausgeglichenheit zu bewahren und Ängste zu überwinden.
  4. Diese Fähigkeiten beziehen sich auf die Selbstkontrolle und umfassen es, um Erlaubnis zu bitten, zu helfen, teilen, lieben, verhandeln, auf Witze zu reagieren, deine Rechte zu verteidigen, Probleme mit anderen und Streit zu vermeiden.
  5. In dieser letzten Gruppe geht es um Fähigkeiten, die einem dabei helfen, mit Stress umzugehen, wie etwa Beschwerden ausdrücken und auf solche zu reagieren, mit Verlegenheit umzugehen, Beeinflussungsversuchen zu widerstehen, mit Anschuldigungen und Versagen umzugehen, jemanden in Schutz zu nehmen, mit widersprüchlichen Botschaften zurechtzukommen, sich auf ein schwieriges Gespräch vorbereiten und mit Druck umzugehen.

Empathie und soziale Fähigkeiten

Hier sehen wir uns erneut mit einem Begriff konfrontiert, den wir nicht häufig verwenden, der aber Teil unseres täglichen Lebens ist. Bei der Empathie geht es darum, zu verstehen, was eine andere Person fühlt – unter ihren Umständen und aus ihrer Perspektive – und sich dementsprechend zu verhalten. Im Gegensatz zu dem, was viele glauben, geht es nicht darum, den anderen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte – denn zum Glück wünschen wir uns alle verschiedene Dinge.

Deine Fähigkeit zur Empathie hat nicht immer etwas damit zu tun, was dir beigebracht wurde. Sie ist auch kein Bestandteil deiner Persönlichkeit, den du von deinen Eltern geerbt hast. Es wird vermutet, dass Frauen empathischer als Männer sind, weil sie verstehen müssen, was ihre Kinder brauchen, wenn sie noch klein sind. Es scheint also, als hätten Frauen einen stärker entwickelten Sinn für Soziales, weil dies ein wichtiger Faktor in der natürlichen Selektion war.

Sich einer anderen Person gegenüber empathisch verhalten ist der erste Schritt, damit sie sich in der Interaktion wohlfühlt. Wenn du beginnst, dich empathischer zu verhalten, wirst du dich besser mit deinen Mitmenschen verstehen, überzeugender sein, ein besserer Zuhörer sein, motivierter sein, und besser verstehen, was mit anderen los ist.

Wie gut sind deine sozialen Fähigkeiten?

Aber jetzt Theorie beiseite und auf in die Praxis. Das ist der komplizierteste Teil, aber er lohnt sich. Versuche die folgenden Techniken anzuwenden, um deine sozialen Fähigkeiten zu verbessern:

  • Achte auf Tonfall, Haltung, Blick und auch das Schweigen deines Gegenübers. All diese Informationen stehen dir zu Verfügung. Es lohnt sich, zu lernen, wie du sie interpretieren kannst.
  • Stelle dir vor, was die andere Person motivieren könnte. Was denkst du, wie sie vorgehen würde, wenn sie ein Problem hätte?
  • Lasse die andere Person ihren Teil tun. Frage: „Wie geht es dir?“,  und lasse sie offen antworten. Zeige Interesse für das, was sie erzählt.
  • Ziehe keine Rückschlüsse. Vermeide Sätze wie „Dein Problem ist…“  oder „Dein Fehler war…“,  denn dann wird sich dein Gesprächspartner zurückziehen, weil er denkt, du willst ihm eine Lektion erteilen.
  • Formuliere deine Worte und Sätze so, dass dein Gegenüber sich verstanden fühlt. „Ich glaube, die Situation wirkt sich auf deine Laune aus“, „du hast wirklich jeden Grund, müde zu sein“,  usw.
  • Versetze dich in die Lage des anderen. Versuche, deine eigene Komfortzone für einen Moment zu verlassen und so zu denken, wie die Person, mit der du sprichst.

Wenn du deine sozialen Fähigkeiten verbesserst, wirst du bald merken, dass sich auch deine Beziehungen verbessern. Freue dich daran, wie bereichernd und üppig sie plötzlich werden. Das wird nicht nur deinen persönlichen Kreis erweitern, sondern dir auch bei der Arbeit helfen!