Sigmund Freuds Erbe an die Neurowissenschaften

9. Juli 2019
Der berühmte Wiener Psychoanalytiker war in vielerlei Hinsicht ein Pionier und zeigte sehr deutlich, dass ein großer Teil unserer mentalen Prozesse unbewusst vor sich geht. Er brauchte keine Magnetresonanz, um zu erkennen, dass unser Verstand ein immenses und fast unbekanntes Potenzial hat.

Das Erbe von Sigmund Freud an die Neurowissenschaft ist heute gültiger als je zuvor. Der berühmte Wiener Psychoanalytiker war in vielerlei Hinsicht ein Pionier und zeigte sehr deutlich, dass ein großer Teil unserer mentalen Prozesse unbewusst vor sich geht. Er brauchte keine Magnetresonanz, um zu erkennen, dass unser Verstand ein immenses und fast unbekanntes Potenzial hat.

In der heuten Zeit leben wir in einem Kontext, den viele Wissenschaftler als „Neurokultur“ bezeichnet haben. Der Begriff „Neuro“ geht bereits aus einer Vielzahl von Forschungsgebieten hervor, die fast wie durch Zauberei entstanden sind. Wir haben das Neuromarketing, die Neurodidaktik, die Neurokreativität, die Neuroökonomie und so weiter. Wenn dies also der Fall ist, liegt das an einer Tatsache, die immer noch höchst interessant ist.

Die meisten der Wissenschaften haben bereits verstanden, dass alles, was der Mensch ist und tut, Teil dieses sensationellen Organs ist. Wenn wir dieses besser kennenlernen, erfahren, auf welche Art und Weise es funktioniert, wie es Informationen verarbeitet und wie es auf seine Umgebung reagiert, können wir auch unser eigenes Verhalten immer besser verstehen.

Mit den Worten von Fernando Vidal, einem Professor für Soziologie an der Universität von Barcelona, ausgedrückt, haben die Menschen kein Gehirn, sie „existieren“ aus dem Gehirn heraus.

Aus diesem Grund erkennen angesehene Neurologen, so wie David Eagleman, heutzutage diese Grundlagen, die Sigmund Freud zu seiner Zeit mit seinen Theorien und Studien belegt hat, dankend an. Sein Erbe ist somit lebendiger als je zuvor.

„Der Geist ist wie ein Eisberg, er schwebt mit einem Siebtel seines Volumens über dem Wasser.“

Sigmund Freud

Profil eines Mannes mit transparentem Gehirn

Das Erbe von Sigmund Freud an die Neurowissenschaft

Das Erbe von Sigmund Freud an die Neurowissenschaft wird als unbewusst bezeichnet. Eric Kandel, Neurologe und Nobelpreisträger für Medizin, schrieb in seinem Buch The Age of Insight (2012), dass wir dem Vater der Psychoanalyse heute eigentlich noch viel mehr schulden, als uns bewusst ist. Nun sollte hierzu angemerkt werden, dass auch viele seiner Theorien heutzutage bereits überholt wurden.

Zum Beispiel ist man sich heute darüber einig, dass seine Beiträge im Bereich der Sexualität in der heutigen Zeit nicht mehr angemessen sind. Viele der Pathologien, von denen er damals sprach (man erinnere sich an die weibliche Hysterie), sind derzeit nicht mehr von Bedeutung. Alles, was jedoch mit den mentalen Prozessen und dem revolutionären Konzept des Unbewussten zu tun hat, ist ohne Zweifel immer noch so aktuell wie früher.

Daher ist es notwendig, die Auswirkungen, die viele seiner Aussagen auf dem Gebiet der Wissenschaft hatten (und immer noch haben), etwas näher zu betrachten.

Der missverstandene Wiener Zauberer

Sigmund Freud erhielt zu seiner Zeit ständige Kritik an seinen innovativen Theorien. Er war jener Mann, der es wagte, Träume zu deuten. Er erhob sich wie diese Gestalt, die die Bedeutung des Unbewussten entdeckte und einen Weg öffnen wollte, um dieses Universum zu erreichen, das tief im menschlichen Verstand verborgen ist.

