So formen unsere Eltern unsere Persönlichkeit

Jedes liebevolle Wort, jeder Schrei, jede freundliche Geste und jede aggressive Bemerkung prägt den Geist und die Persönlichkeit des Kindes.
So formen unsere Eltern unsere Persönlichkeit
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 01. Oktober 2022

Unsere Eltern formen unsere Persönlichkeit auf bedeutsame Weise, was faszinierend ist, jedoch auch verheerend sein kann. Schließlich kann das soziale Umfeld emotional nährend oder schädlich sein: Jedes gesprochene Wort, jede Geste, jedes Verhalten, jede Einstellung und jede Reaktion der Eltern prägt die kindliche Psyche.

Viele kämpfen noch im Erwachsenenleben mit Kindheitswunden, da sie narzisstische Eltern haben, in dysfunktionalen Familien aufwachsen oder ihre Bezugspersonen aggressiv sind.

Wie der Neurologe Boris Cyrulnik zu Recht feststellt, muss eine schlechte Kindheit jedoch nicht das Leben bestimmen. Liebe und Widerstandsfähigkeit ermöglichen es uns, zu heilen, zu reparieren und weiterzumachen. Wie dem auch sei, es ist immer interessant, etwas über die Dynamik in Erziehung und Bildung zu erfahren, die oft einen großen Einfluss auf die Entwicklung eines Menschen hat.

Eine Kindheit, die von mangelnder Zuneigung, Misstrauen oder Narzissmus geprägt ist, kann sich negativ auf eine zukünftige Paarbeziehung auswirken.

So formen unsere Eltern unsere Persönlichkeit
Der elterliche Einfluss wirkt sich direkt auf die psychosoziale Entwicklung der Kinder aus.

Wie unsere Eltern unsere Persönlichkeit prägen

Die Elternschaft bedeutet eine große Verantwortung. Viele bemühen sich, ihre Kinder bestmöglich zu erziehen, ihre Bedürfnisse zu erfüllen, ihre Ängste zu beruhigen, sie zu motivieren und ihnen ihre Liebe zu zeigen. Trotzdem gibt es immer Aspekte, die Eltern nicht bewusst sind. 

Wir dürfen nicht vergessen, dass es besonders wichtig ist, ein gutes Vorbild zu sein, denn Kinder ahmen ihre Bezugspersonen nach und lassen sich von ihnen inspirieren. Viele Kinder träumen davon, wie ihre Eltern zu sein: Sie bewundern ihre Freundlichkeit, ihre Aufopferung oder beruflichen Erfolge…

Wir betrachten anschließend verschiedene Situationen, um uns in die Frage zu vertiefen, wie unsere Eltern unsere Persönlichkeit prägen.

1. Wenn Eltern Emotionen nicht abwerten, sind Kinder glücklicher

“Weine nicht, du musst stark sein”, “Sei nicht traurig wegen dieses Unsinns”, “Du bist dumm, weil du so reagierst” Gefühlsabwertende Eltern boykottieren die psychosoziale Entwicklung ihrer Kinder. Sie überzeugen sie davon, dass ihre Gefühle und Bedürfnisse nicht wichtig sind. Die Kinder glauben, dass sie allein mit ihren Emotionen zurechtkommen müssen und verinnerlichen sie.

Dies hat allerdings Konsequenzen: Betroffene sind meistens nicht in der Lage, ihre Emotionen und Bedürfnisse richtig zu managen. In der Folge sind sie unglücklich und fühlen sich nicht wohl.

Kinder, die in einem Umfeld aufwachsen, in dem die emotionale Intelligenz gefördert wird, haben hingegen große Vorteile. Nichts ist so entscheidend, wie jede Emotion des Kindes zu validieren und es bei diesem entscheidenden Lernen zu begleiten.

2. Aggressive Kommunikation, Kinder mit höherem Risiko für Depressionen

Die Universität Pittsburgh führte eine Studie durch, die in der Zeitschrift Child development veröffentlicht wurde. Daraus geht hervor, dass die harte und autoritäre verbale Disziplinierung schwerwiegende Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung hat. Der Schreien in der Kommunikation sowie ständiges Drohen als Verhaltenskorrekturmittel kann zwei Folgen haben: in der Jugend entwickeln sich Verhaltensauffälligkeiten und das Risiko für depressive Störungen steigt.

