Schlafmangel und Angstzustände: eine Verbindung, die die Gesundheit beeinträchtigt

· 28. April 2019

Schlafmangel und Angstzustände stehen laut neueren Studien in engem Zusammenhang. Wir sprechen dabei nicht nur von der Schlaflosigkeit als solcher, sondern auch von dem Umstand, tagtäglich zu wenig zu schlafen, unter ständigem Aufwachen zu leiden, mit dem Gefühl aufzustehen, nicht ausgeruht zu sein. Wenn wir diesen Zustand dauerhaft erleben, beeinträchtigt das unsere Gesundheit und unser Gemüt.

Die Neurowissenschaften entwickeln sich immer weiter und liefern uns ebenso interessante wie wertvolle Informationen. Jüngst wurde beispielsweise gezeigt, wie Nickerchen von weniger als einer halben Stunde dem Gehirn helfen, das Kurz- und Langzeitgedächtnis zu verbessern. Wir wissen auch, dass Schlaf der Schlüssel zur Beseitigung von Toxinen und anderen „Abfällen“ innerhalb und außerhalb des Nervensystems ist.

Menschen, wie die meisten Tiere, müssen schlafen. Wird dies nicht ordnungsgemäß durchgeführt, sind Gesundheit und Wohlbefinden gefährdet. Experimente zum Schlafentzug haben gezeigt, welch große Risiken damit verbunden sind. Es hat sich auch gezeigt, dass weniger als sechs Stunden Schlaf das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen signifikant erhöht.

Sophokles sagte, dass der Schlaf die einzig effektive Medizin für fast alles sei, und zweifellos liegt er mit dieser Argumentation nicht falsch. Manchmal vernachlässigen wir in unseren Gewohnheiten seine Bedeutung und Tragweite. Jeden Tag für mindestens 7 oder 8 Stunden den Kopf in die eine Richtung und die Füße in die anderen zu legen, wird uns dazu bringen, an körperlicher und vor allem psychischer Gesundheit zu gewinnen.

„Schlafen ist kein geringes Kunststück, denn man muss den ganzen Tag dafür wach bleiben.“

Friedrich Nietzsche

Leuchtendes Gehirn

Schlafmangel und Angstzustände: eine wichtige Beziehung

Der Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Angstzuständen inspirierte in den letzten Jahren zahlreiche Studien. So wurde auf der Jahrestagung der Society for Neuroscience  in San Diego (Kalifornien, USA) dieses Thema der Fachwelt nahegebracht. Ein anerkannter Spezialist auf diesem Gebiet, Dr. Clifford Saper, Mitglied der US-amerikanischen Sleep Research Society, erklärte dazu Folgendes:

  • Wir Menschen neigen dazu, falsche Vorstellungen von Schlafmangel zu haben. Schlafmangel ist nicht Schlaflosigkeit. Es ist auch kein Monat ohne Schlaf.
  • Tatsächlich ist Schlafmangel so subtil und weitverbreitet, dass wir ihm oft nicht die Bedeutung geben, die er verdient.
  • Schlafmangel bedeutet, dass wir weniger Stunden schlafen, als wir bräuchten, um uns zu erholen. Es ist, um Mitternacht ins Bett zu gehen und um zwei Uhr morgens aufzuwachen. Dann schlafen wir um drei Uhr ein und wachen um fünf Uhr auf, woraufhin wir nicht wieder einschlafen können. Es heißt auch, fünf oder sechs Stunden am Tag zu schlafen und sich zu sagen, dass das „normal“ sei.
  • Was unsere Gesundheit wirklich gefährdet, ist, nicht den REM-Schlaf zu erreichen, wo der Körper tief ruht, während das Gehirn aktiver ist als je zuvor, um wesentliche Aufgaben zu erfüllen.
Frau liegt nachts wach im Bett

Schlafmangel und die Amygdala

Stellen wir uns vor, wir schlafen seit zwei bis drei Monaten im Durchschnitt fünf Stunden. Wir wachen oft müde auf, aber wir können unseren Aufgaben und Verpflichtungen noch nachgehen. Wir sagen uns sogar, dass sich der Körper mit dem Alter verändert und wir weniger Schlaf brauchen. Wir können uns davon überzeugen, aber unser Gehirn ist mit diesen Überlegungen überhaupt nicht einverstanden; in Wahrheit finden wir keine erholsame Ruhe.

