Sei glücklich mit dem, was du hast

· 25. Juli 2017

Ihr kennt sicher den Spruch: „Geld macht nicht glücklich, aber es weint sich besser in einem Ferrari.“ Er kommt uns wie eine skurrile und ironische Phrase vor und das ist er auch, aber wir können etwas aus ihm lernen. Wir übernehmen Vorstellungen des derzeitig herrschenden, rohen Neokapitalismus, die uns dazu bringen können, unser Leben zu hassen, uns wie Versager zu fühlen und zu denken, dass alles besser wäre, wenn wir nur dieses oder jenes Gut besäßen.

Es wird behauptet, wir dann weniger Geldprobleme hätten... Aber es gibt sie auch unter reichen Menschen, sie kommen nur besser verpackt daher. Es stimmt zwar, dass man sich mit einer Arbeitsstelle und einem moderaten Einkommen entspannter fühlt. Aber es ist genauso wahr, dass man psychische Gesundheit auch mit Geld nicht kaufen kann. Ganz im Gegenteil, manchmal macht es die Probleme nur noch schlimmer und füllt unsere innere Leere auf die falsche Weise aus.

Wenn du mit dem, was du hast, nicht zufrieden bist, wirst du auch mit dem, was du willst oder zu brauchen glaubst, nie zufrieden sein. Es ist nicht gesund, so zu leben. Es bringt dich eher in einen Zustand permanenter Sorge, aufgrund dessen du einzigartige Momente im Leben verpasst.

„Vertraue auf die Zeit, denn sie bereitet bitteren Schwierigkeiten oft ein wunderschönes Ende.“

Miguel de Cervantes

Das Leben beginnt nicht erst dann, wenn du etwas bekommst, was du willst

Die momentane hohe Arbeitslosigkeit in vielen Ländern hat vielerlei kurz- und langfristige Konsequenzen. Aber auch abgesehen von sozialen und ökonomischen Punkten ist es wichtig, den Faktoren auf den Grund zu gehen, die das permanente Bedürfnis danach, unseren materiellen Besitz zu vermehren, das in unserer westlichen Gesellschaft so allgegenwärtig ist, erklären können.

Man denke an Menschen, die nur darauf hoffen, genug Geld zu haben, um ein paar Tage mit ihrer Familie am Strand verbringen zu können, oder die angespannt darauf warten, einen bestimmten Job zu bekommen, damit sie mit ihren Freunden feiern können. Wie beeinflusst das wohl über die Zeit ihre Stimmung? Wahrscheinlich fühlen sie sich wie gelähmt, verharren in ihrer Erwartung, dass endlich etwas geschieht, und würden am liebsten die Uhren vorstellen, damit das Gewünschte schneller eintritt.

Wenn du darauf wartest, dass etwas von außen deine innere Leere füllt, verschwendest du Zeit, die du niemals zurückbekommen wirst. Wenn du dann endlich die guten Nachrichten bekommst – falls das jemals passiert – bist du vielleicht vom vielen Warten schon ganz ausgelaugt.

„Wenn man voller Selbstvertrauen in Richtung seiner Träume marschiert und danach strebt, das Leben zu leben, das man sich vorgestellt hat, wird man bald von unerwartetem Erfolg gegrüßt werden.“

Henry David Thoreau

Keiner sagt, dass man keine Ziele haben dürfe, aber man kann sie nicht permanent aufschieben. Um dies nicht zu tun, braucht man allerdings jede Menge Mut und eine hohe Toleranzschwelle für Frustration und Ungewissheit. Es ist angenehm, überall hingehen zu können und zu wissen, dass man alles ordentlich hinterlässt, aber im Leben geht es nicht nur um Sicherheit und darum, alle losen Enden zu verbinden. Man muss auch mit Risiken leben können.

Gewissheit bringt Frieden, aber kein Glück

Nutze deine Energie, statt auf einen idealen Zeitpunkt zu warten. Nur indem du nutzt, worüber du bereits verfügst, wirst du neue Quellen der Energie ausfindig machen. Das Leben umfasst verschiedene Stadien, von denen jedes seinen speziellen Reiz hat, den wir häufig aber erst dann zu schätzen wissen, wenn wir zurückblicken.

Mit dem zufrieden zu sein, was man hat, bedeutet nicht, sich anzupassen. Es ist nichts Schlechtes daran, die positiven Dinge in deinem Leben zu nutzen. Indem wir die Schönheit der Menschen und Situationen in unserem Alltag zu erkennen wissen, lernen wir, dass wir aufgrund der Zufriedenheit, die sie vermitteln, sind, wer wir sind, auch wenn unser Geldbeutel manchmal leer ist. Mit dem zufrieden zu sein, was man hat, bedeutet, danach zu streben, eine bessere Person zu sein, nicht ein besseres Objekt.

Du kannst nicht lernen, aufgrund einer misslichen finanziellen Lage die Kontrolle und dein Urteilsvermögen nicht zu verlieren, indem du mit einer Bank verhandelst. Du kannst diese Fähigkeit nur erwerben, indem du deine eigenen Lektionen lernst, die Dinge mit deinen eigenen Augen betrachtest, mit deinen intellektuellen Ressourcen kämpfst und von Herzen Akzeptanz übst. Das Wertvollste in unserem Leben ist unser innerer Frieden und den erlangen wir nur, indem wir Phasen völliger Ungewissheit durchleben. Es handelt sich dabei nicht um etwas, das man mit seinem Gehalt verdient oder innerhalb einer festen Zeitspanne übergeben bekommt. Es ist ein langer und emotional anstrengender Prozess.

Jeder möchte gerne das erreichen, von dem er meint, dass es ihn glücklicher machen würde, aber wenn uns dieser Wunsch jegliche Leidenschaft für die Gegenwart nimmt, fügen wir uns damit höchstwahrscheinlich nur Leid zu.

Unsere Träume sollten uns in einen Flow-Zustand versetzen und unsere Ziele sollten dafür sorgen, dass es sich bei diesem Flow nicht um einen sinnfreien Einfluss handelt, sondern um eine bedeutungsvolle Verpflichtung zu einer ernsthaften Arbeit oder Verantwortung, etwas, dass uns zum Arbeiten und zum Laufen bringt. Mit dem zufrieden zu sein, was man hat, ist eine Verpflichtung gegenüber der Gegenwart, die sich in der Zukunft auszahlen wird.