Schlechter Schlaf kann dazu führen, dass du dich einsam fühlst

28 September, 2020
Eine interessante Studie zeigt, dass eine Verbindung zwischen schlechtem Schlaf und Einsamkeit besteht. In unserem heutigen Artikel erklären wir dir, wie diese Aspekte zusammenhängen.

Schlechter Schlaf und Einsamkeitsgefühle sind Situationen, die immer häufiger auftreten. Letztere haben deutlich zugenommen. In Großbritannien gibt es sogar einen Minister for Loneliness (auf Deutsch: Minister für Einsamkeit). Darüber hinaus ist auch schlechter Schlaf für viele Menschen auf diesem Planeten zu einer Lebensrealität geworden.

Diese beiden Phänomene werden dir vermutlich nicht unbekannt sein. Allerdings besteht das Neue darin, dass in einer Studie ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Phänomenen gefunden wurde. Die Daten deuten darauf hin, dass schlechter Schlaf stärkere Gefühle von Einsamkeit auslöst. Obwohl dies kein Thema der besagten Studie war, deuten andere Erkenntnisse außerdem darauf hin, dass Menschen, die nicht gut mit Einsamkeit umgehen können, häufig auch unter Schlafstörungen leiden.

Schlechter Schlaf kann verschiedene Emotionen auslösen. Du weißt, dass unzureichender Schlaf deine Stimmung beeinträchtigt. Du fühlst dich unmotiviert und bist reizbarer. Wenn du nicht gut schläfst, kann dies auch negative Auswirkungen auf deine Konzentrationsfähigkeit und deine Aufmerksamkeitsspanne haben. Die Studie, von der wir dir in unserem heutigen Artikel berichten wollen, zeigt, dass schlechter Schlaf auch dazu führen kann, dass du dich einsamer fühlst.

“Schlaf ist die beste Meditation.”

-Dalai Lama-

schlechter Schlaf - erschöpfte Frau am PC

Die Studie der University of California, Berkeley

Die Neurologen Eti Ben-Simon und Matthew Walker von der University of California in Berkeley führten eine interessante Studie über den Zusammenhang zwischen schlechtem Schlaf und Einsamkeit durch. Im Jahr 2018 veröffentlichten sie ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Communications.

Eine vorherige Studie, die mit 140 Probanden durchgeführt wurde, lieferte den Forschern die ersten Informationen. Es stellte sich heraus, dass die Teilnehmer nach einer Nacht des Schlafentzuges Anzeichen von Isolation zeigten und das Gefühl hatten, sie würden niemanden haben, mit dem sie sprechen könnten. Ben-Simon und Walker wollten diese Ergebnisse bestätigen und detaillierter untersuchen.

Zu diesem Zweck baten sie 18 junge Menschen darum, eine ganze Nacht und ohne Unterbrechungen zuhause zu schlafen. In der folgenden Nacht sollten diese dann in einem Labor während der gesamten Nacht wach bleiben. Um die Probanden vom Einschlafen abzuhalten, mussten sie an vielen verschiedenen Aktivitäten teilnehmen.

Anschließend zeigten die Forscher den Teilnehmern ein Video eines Menschen, der auf sie zulief. Außerdem forderten sie diese dazu auf, einen Knopf zu drücken, wenn diese das Gefühl hätten, die Person würde ihnen zu nahe kommen. Dabei beobachteten die Wissenschaftler, dass die Probanden 15 % mehr Distanz hielten als nach der Nacht, in der sie ausreichend geschlafen hatten.

Schlechter Schlaf: Die Auswirkungen von Schlafmangel

Darüber hinaus fanden die Wissenschaftler heraus, dass Schlafmangel eine stärkere Aktivierung in dem Bereich des Gehirns auslöste, der mit Bedrohung und Gefahr verbunden ist, während sich die Person im Video den Teilnehmern näherte. Mit anderen Worten, die Probanden empfanden eine stärkere Nähe zu einem anderen Menschen als gefährlich.

Außerdem ergab die Studie, dass die Freiwilligen, die schlecht geschlafen hatten, eine verminderte Aktivität in den Hirnarealen aufwiesen, die mit der Sozialisierung in Zusammenhang stehen. Das bedeutet, dass sie weniger Motivation verspürten, mit anderen Menschen zu interagieren.

Die Studienteilnehmer gaben auch an, sie würden sich einsamer fühlen. In der Studie heißt es dazu: “Obwohl zahlreiche Faktoren mit sozialer Isolation und dem Rückzug von zwischenmenschlichen Interaktionen in Verbindung gebracht werden, deuten neueste Erkenntnisse darauf hin, dass auch unzureichender Schlaf ein solcher Faktor sein könnte.”

Phase zwei

Eti Ben-Simon und Matthew Walker führten eine zweite Phase ihrer Studie durch. Allerdings nahmen dieses Mal 1.000 Freiwillige daran teil. Sie zeigten jedem Teilnehmer Videos der 18 Probanden aus dem ersten Experiment. Jede Aufnahme dauerte etwas mehr als eine Minute und zeigte lediglich die Probanden, welche über informelle Themen sprachen. Anschließend mussten die Freiwilligen 10 Fragen auf einem Fragebogen beantworten.

Die Forscher hatten die Hälfte der Videos aufgenommen, nachdem die 18 Probanden erholsam geschlafen hatten und die andere Hälfte, nachdem diese die ganze Nacht wach gewesen waren. Allerdings informierten sie die zweite Gruppe Freiwilliger nicht über diese Tatsache.

Die Wissenschaftler zeigten ihnen lediglich die Videos in zufälliger Reihenfolge. Anschließend befragten sie die Teilnehmer, welcher der Freiwilligen einsamer zu sein schien. Die meisten von ihnen identifizierten jene, die nicht geschlafen hatten. Darüber hinaus äußerten sie die Beobachtung, diese Menschen hätten auch weniger motiviert gewirkt und schienen weniger an sozialen Interaktionen interessiert zu sein.

schlechter Schlaf - schlafloser Mann im Bett

Schlechter Schlaf: Die Ergebnisse der Studie

Im letzten Teil des Experimentes baten die Forscher die 1.000 Freiwilligen, ihre eigenen Gefühle zu beschreiben, nachdem sie sich die Videos der 18 Freiwilligen angesehen hatten. Die Ergebnisse waren faszinierend. Nur durch die Beobachtung der Teilnehmer, die nicht geschlafen hatten, fühlten sich die Zuschauer einsamer.

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Einsamkeit in gewisser Weise sogar “ansteckend” war. Viele Teilnehmer gaben an, sich auf unerklärliche Weise einsamer zu fühlen, nachdem sie das Video eines Menschen mit Schlafentzug gesehen hatten.

Die Schlussfolgerung, zu der die Wissenschaftler gelangt sind, ist folgende: Schlechter Schlaf wirkt sich in negativer Weise auf deine Sozialisation aus. Außerdem löst er das Gefühl aus, du würdest von anderen Menschen abgelehnt werden. Die gute Nachricht ist, dass bereits eine erholsame Nacht ausreicht, um all diese Empfindungen verschwinden zu lassen.

López, M. F. (2018). Cómo dormir mejor: Guía práctica para mal dormidos. EDICIONES B.