Bei Null anfangen – ohne dabei anderen zu schaden?

22. Januar 2016 en Emotionen 277 Geteilt

„Um dein Leben äußerlich zu verändern, musst du dich im Inneren ändern. Der Moment, in dem du dich darauf vorbereitest, dich zu verändern, ist verblüffend, denn das Universum wird dir helfen und dir zur Verfügung stellen, was du brauchst.“

Louse Hay

Sich aufmachen, ohne eine Adresse zurückzulassen… eine idyllische Vorstellung?

Tausende von Menschen entscheiden sich jährlich dazu, ihr Leben zu verändern, ihre Heimat hinter sich zu lassen und von ihrer Familie Abstand zu nehmen. Andere sind sich nicht sicher, ob sie es tun sollen oder nicht, wegen ihrer Verpflichtungen, der Angst vor dem Unbekannten oder vor der existenziellen Leere.

Was bewegt jemanden dazu, zu verschwinden? Wie bauen sich diese Menschen ein neues Leben auf, ohne ihrer Vergangenheit zu entkommen? Welche Konsequenzen hat es, die Menschen im gewohnten Umfeld zurückzulassen?

Auch wenn die Vorstellung alles hinzuschmeißen und bei Null anfangen zu können für manche Menschen, die sich in einer sehr schwierigen Lebenslage befinden, sehr attraktiv sein kann, ist es in Wirklichkeit verdammt schwer, sich ein ganz neues Leben unter komplett neuen Bedingungen aufzubauen.

Sich für radikale Veränderungen zu entscheiden, ohne zuerst die eigene Geschichte und Persönlichkeit aufzuarbeiten, wird einzig das Gefühl des Abdriftens verstärken und zur Wiederholung der gleichen Verhaltensmuster führen, die in der Vergangenheit zu Unglück geführt haben.

Die häufigsten Gründe, wegen derer Menschen die Entscheidung treffen, alle Zelte ihrer Vergangenheit abzubrechen, sind:

  • Angst vor Verbindlichkeit.
  • Zu viel Verantwortung (selbst übernommen oder auferlegt).
  • Das Gefühl, ein sinnfreies Leben zu führen.
  • Sich mit sich selbst nicht wohlzufühlen.
  • Traumatisierende Erlebnisse.
  • Familiäre Schwierigkeiten.
  • Finanzielle Schwierigkeiten.
  • Wieder zu sich selbst finden zu wollen.
  • Nicht funktionierende Liebesbeziehungen hinter sich lassen zu wollen.
  • Sich auf seine Gefühle besinnen zu wollen.
  • Der Wunsch nach beruflicher Weiterentwicklung.
  • Die Kontrolle über ihr Leben wiedergewinnen zu wollen.
  • Die Suche nach Anonymität, um sich von Etiketten zu befreien.

Frau mit Sonnenbrille

Sein Leben verändern, ohne alles über den Haufen zu werfen

„Die größte Entdeckung meiner Generation ist, dass ein Mensch sein Leben verändern kann, indem er seine Einstellung ändert.“

William James

Eine Möglichkeit sein Leben zu verändern, ist es, einen Weg zu wählen, der einen weniger drastischen Wandel aber größere Stabilitätsgarantie mit sich bringt.

Viele Menschen hegen den Wunsch, alles über den Haufen zu werfen, aber sie tun es nicht und entscheiden sich für weniger extreme Veränderungen, was nicht bedeutet, dass diese für sie und ihr Umfeld weniger tiefgreifend sind:

  • Ihre Beweggründe, etwas radikal zu verändern, sind die gleichen, aber sie ziehen dabei in Betracht, dass dies nicht unbedingt bedeuten muss, ihr gesamtes berufliches und familiäres Umfeld zurückzulassen.
  • Sie fangen an, neue Motivationsquellen und Neues in ihrem Umfeld zu entdecken, versuchen anderen Aktivitäten nachzugehen, neue Leute kennenzulernen und nicht immer die gleichen Orte aufzusuchen.
  • Im Beruflichen streben sie eine Beförderung an, einen Arbeitsplatzwechsel, oder die Möglichkeit größerer geografischer Mobilität. Wenn dies nicht möglich ist, entscheiden sie sich eventuell dafür, ihren Job zu wechseln, aber nicht den Beruf.
  • Bezüglich emotionaler Schwierigkeiten kann man zum Beispiel die Hilfe eines Experten suchen, der einem persönlich helfen kann, durch eine Paar- oder Familientherapie.
  • Vielleicht entscheiden sie sich auch, Beziehungen aufzubrechen, dabei aber emotionale Bindungen und Verantwortlichkeiten aufrechtzuerhalten, nur das Zusammenleben neu zu gestalten. Dies ist eine vernünftigere Veränderung sowohl für sie selbst als auch für andere.

Frau an Autofenster

Bei Null anfangen, aber mit Rücksicht auf das Umfeld

Jeder hat das Recht, sein Leben zu verändern, wenn es ihn nicht glücklich macht. Allerdings sollte man dabei berücksichtigen, dass die Gefühle der Personen im familiären, sozialen und beruflichen Umfeld einen Einfluss haben können, wenn man sich persönlich verändern will, ohne dabei größeren Schaden anzurichten:

  • Personen, die man auf plötzliche Weise zurücklässt, ohne ihnen zu erklären warum, können durch diesen Verlust eines geliebten Menschen traumatisiert werden.
  • Sie werden nicht nur das Verlassenwerden in Frage stellen, sondern mit Schuld- und Angstgefühlen an sich selbst zweifeln.
  • Ein vernünftiger Trauerprozess wird angesichts dieser abrupten Trennung nicht möglich sein, sondern sie werden sich selbst dafür verurteilen. Sie werden nicht darüber hinwegkommen und sie werden für immer von Zweifel und Vorwürfen geplagt sein.

Sich also zu verändern, indem man Menschen, die einem wichtig sind, zurücklässt, ohne Zeit für Erklärungen und Verständnis einzuräumen, wird doppelten Schmerz verursachen: der desjenigen, der abhaut, und der desjenigen, der zurückgelassen wird.

Versuchen wir also, so wenig Schaden wie möglich anzurichten, auch wenn wir glauben, dass unser Bruch und unser Weggehen gerechtfertigt sind.

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