Wir schließen unsere REM-Schlafzyklen nicht ab, und das bedeutet, dass wir die Prozesse, die für unsere Gehirngesundheit so wichtig sind, nicht ausführen können.

  • Schlafmangel und Angstzustände sind miteinander verbunden, weil es eine Struktur gibt, die im Übermaß aktiv wird, die Amygdala.
  • Die Amygdala ist die Hirnregion, die aktiv wird, wenn sie erkennt, dass Gefahr besteht. Dann wird eine Reihe von Hormonen freigesetzt, die wiederum uns aktivieren, um der vermeintlichen Bedrohung zu entgehen.
  • Für die Amygdala ist Schlafmangel eine Bedrohung. Er ist eine Gefahr, die die zerebrale Homöostase bedroht, das für unser Wohlbefinden so notwendige Gleichgewicht.
  • Die Aktivierung der Amygdala führt uns unwiederbringlich in einen Zustand der Angst.

Schlafstörungen beeinflussen unsere Gesundheit

Wie wir sehen können, kann die Beziehung zwischen Schlafmangel und Angst manchmal ein Teufelskreis sein. Wir schlafen weniger und fühlen uns ängstlicher. Die Angst wiederum verstärkt unsere Schlafstörungen. Studien wie jene, die an der University of Adelaide in Australien realisiert wurde, weisen uns auf weitere Aspekte hin: Schlafstörungen erhöhen nicht nur das Risiko von Angstzuständen. Sie sind auch ein Risikofaktor für Depressionen.

Es gibt aber sehr effektive Schlaftherapien. In der Tat, sobald sich die Nachtruhe eines Patienten verbessert hat, verbessert sich auch sein psychisches Wohlbefinden  – in nur wenigen Wochen. Es werden Verbesserungen in kognitiven Prozessen erkennbar und die Stimmung des Patienten wird deutlich besser.

Schlafende Frau findet nötige Ruhe

Strategien zur Behandlung von Schlafmangel und Angstzuständen

Schlafhygiene-Spezialisten empfehlen zwei Strategien. Auf der einen Seite müssen wir unsere Schlafgewohnheiten verbessern. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass wir ausreichende Fähigkeiten erwerben, um Stress und Angst zu bewältigen.

  • Wir beginnen mit einer medizinischen Untersuchung. Es ist ratsam, organische Leiden auszuschließen, die diese nächtlichen Leiden hervorrufen können.
  • Zweitens ist es sehr empfehlenswert, einen Spezialisten für Schlaftherapie zu besuchen. Derzeit gibt es sehr effektive Programme, bei denen dem Patienten ein individuelles Programm zur Verbesserung der Schlafqualität angeboten wird.
  • Wir kümmern uns auch um unsere Schlafhygiene, indem wir immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und den gleichen Ritualen folgen.
  • Weitere geeignete Strategien sind z. B. das Training in paradoxer Absicht und Biofeedback. Diese Werkzeuge helfen uns, zu lernen, was wir angesichts des nächtlichen Aufwachens tun können.

Abschließend sei gesagt, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Angstzuständen gibt und es daher interessant ist, uns etwas mehr um unsere Lebens- und Schlafgewohnheiten zu kümmern. Schließlich, auch wenn niemand von einem Tag auf den anderen stirbt, weil er nicht geschlafen hat, nimmt der Schlafmangel uns nach und nach Lebensqualität und beeinträchtigt unsere Gesundheit, ohne dass wir es bemerken.

„Schweren Schlaf hat derjenige, der nicht spürt, wie schlecht er schläft.“

Seneca

  • Alvaro, PK, Roberts, RM, y Harris, JK (2013). Una revisión sistemática que evalúa la bidireccionalidad entre las alteraciones del sueño, la ansiedad y la depresión. Dormir , 36 (7), 1059-1068. https://doi.org/10.5665/sleep.2810
  • Mellman, TA (2008, junio). Trastornos del sueño y la ansiedad. Clínicas de medicina del sueño . https://doi.org/10.1016/j.jsmc.2008.01.010