Selbstwertgefühl: Die Macht der Freundschaft mit sich selbst

· 13. März 2016

Das Selbstwertgefühl ist die Säule, auf der unser Wohlbefinden und unser emotionales Wachstum aufbauen. Die Art, wie wir uns in der Beziehung zu uns selbst fühlen, berührt alle anderen Aspekte unseres Lebens: Das heißt, es hängt davon ab, wie sehr wir uns selbst wertschätzen, wie wir auf der Arbeit, in der Liebe, beim Sex, in der Familie funktionieren.

Es gibt im Prinzip kein einziges psychologisches Problem, das man nicht mit einem Mangel an Selbstwertgefühl in Verbindung bringen kann. Dies ist deshalb so, weil es kein wichtigeres Urteil gibt, dem wir im Verlauf unseres Lebens unterliegen, als unserem eigenen.

Wir brauchen das Selbstwertgefühl, um ein erfülltes Leben führen zu können. Jeder von uns ist eine exklusive und begrenzte Ausgabe, wir müssen uns jedoch kennenlernen, um uns dies zu glauben und den Unterschied zu anderen auszumachen.
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Lernen, sich zu akzeptieren und zu mögen

Der Prozess zur Verbesserung des Selbstwertgefühls beginnt damit, dass wir herausfinden, wo unsere Zone der Selbstniederlage liegt, da wir in dieser gefangen gehalten sind. Ein geringes Selbstwertgefühl zu überwinden ist ein Prozess, der große persönliche Mühe verlangt und für den man sich selbst tief analysieren muss.

Ein positives Selbstwertgefühl ist das Gefühl, die Erfahrung und die Überzeugung, dass wir zum Leben fähig sind. So ist unser Gehirn ein Grundwerkzeug des Überlebens, eine zentrale Säule eines gesunden Selbstwertgefühls. Wenn man mit klarem Bewusstsein darüber lebt, dann wird man mit der Zeit ein angemessenes Niveau der Selbstkenntnis über die eigenen Taten erreichen.

1. Selbstakzeptanz

Wenn wir uns selbst voll akzeptieren, dann verwerfen wir automatisch die Möglichkeit, auch nur irgendeinen Aspekt von uns zu verneinen oder nicht wertzuschätzen: unsere Gedanken, unsere Emotionen, unsere Erinnerungen, unser Aussehen, unser Charakter, unsere Persönlichkeit.

Durch Akzeptanz verwerfen wir auch die Möglichkeit, gegen uns selbst zu kämpfen. Das heißt, dass wir den Mut und die Tapferkeit entwickeln, wir selbst zu sein, ganz ohne Abstriche. Deshalb kann unser Selbstwertgefühl auch nicht größer sein als unsere Selbstakzeptanz.

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2. Uns nach unseren Werten beurteilen

Um unser Selbstwertgefühl zu beschützen, sollten wir unser Verhalten auf angemessene Weise bewerten können. Dafür sollten wir zunächst die Sicherheit haben, dass die Parameter, nach denen wir uns beurteilen, unsere eigenen und nicht die anderer sind.

Manchmal bewerten wir uns auf eine Weise, zu der wir uns verpflichtet fühlen, auch wenn wir gar nicht damit einverstanden sind. In diesem Sinne sollten wir darüber nachdenken, wie wir unsere Taten bewerten. Wir sollten ehrlich und verständnisvoll sein und den Kontext und die Umstände unseres Verhaltens einbeziehen, als auch die Alternativen, die wir als erreichbar erachten.

3. Beseitige die Schuld

In den Fragen, in denen wir uns berechtigterweise für etwas schuldig fühlen, sollten wir Schritte unternehmen, um diese Schuld wiedergutzumachen, denn es macht keinen Sinn, dass sie uns durch ständiges Leiden limitiert.

4. Erkenne die Existenz von Unterpersönlichkeiten an

Es ist wichtig, dass wir zu uns selbst ehrlich sind und dass wir die Existenz von „Unterpersönlichkeiten“ anerkennen. Das heißt, wir sollten sowohl unser inneres Kind kennen als auch diese Person, die wir eines Tages waren und die wir heute ablehnen. Auf diese Weise fangen wir an, uns vollständig und integriert und nicht gespalten wahrzunehmen.