3. Ängstliche und gestresste Eltern

Nicht selten sind die Eltern gestresst und ständig beschäftigt. Sie wollen nicht gestört werden, haben kaum Zeit zum Spielen und hören nicht zu. Außerdem verlieren sie schnell die Geduld und sind geistig abwesend. Diese Realität hat ebenfalls einschneidende Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder. Sie erhalten von den wichtigsten Personen in ihrem Leben nicht die Aufmerksamkeit, die sie benötigen.

4. Mütter mit höherer Bildung, engagiertere Kinder

Gebildete Eltern sind im Normalfall vorteilhaft für die Kinder, vor allem was die akademische Laufbahn anbelangt. Studien der Universität Michigan haben beispielsweise gezeigt, dass Kinder von Teenager-Müttern größere Schwierigkeiten mit ihren schulischen Leistungen haben. Kinder von Müttern mit Hochschulbildung erreichen meistens ein höheres Bildungsniveau.

5. Eltern, die ihren Kindern Verantwortung übertragen

Unsere Eltern prägen unsere Persönlichkeit auch durch die Übertragung von Verantwortung. Wenn sie überbehütend sind und ihren Kindern alle Verantwortungen abnehmen, tun sich die Kinder im Erwachsenenalter schwer, selbstständig zu werden.

Erziehen die Eltern jedoch verantwortungsbewusste und unabhängige Menschen, indem sie ihnen altersgerechte Aufgaben zuweisen, sind die Kinder besser für die Zukunft vorbereitet.

Ein Kind braucht ein harmonisches Umfeld, Zuneigung und Unterstützung von seinen Eltern, um sich zu einem verantwortungsbewussten Erwachsenen zu entwickeln.

6. Paare, die sich nicht lieben und vor ihren Kindern streiten

Es gibt Paare, die sich trotz mangelnder Liebe nicht dafür entscheiden, ihre Beziehung zu beenden. Sie tun dies für das vermeintliche Wohl der Kinder, aus Angst vor dem Auseinanderbrechen einer Familie und den damit verbundenen Konsequenzen. Doch nur wenige Realitäten sind verheerender als das Aufwachsen in einem Zuhause, das von mangelnder elterlicher Zuneigung durchdrungen ist.

Kinder entwickeln sich in einem Umfeld, das von Vorwürfen, Streit und ständigen Spannungen geprägt ist. Ihre Modelle für eine Beziehung werden von Eltern geliefert, die sich anschreien und verachten. Diese Dynamik verändert auch die Persönlichkeit der Kinder und kann ein Trauma hinterlassen.

wie uns unsere Eltern prägen
Eltern, die jederzeit vertrauensvoll und liebevoll mit ihren Kindern sprechen, sind sehr bereichernd.

7. Eltern, die Respekt und Vertrauen lehren

Es gibt nur wenige Geschenke, die schöner sind, als Eltern, mit denen man über alles reden kann. In einer Familie aufzuwachsen, die von Vertrauen, Komplizenschaft, Sinn für Humor und Nähe geprägt ist, ist eine unschätzbare Unterstützung. So entsteht ein echtes Zuhause, in dem Verständnis vorherrscht.

Das Vertrauen spielt eine bedeutende Rolle: Der Respekt, die bedingungslose Liebe und der Blick, der dich immer willkommen heißt, sollte jedes Kind erleben.

Das könnte dich ebenfalls interessieren...
Konkurrenz oder Kooperation: Was ist in der Erziehung wichtiger?
Gedankenwelt
Lies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Konkurrenz oder Kooperation: Was ist in der Erziehung wichtiger?

Was ist besser, um Kindern etwas beizubringen: Konkurrenzdenken, um Ziele zu erreichen, oder Kooperation und gegenseitige Hilfe?



  • Tang, Sandra & Davis-Kean, Pamela & Chen, Meichu & Sexton, Holly. (2014). Adolescent Pregnancy’s Intergenerational Effects: Does an Adolescent Mother’s Education Have Consequences for Her Children’s Achievement?. Journal of Research on Adolescence. 26. 10.1111/jora.12182.
  • Wang MT, Kenny S. Longitudinal links between fathers’ and mothers’ harsh verbal discipline and adolescents’ conduct problems and depressive symptoms. Child Dev. 2014 May-Jun;85(3):908-923. doi: 10.1111/cdev.12143. Epub 2013 Sep 3. PMID: 24001259; PMCID: PMC3875601.

Die Inhalte von Gedankenwelt dienen ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Sie sind kein Ersatz für eine professionelle Diagnose, Beratung oder Behandlung. Wenn Sie Bedenken oder Fragen haben, konsultieren Sie am besten einen Fachmann Ihres Vertrauens.