Nun, wie er auch selbst einmal sagte, wird jede revolutionäre Theorie normalerweise in ihren Anfängen gebilligt. In einem seiner Tagebücher schrieb er, dass es im Laufe der Geschichte (seiner Meinung nach) drei Ungerechtigkeiten gegeben habe:

  • Die erste war jene mit Kopernikus, da man ihm nicht geglaubt hat, dass sich die Erde um die Sonne dreht.
  • Die zweite bezieht sich auf Charles Darwin. Viele griffen ihn an, als er seine Evolutionstheorie darlegte.
  • Und die dritte war schließlich er selbst, da er, nachdem er gezeigt hatte, dass „der Mensch nicht einmal sein eigenes Haus besaß“ (aufgrund der Kontrolle des Unbewussten über das Bewusstsein), von seinen eigenen Kollegen den Spitznamen „der Zauberer“ erhielt.
Ein Gemälde von Sigmund Freud

Die Aussagen von Sigmund Freud sind aktueller denn je

Neurologen wie David Eagleman und Erik Kandel verteidigen das Erbe von Sigmund Freud für die Neurowissenschaften. Seine Aussagen sind aus verschiedenen Gründen heute stärker gültig, als je zuvor.

  • Wir wissen, dass der Großteil unseres seelischen Lebens, einschließlich des emotionalen Lebens, in den meisten Fällen vollkommen unbewusst ist.
  • Die Art und Weise, wie wir Entscheidungen treffen und unsere Realität um uns herum aufbauen, basiert oft auf unbewussten Handlungen.
  • Unsere Instinkte, so wie etwa Hunger, Durst oder sogar aggressives Verhalten entgehen auch häufig unserer Kontrolle.
  • Ein weiterer Aspekt, der uns zu Freud geführt hat, ist, dass auch psychische Erkrankungen ein Teil des Kontinuums sind. Das bedeutet, dass wir alle dafür anfällig sind, irgendwann einen psychologischen Zustand zu erleiden. Der Geist kann von einem völlig normalen Zustand zu einem höchst veränderten Extrem übergehen.

Den Geist beruhigen, ganz ohne die Notwendigkeit von Medikamenten

Als Sigmund Freud seine Patienten bat, sich auf ein Sofa zu legen, um die Probleme ihrer Kindheit herauszufinden, entdeckte er die Struktur des Geistes. Zur gleichen Zeit hatte er jedoch noch ein anderes Ziel: den Geist zu beruhigen und zu heilen.

Patricia Churchland, eine Psychologien an der Universtität von Kalifornien, und Daniel Dennet von der Universität in Massachusetts, weisen darauf hin, dass das Erbe von Freud an die Neurowissenschaft aus mehreren Gründen von immenser Bedeutung ist. Er verschrieb keine Medikamente. Er nutzte einzig und allein die Sprachtherapie. Die Psychoanalyse brauchte Zeit, in der sich der Therapeut nach und nach in die tiefen Labyrinthe der menschlichen Psyche graben konnte.

Er identifizierte Abwehrmechanismen, Antriebe, Traumata, verborgene Bedürfnisse, Mängel und Ängste, die eine begrenzende Wirkung haben. Diesen ganzen Schlamm, der in den mentalen Tiefen unseres Bewusstseins sitzt, zu entfernen, erzeugt Erleichterung und ein Gefühl der Befreiung. Das Fehlen von chemischen Mitteln war nicht immer etwas Schlechtes.

Bild eines Mannes, aus dessen Kopf Vögel fliegen

Um mit dem Thema abzuschließen lässt sich sagen, dass die Forschung des Gehirns ohne Zweifel einer der wichtigsten Bereiche unserer Gegenwart ist. Daher ist es von umso größerer Bedeutung, das Erbe von Sigmund Freud für die Neurowissenschaften zu akzeptieren. Es war dieser erste Funke, der es uns ermöglicht hat, den Treibstoff für eine spannende Reise zu entzünden, die gerade erst begonnen hat.

Er war einer der Wegbereiter, um zu verstehen, wer wir sind und welches enorme Potenzial uns dank dieses sensationellen Organs zur Verfügung steht.

  • Talvitie, Vesa (2009) Neurociencia cognitiva e inconsciente freudiana: de las fantasías inconscientes a los algoritmos neuronales. Routledge
  • Kandel, Eric (2012) The Age of Insight. Random House