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5. Aktiv leben

Die Verantwortung für unsere Taten, unser Gefühl und unser Wohlbefinden anzunehmen macht uns unserer eigenen Existenz bewusst. Die Unabhängigkeit und die Produktivität sind grundlegende Tugenden des Selbstwertgefühls, deshalb ist Arbeit eine Form, um Selbstverantwortung zu zeigen.

6. Selbstvertrauen und Selbstachtung

Selbstvertrauen und Selbstachtung kann man nur erhalten, indem man selbst authentisch ist. Wir müssen den Mut haben, der zu sein, der wir sind und die Kohärenz zwischen dem aufrechterhalten, was wir denken, fühlen, tun und wie wir mir der Welt in Verbindung treten. Wir können uns nicht der Unterwelt dessen ausliefern, was nicht gesagt und nicht erlebt worden ist.

7. Unterstütze das Selbstwertgefühl anderer

Es ist nötig, andere mit Respekt, Wohlwollen und gutem Willen zu behandeln, um unserem eigenen Selbstwertgefühl zu helfen. Durch die Hilfe machen wir uns bewusst, wie wichtig es ist, dass wir uns erlauben, unserem eigenen Rhythmus zu folgen.

8. Wir müssen mit der Selbstaufopferung aufhören

Wir sollten akzeptieren, dass wir nicht leben, um andere zu bedienen, was auch andersherum gilt. Die Selbstaufopferung hilft unserem Selbstwertgefühl nicht und es bedarf eines gewissen Mutes, um auf anständige Weise egoistisch zu sein.

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Ein Gesicht, das weniger lieb schaut, aber dafür um so notwendiger für die Veränderung ist

Wie wir sehen, bringt die Erhöhung unseres Selbstwertgefühls Belohnungen, verlangt aber auch von uns, gewisse Herausforderungen anzugehen. In welchem Moment des Lebens wir uns auch befinden, kann es passieren, dass wir die „Bequemlichkeit“ des Gewohnten verlassen, um unsere Komfortzone aufzugeben und die unbekannte Welt zu entdecken.

In jedem Fall kann es passieren, dass wir plötzlich unseren Partner nicht mehr lieben, uns unsere Arbeit keinen Spaß mehr macht oder unsere Freunde sich daran stören, dass sich unsere Interessen verändert haben.

Dies kann uns natürlich zum Nachdenken bringen, dazu dass wir uns daran gewöhnen, wie wir uns fühlen, obwohl es uns nicht gefällt. Es macht uns Angst, uns selbst nicht wiederzuerkennen. Deshalb warnen wir, dass es bei jedem Wachstumsprozess sehr wichtig ist, einen gewissen Grad an Desorientierung zu tolerieren. Wir sollten dazu bereit sein „die Unsicherheit und Verwirrung auszuhalten“ bis wir ein neues Gefühl für Normalität entwickelt haben.

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Selbstbestrafung ist niemals eine Option für ein befriedigendes Leben, auch wenn wir uns noch so sehr daran gewöhnt haben. Deshalb sollten wir uns anstrengen, ein neues Konzept von uns selbst zu schaffen, was einen tiefen Prozess der Neuanpassung mit sich bringt.

Die anderen werden aufhören müssen, sich auf gewisse Art zu verhalten, während wir uns bewusst darüber sein müssen, dass sie auch dazu bestimmt sind, diesen Prozess der Neuanpassung mitzugehen. Wahrscheinlich werden sie versuchen, uns dahingehend zu manipulieren, dass wir zu unserem alten Selbstkonzept zurückfinden, weshalb wir stark sein müssen.

Die Verbesserung unseres Selbstwertgefühls impliziert definitiv einen Entwicklungsprozess internen und externen Widerstandes, der unangenehm sein kann, der aber auf der anderen Seite völlig unvermeidbar ist, um einen dauerhaften Wandel zu erreichen.

Ein gutes Selbstwertgefühl verändert die Dinge, denn wenn wir einmal genau wissen, was sich in unserem Leben verändern wird, dann können wir uns voll für die Durchführung dieser Reise einsetzen und wir werden entdecken, dass die Realität mit einem Leben viel schöner sein kann.

Buchquelle: Nathaniel Branden – Die 6 Säulen des Selbstwertgefühls.