Bleibt dir die Luft weg, im Angesicht von Druck?

3. April 2017 en Psychologie 145 Geteilt

Manchmal kann dich ein einfacher Blick aus der Fassung bringen. Der Druck durch den Betreuer, den Lehrers, den Chef oder eine andere mächtige Person, die dich beobachtet, kann dir die Luft nehmen. Auf einmal beginnst du, alles sehr schlecht zu machen. Du lässt Dinge fallen, dein Kopf ist leer und du weißt nicht, wie du antworten sollst. Du zitterst.

Ebenso kann eine aggressive oder einschüchternde Nachricht genau diese Reaktion in dir auslösen. Wenn dir zum Beispiel eine Frage auf aggressive Art und Weise gestellt wird oder wenn etwas, was du getan hast, wieder und wieder und auf nicht konstruktive Art und Weise kritisiert wird. Und das hält dich davon ab, zu antworten, führt zu Unsicherheit und lähmt dich.

Ich hatte Angst vor verbalen Dolchen. Ich hatte Angst vor der Ruhe vor dem Sturm. Ich hatte Angst vor meinen eigenen Knochen. Ich hatte Angst vor deiner Verführung. Ich hatte Angst vor deiner Nötigung. Ich hatte Angst vor deiner Zurückweisung. Ich hatte Angst vor deinen Einschüchterungen. Ich hatte Angst vor deiner Bestrafung. Ich hatte Angst vor deinem eisigen Schweigen.

Alanis Morissette

Wenn du später darüber nachdenkst, was passiert ist, dann scheint es unvorstellbar, dass du als Erwachsener nicht dazu fähig warst, angebracht zu reagieren. Die Situation stört dich, füllt dich mit Wut und Frustration und am Ende gibst du dir die Schuld für das, was passiert ist. Wenn eine ähnliche Situation allerdings wieder auftritt, dann reagierst du genauso und der Zyklus beginnt von vorn.

Du erstickst unter Druck

Es gibt zwei Arten von Druck: Du kannst dich selbst unter Druck setzen, dann ist es interner Druck, oder unter Druck gesetzt werden, dann sprechen wir von externem Druck. Externer Druck ist also der, den wir eben beschrieben haben – wenn eine Person in einer Machtposition versucht, deine Worte oder Taten direkt zu beeinflussen.

Externer Druck ist auch, wenn jemand versucht, dich einzuschüchtern oder dich zu hemmen, weil er weiß, dass er einen starken Einfluss auf dich ausübt. Solche Menschen machen ihre Absichten aber meist nicht klar. Sie rechtfertigen ihre Handlungen mit dem Vorwand, eine bessere Qualität erreichen zu wollen, Zeit zu optimieren, deine Ausbildung zu verbessern, und so weiter. Damit diese Art von Druck erfolgreich sein kann, muss sie gleichzeitig mit internem Druck arbeiten. Die offensichtlichste Form von internem Druck ist das Verlangen danach, der Person mit Machtstellung zu gefallen. Das wird häufig in Form von Angst, die Erwartungen dieser Person nicht zu erfüllen, ausgedrückt.

Du wirst nervös, weil genau diese zwei Arten von Druck gemeinsam wirken. Das passiert innerhalb von Sekunden und du bist dir dessen nicht bewusst. Eine Forderung tritt schlichtweg auf, in Form eines Blickes, einer Frage oder eines Kommentars, und du kannst nicht angebracht reagieren. Du wirkst am Ende einfach wie ein Kind, das ausgeschimpft wurde, das weder die Erwartungen der anderen Person erfüllen kann, noch die Stärke hat zu antworten.

Es ist möglich, dass du in solchen Situationen einfach nur versuchst, zu gefallen. Während du deinen Stift fallen lässt und deine Hände zittern, legst du ein nervöses Lächeln auf und ohne zu wissen warum, gibst du schließlich zu, dass die Machtperson recht hat und entschuldigst dich für deine Ungeschicktheit. Oder du schweigst und beginnst einen Prozess der Selbstbestrafung in deinem Inneren.

Du erstickst, weil du eine Wunde hast, die noch nicht verheilt ist

Psychologische Grenzen sind keine „gemachten Defekte“. Sie sind ein Ergebnis von Unsicherheit oder ein Zeichen für Angst. Es gibt wahrscheinlich eines oder viele ungelöste Vorkommnisse aus der Vergangenheit, die dich davon überzeugen, dass du scheitern kannst, dass du scheitern wirst.

Eine mögliche Erklärung für diese Verwirrung im Angesicht von Druck ist, dass dein Leben in Umgebungen, in denen Verachtung, Erniedrigung und Abwertung präsent waren, stattgefunden hat. Deine Familie, deine Schule oder dein Ausbildungsbetrieb – vielleicht hast du hier viel Kritik erfahren. Oder du hast eine traumatische Erfahrung gemacht, die eine Spur zurückgelassen hat: der Verlust deiner Eltern, eine Krankheit, eine körperliche Beeinträchtigung oder Ähnliches.

Laut dieser Erklärung wirst du nervös und deine Kehle schnürt sich zusammen, wenn du dich wie das abhängige und ängstliche Kind fühlst, das du einst warst. Hinter all diesen mentalen Blockaden stecken zwei Dinge, nämlich Angst und Schuld.

Gibt es einen Ausweg? Natürlich gibt es den. Es kann tatsächlich eine faszinierende Reise sein, eine wundervolle Herausforderung, die du nutzen kannst, um zu wachsen. Du musst diesen Ort betreten, bevor dich jemand anders dorthin bringt. Warte nicht auf Umstände, die dich in eine Situation bringen, in der du dich gelähmt fühlst. Tu es selbst auf eine Art und Weise, sodass du genug Kontrolle über deine Umgebung behältst, sodass du die Situation Stück für Stück meistern kannst.

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