Die vier Phasen der Angst

· 18. Januar 2016

Im vorsichtigen Menschen ist die Angst natürlich. Tapfer ist derjenige, der sie besiegen kann.

Alonso de Ercilla y Zúñiga

Die Angst ist ein allgemeines Gefühl, das jeder von uns schon einmal erlebt hat. Sie charakterisiert sich als ein Gefühl der Beklemmung, das auftritt, wenn wir eine Bedrohung wahrnehmen. Aber das bedeutet nicht, dass es nur negativ ist, die Angst besitzt auch eine positive Seite, die uns schützt.

Das Angstgefühl kommt auf, um uns vor einer Gefahr zu warnen. Das sorgt dafür, dass wir in einen Alarmzustand versetzt werden und alle notwendigen Mittel angewandt werden, um uns der Situation zu stellen, wenn wir glauben, dass wir das können. Sonst ergreifen wir die Flucht, um uns von der Bedrohung zu entfernen, weil wir uns nicht in der Lage fühlen, uns ihr zu stellen.

Es ist wichtig, dass wir uns merken, dass die Angst nicht das Problem ist, sondern dass sie uns nur auf die Existenz eines Problems hinweist.

Aber was passiert, wenn die Angst irrational wird? Das heißt, wenn wir dieses Gefühl auf ein Objekt projizieren, das uns lähmt, das wir nicht kontrollieren können und auch nicht zu besiegen wissen. Um die Antworten zu erhalten, erklären wir euch die vier Phasen, die wir durchlaufen, wenn wir Angst verspüren.

ängstlichkeit

Erste Phase: Vorstellung

Oft stellen wir uns alles Mögliche vor, wenn wir uns fürchten. Wir lassen uns auf übertriebene Weise von unseren Erwartungen leiten, was möglicherweise passieren wird. Aber in Wirklichkeit erschaffen wir in unserem Kopf eine Situation, die schlimmer ist als die echte, ohne zu wissen, wie sie verlaufen wird.

Wir laufen den Ereignissen voraus und erzeugen dabei Beklemmung und Furcht.

Warum machen wir so etwas? Die Antwort ist einfach. Wie wir bereits gesagt haben, bereitet uns das Angstgefühl darauf vor, uns zu beschützen und gegenüber einer schwierigen Situation zu verteidigen. Wenn wir anfangen, uns alles übertrieben vorzustellen, bedeutet das, dass unser Verstand mögliche Szenarien in Betracht zieht, damit wir vorbereitet sind, ihnen zu begegnen.

Je schlimmer die Situation ist, an die wir denken, umso besser können wir uns ihr stellen, wenn wir glauben, dass wir ausreichende Mittel dafür haben.

Unser Kopf arbeitet schnell und wir können nicht vermeiden, uns in die schlimmsten Situationen hineinzuversetzen. Das kann uns in einigen Situationen das Leben retten.

Zweite Phase: Angst

Die zweite Phase der Angst ist die Angst an sich. Wir haben uns vorher bereits vorgestellt, was passieren kann, die möglichen Szenarien, wie wir der Situation entfliehen können, etc. Jetzt kommt die Angst.

Diese zeigt sich in deinen Gedanken, aber auch an deinem Körper.  Wenn du dich fürchtest, beginnst du, zu hyperventilieren, dein Herz schlägt stärker, deine Stimme wird schwächer und du spürst deinen Körper voller Nerven. Du kannst dir jetzt gar nichts mehr vorstellen, geschweige denn denken. Du kannst lediglich fühlen und dich auf deine Handlungen vorbereiten, mehr nicht.

Ein Beispiel der Furcht kann sein, dass wir Angst haben, in der Öffentlichkeit zu reden. Wir glauben, dass wir es schlecht machen werden, dass wir Fehler machen werden, dass die Anderen uns auslachen werden. Wir schaffen mehr und mehr Erwartungen und stellen uns tausende Möglichkeiten vor.

Auch Erwachsene haben Angst

Dritte Phase: Lähmung und Beschleunigung

Wenn wir uns nur darauf konzentrieren, was wir fühlen, ohne unseren Gedanken Platz zu lassen, kann es passieren, dass wir uns blockieren. Das ist die dritte Phase der Angst. Wenn wir nicht mehr denken können, wenn wir uns in einer Situation befinden, die uns nicht handeln lässt. So passiert das, was wir alle fürchten: Wir sind vor Angst gelähmt.

In dieser Situation sind wir machtlos, manchmal ohne zu wissen, wie wir aus der Lage wieder herauskommen. Aber was können wir machen? Warten. Wenn die Beklemmung uns lähmt, müssen wir darauf warten, dass sie vorbeigeht. Es ist kein Gefühl, das schnell vorübergeht, sondern das einige Sekunden benötigt. Unser Körper hat den Alarm angestellt und braucht etwas Zeit, um zu verstehen, dass keine Gefahr besteht.

Außerdem kann sich in dieser Phase die Angst beschleunigen, anstatt uns zu lähmen. Und in dem Moment beginnen wir, Dummheiten zu begehen. Ein Beispiel ist, dass wir uns unter unserer Bettdecke verstecken oder wir in den Schrank schauen. Wenn wir genau nachdenken, wovor wird die Bettdecke uns bitte beschützen? Wir wissen, dass es lächerlich ist, aber in dem Moment kontrolliert uns die Angst und wir wissen sind nicht, was wir tun.

Vierte Phase: Erinnerungen

Die Vorstellung führt uns in den puren Zustand der Angst, der uns lähmen oder beschleunigen kann. Aber was ist das letzte Glied der Angst-Kette? Die Erinnerungen. Alles bleibt in unserem Kopf aufgezeichnet, vor allem stressige Ereignisse oder solche von großem emotionalen Gewicht.

Wenn du eine schlechte Erfahrung in einer Beziehung gemacht hast (also eine wirklich „schlechte Erfahrung“), wird sich die Erinnerung daran jedes Mal anschalten, wenn wir uns jemandem nähern, der die Absicht hat, eine Beziehung mit uns einzugehen. Was passiert da? Unsere Erinnerungen schränken uns ein, anstatt uns zu vor dem Schlechten zu beschützen, weil wir die negative Erfahrung nicht wiederholen wollen.

Diese Erinnerungen können verursachen, dass wir manche Gelegenheiten verpassen, deshalb sind sie nicht immer positiv. Es ist wahr, dass es gut ist, zu lernen und vielleicht anders zu handeln, um erneutes Leid zu vermeiden, aber es ist nicht gut, alles direkt zu blockieren. Man muss versuchen, seine Ängste zu überwinden. Man darf nicht zulassen, dass sie uns kontrollieren und unser Leben eingrenzen. Wenn wir Angst haben, in der Öffentlichkeit zu reden, müssen wir alle Kräfte zusammennehmen, um sie zu überwinden. Die Angst ist in unserem Kopf und nur wir können sie besiegen.

Wie wir gesehen haben, sind dies die vier Phasen der Angst, die wir durchlaufen, wenn etwas uns erschreckt. Es ist normal, Angst zu spüren, oder sogar gut, aber wir dürfen nicht erlauben, dass die Furcht unser Leben bestimmt. Wir müssen lernen, sie zu überwinden. Denkt immer daran, dass wir alle aus unseren Ängsten lernen können. Immerhin weisen sie uns auf die Existenz eines Problems hin, sodass wir es lösen können. Mach die Angst nicht zu deinem Feind.